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Bonitätsbewertung und Qualität
Bonitätsbewertung und Qualität
Creditreform Unternehmermagazin
Creditreform Magazin, 15.03.2011
Mit dem Bonitätsindex2.0 lassen sich 70 Prozent der Unternehmensinsolvenzen ein halbes Jahr im Voraus erkennen.
Creditreform führt seit Februar 2011 eine weiterentwickelte Version des Bonitätsindex in die verschiedenen Produktformate der Firmenauskünfte ein. Die Weiterentwicklung zum Bonitätsindex2.0 wurde möglich, weil der Umfang der Datenbasis gerade in den letzten Jahren noch einmal erheblich angewachsen ist. Hier sind vor allem zwei Informationsquellen zu nennen, die aufgrund ihrer gestiegenen Verfügbarkeit bei der Berechnung des Bonitätsindex2.0 noch stärker gewichtet werden können als bisher. So erfasst Creditreform in massiv gestiegenem Ausmaß die Zahlungserfahrungen deutscher Unternehmen im Debitorenregister Deutschland. Diese Daten, die eine erhebliche Trennschärfe aufweisen, werden systematisch ausgewertet und fließen nach strengen Regeln mit in die Bonitätsbewertung von Unternehmen ein. Hinzukommen Jahresabschlussdaten, die dank der starken Publizität in Deutschland inzwischen in millionenfacher Anzahl zur Verfügung stehen. Diese Informationen werden von Creditreform in einer Bilanzdatenbank strukturiert erfasst, analysiert und so für die Bonitätsbewertung nutzbar gemacht.
Mit der Weiterentwicklung zum Bonitätsindex2.0 werden darüber hinaus auch Veränderungen in der Struktur der deutschen Wirtschaft sowie Änderungen der Ausfallwahrscheinlichkeiten in einigen Branchen oder Rechtsformen berücksichtigt. So ist die Ausfallwahrscheinlichkeit bei Gewerbebetrieben in den letzten Jahren stark angestiegen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit bei der Gesellschaftsform GmbH & Co. KG ist hingegen gesunken.
Durch die Weiterentwicklung zum Bonitätsindex2.0 konnte die Prognosefähigkeit des Bewertungssystems – und damit die Qualität und der Nutzen für die Anwender in den Unternehmen und Kreditinstituten – weiter gesteigert werden. Der Index hilft, potenziell ertragreiche und verlustreiche Geschäfte oder Geschäftspartner noch exakter unterscheiden zu können, als es bereits bisher möglich war. Dabei sorgt eine punktgenaue Angabe zur Ausfallwahrscheinlichkeit des jeweiligen Unternehmens für zusätzliche Orientierung. Die Prognosefähigkeit des Auskunftssystems lässt sich mit einem einfachen Beispiel auf Basis der Daten für das Jahr 2010 quantifizieren. So hätte der Bonitätsindex2.0 fast 70 Prozent der Unternehmen, die im Jahresverlauf einen Insolvenzantrag stellten, bereits ein halbes Jahr vorher mit einer schwachen Bonität (Bonitätsindex2.0 300 oder schlechter) bewertet. Einen Monat vor der Insolvenz waren fast 94 Prozent der Insolvenzkandidaten mit einem schwachen Bonitätsindex2.0 versehen worden.
Vielschichtiges Qualitätsmanagement
Die Qualität der Bonitätsbewertung durch Creditreform basiert auf einem breiten Spektrum genau definierter Strukturen und Prozesse. Von großer Bedeutung ist etwa die dezentrale Datenrecherche und –pflege durch die bundesweit 130 Vereine Creditreform. Hierzu definiert ein Gremium von Qualitätsbeauftragten, das bereits seit den Neunziger Jahren existiert, verbindliche Arbeitsanleitungen und überwacht deren Einhaltung. Für die Aus- und Weiterbildung der Auskunftsmitarbeiter – bundesweit sind das fast 1.000 Rechercheure und Analysten – steht ein Schulungsprogramm zur Verfügung, dessen Spektrum von Grundlagenschulungen über Bilanzanalyseseminare bis hin zu einem mehrmoduligen Seminar zum Certified Business Analyst® mit Prüfung durch die Hochschule Bochum reicht.
Im Rahmen der Betrugsprävention wird im Internet kontinuierlich nach dort gehandelten Firmen gesucht, um daraus Anzeichen auf Betrugsabsichten abzuleiten. Dabei werden auch dubiose Adressen ermittelt, an denen eine Häufung von negativen Firmen zu verzeichnen ist. Darüber hinaus wird versucht, Firmen und Privatpersonen zu identifizieren, die als „Firmenbestatter“, Betrüger oder Strohmänner tätig sind. All diese Hinweise stehen für die Datenpflege und die Bonitätsbewertung zur Verfügung. Als technische Präventivmaßnahme wurde ein Anfragezähler in das Auskunftssystem integriert. Hintergrund ist, dass Betrugsphänomene üblicherweise mit einem extremen Anstieg der Auskünfte über das betrügende Unternehmen einhergehen. Tritt eine solche Entwicklung auf, löst der Anfragezähler eine Warnfunktion aus, der dann eine vertiefende Prüfung beim Kreditgeber folgt. Dieses Betrugs-Frühwarnsystem funktioniert zuverlässig, weil ein hinreichend großer Teil der Auskunftsanfragen bei Creditreform eingeht. Die hohe Marktdurchdringung von Creditreform im Auskunftsbereich ist daher die unabdingbare Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz des Anfragezählers.
Plausibilitätsprüfungen und Automatismen
Zusätzlich zu diesen prophylaktischen Maßnahmen zur Qualitätssicherung werden die Rechercheure und Analysten im Rahmen der Dateneingabe durch zahlreiche Plausibilitätsprüfungen und Automatismen unterstützt. Das Auskunftssystem stellt spezielle Tools für die Bewertung des umfangreichen Datenmaterials zur Verfügung. Die Sachbearbeiter können die vom System generierten Vorschlagswerte anhand einer Übersichtsmaske überprüfen, die alle bonitätsrelevanten Daten darstellt. Ergänzt wird diese Übersicht durch die grafische Darstellung diverser Kennzahlen und Kriterien im Zeitablauf. Zusätzlich kann auf ein Branchenanalyse-Tool zugegriffen werden, in dem Unternehmensvergleichswerte zu 1.500 Branchen hinterlegt sind.
Abgerundet wird die Qualitätssicherung durch ein zweistufiges Kontrollsystem. Die erste Stufe dient der Selbstkontrolle der Mitarbeiter. Das System veranlasst voll automatisiert und in festen Rhythmen 70 verschiedene Qualitätsselektionen. Die dabei ermittelten Datensätze werden nach festgelegten Vorgaben bearbeitet. Das zentrale Qualitätsmanagement aktiviert monatlich 20 dieser Qualitätsselektionen, um zu prüfen, ob die Bearbeitung korrekt vorgenommen wurde. Zudem führen die Qualitätsbeauftragten pro Jahr knapp 150 weitere, themenspezifische Sonderselektionen durch. Der gesamte Firmendatenbestand wird zusätzlich viermal pro Jahr einer Analyse zur Prognosefähigkeit des Bonitätsindex unterzogen. Bei jedem einzelnen Datensatz wird geprüft, wie hoch der Bonitätsindex vor zwölf Monaten war und wie er sich bis zum Analysetag verändert hat. Die jüngsten Ergebnisse bestätigen die hohe Prognosefähigkeit des Bonitätsindex2.0 und damit auch die Qualität der Auskunftsdatenbank.
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