Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2015

Hochstimmung hält an

Das konjunkturelle Umfeld für die mittelständische Wirtschaft ist weiter günstig. Entsprechend positiv bewerteten die knapp 3.900 von Creditreform befragten Unternehmen die aktuelle Geschäftslage. 56,3 Prozent der Befragten gaben die Note „sehr gut“ oder „gut“. Das ist ein ähnlich hoher Prozentwert wie im Vorjahr (57,4 Prozent). Zufrieden zeigt sich der Mittelstand mit der Auftrags- und Umsatzentwicklung im zurückliegenden Winter. 27,8 Prozent der Befragten berichteten von gestiegenen Auftragseingängen (Vorjahr: 26,8 Prozent). 19,4 Prozent der Unternehmen (Vorjahr: 16,0 Prozent) hatten weniger Aufträge in den Büchern.

26,2 Prozent und damit gut jeder vierte Befragte konnte seinen Umsatz im letzten halben Jahr steigern (Vorjahr: 25,3 Prozent). Umsatzrückgänge meldeten 23,1 Prozent der Unternehmen (Vorjahr. 21,0 Prozent). Dabei beurteilte das Verarbeitende Gewerbe seine Umsatzlage positiver als vor Jahresfrist, während der Handel eher Umsatzeinbußen verzeichnen musste.

Der Arbeitskräftebedarf der mittelständischen Unternehmen blieb in den zurückliegenden Monaten hoch. 22,8 Prozent der Befragten gaben an, das Personal aufgestockt zu haben (Vorjahr: 22,5 Prozent). 12,0 Prozent (Vorjahr: 12,4 Prozent) haben im letzten halben Jahr Stellen abgebaut.

Ein weiteres gutes Jahr für den Mittelstand

Im Hinblick auf die weitere Entwicklung behält der Mittelstand seinen Optimismus: 38,7 Prozent der Befragten – und damit ein höherer Anteil als im Vorjahr (37,8 Prozent) – rechnen mit Umsatzsteigerungen und 8,2 Prozent der Unternehmen erwarten weniger Umsatz (Vorjahr: 5,9 Prozent). Eine leichte Eintrübung der Erwartungen ist im Handel festzustellen, was mit dem seit Jahresbeginn geltenden Mindestlohn zusammenhängen könnte. Der Handel dürfte stärker als andere Wirtschaftsbereiche hiervon betroffen sein.

Die gute Auftragslage lässt den Personalbedarf des Mittelstandes ansteigen. Fast jedes vierte Unternehmen (23,5 Prozent) will die Zahl der Mitarbeiter erhöhen (Vorjahr: 23,9 Prozent). Der Anteil der Unternehmen, die Personal abbauen wollen, war mit 6,8 Prozent (Vorjahr: 5,0 Prozent) eher gering.

Mit Ausnahme des Handels ist die Investitionsbereitschaft in allen Branchen weiter gestiegen. Bei gut der Hälfte der Befragten (53,6 Prozent) ist ein Investitionsvorhaben geplant (Vorjahr: 52,0 Prozent).

Eigenmittel wieder Trumpf, Ertragserwartungen gedämpfter

Die gute Wirtschaftslage erwies sich auch für die Finanzierung des Mittelstands als positiv. 20,9 Prozent der Befragten berichteten von höheren Gewinnen (Vorjahr: 19,2 Prozent). Zudem verringerte sich der Anteil der Unternehmen, die Ertragseinbußen verzeichneten, von 25,3 auf 22,2 Prozent. Auch bei der weiteren Ertragsentwicklung bleiben die Mittelständler weitgehend positiv gestimmt. Allerdings sank der Anteil der Befragten, die Ertragssteigerungen erwarten, mit 27,6 Prozent unter den Vorjahreswert (35,9 Prozent). 11,1 Prozent der Befragten befürchten ein Ertragsminus (Vorjahr: 10,7 Prozent).

Die Eigenkapitalsituation des Mittelstandes hat sich wieder gebessert. Nur noch 30,7 Prozent (Vorjahr: 31,3 Prozent) der Befragten nannten eine Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent. Gleichzeitig verfügen mittlerweile 30,8 Prozent der Unternehmen über eine solide Eigenkapitalquote von über 30 Prozent (Vorjahr: 25,9 Prozent).

Etwas verlängert haben sich offenbar die Zahlungsfristen. Das gilt insbesondere in Bezug auf private bzw. gewerbliche Kunden des Mittelstandes. 84,7 Prozent der Befragten gaben an, nach spätestens 30 Tagen das Geld für die erbrachte Leistung bzw. gelieferte Ware zu erhalten (Vorjahr: 88,5 Prozent). 11,6 Prozent der Mittelständler müssen bis zu 60 Tage auf ihr Geld warten (Vorjahr: 8,7 Prozent). Allerdings sind größere Forderungsausfälle selten und betrafen nur rund jeden neunten Befragten (10,7 Prozent; Vorjahr: 11,2 Prozent).

(3.921 Zeichen)

© 2016 Verband der Vereine Creditreform e.V.