Mehr Transparenz im Kampf gegen Geldwäsche

Mehr Transparenz im Kampf gegen Geldwäsche

Um den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung weiter voranzutreiben, wurde das Geldwäschegesetz jetzt geändert. Was Unternehmen tun müssen, erklärt Compliance Experte Ralf Inderwies.

Vor kurzem hat sich das Geldwäschegesetz (GwG) geändert. Was sind die Hintergründe?

Ralf Inderwies: Seit dem 1. August 2021 ist das Transparenzregister- und Finanzinformationsgesetz (TraFinG) in Kraft getreten. Es soll für mehr Transparenz bei der Ermittlung eines wirtschaftlich Berechtigten sorgen und eine einheitliche Erfassung für nationale und europäische Partnerbehörden gewährleisten.

Was ist neu beim Geldwäschegesetz?

Ralf Inderwies: Durch die Neuregelungen wandelt sich das im Geldwäschegesetz verankerte Transparenzregister von einem Auffangregister in ein Vollregister mit einer Eintragungspflicht. Konkret bedeutet das: Bislang war ein Eintrag ins Transparenzregister nicht zwingend nötig, solange wirtschaftlich berechtigten Personen eines Unternehmens in einem öffentlichen Register – wie etwa Handels-, Partnerschafts-, Genossenschafts- oder Vereinsregister – eingetragen waren.

Wer ist von den Neuerungen im Geldwäschegesetz betroffen?

Ralf Inderwies: Die generelle Eintragungspflicht in das Transparenzregister ist für alle juristischen Personen, auch GmbHs und Aktiengesellschaften, eingetragene Personengesellschaften, nicht-rechtsfähige Stiftungen, Trusts und vergleichbare Rechtsgestaltungen verpflichtend.

Was müssen Geschäftsführer jetzt konkret unternehmen?

Ralf Inderwies: Aus den Änderungen ergeben sich zwei zentrale Handlungspunkte: Zum einen muss geprüft werden, ob alle notwendigen Informationen zum wirtschaftlich Berechtigten – wie etwa Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Wohnort, Art und Umfang des wirtschaftlichen Interesses, Staatsangehörigkeiten(en) – gepflegt sind. Zum anderen müssen Verpflichtete nach dem GwG ihre internen Prozesse zur Identifizierung der Kunden prüfen und im Zweifelsfall aktualisieren.

Experten Interview Neuerungen Geldwäsche
Obwohl der Gesetzgeber für die Eintragungen Übergangsfristen gewährt, sollten sich alle Verpflichteten zeitnah mit Neueintragungen oder Nachmeldungen beschäftigen.
Ralf InderwiesCreditreform Compliance Services GmbHSenior Consultant Compliance

Worauf müssen Unternehmen noch achten?

Ralf Inderwies: Sowohl personelle Veränderungen in der Geschäftsführung (auch bei Namensänderung oder Wohnsitzwechsel) als auch in der Gesellschaftsstruktur müssen umgehend aktualisiert werden. Obwohl der Gesetzgeber für die Eintragungen Übergangsfristen gewährt, sollten sich alle Verpflichteten zeitnah mit Neueintragungen oder Nachmeldungen beschäftigen. Für Unternehmen bedeuten die Änderungen nicht selten einen deutlichen Mehraufwand und zusätzliche Kosten. Dies sollte frühzeitig einkalkuliert werden.

Welche Fristen gelten?

Ralf Inderwies: Je nach Gesellschaftsform gelten unterschiedliche Fristen, die zwischen dem 31. März 2022 und dem 31. Dezember 2022 enden. Darüber hinaus gilt der Verstoß gegen die Erstmeldung auch ein Jahr nach der Übergangsfrist nicht als Ordnungswidrigkeit. Ein Bußgeld wird erst fällig, wenn auch diese Schonfrist abgelaufen ist.

Dann haben die Unternehmen ja noch Zeit…

Ralf Inderwies: Auf den ersten Blick erscheinen die Fristen relativ großzügig. Unabhängig davon würde ich jedoch empfehlen, die Daten zeitnah einzutragen. Denn künftig wird jeder Verpflichtete nach dem GwG, vor allem Banken und Finanzdienstleister, bei der Neubegründung von Geschäftsbeziehungen eine Abfrage im Transparenzregister vornehmen. Eventuelle Unstimmigkeiten müssen dann gemeldet werden.

Die Fristen im Überblick

Lesen Sie hier, für wen welche Fristen bei der Eintragung in das Transparenzregister gelten:

Zu den Fristen

Was passiert, wenn Angaben nicht übereinstimmen?

Ralf Inderwies: Wenn die von dem Verpflichteten ermittelten Angaben nicht mit den Daten des Transparenzregisters übereinstimmen, muss bei der registerführenden Stelle unverzüglich eine Unstimmigkeitsmeldung gemacht werden. Selbst leichtfertige oder auch erstmalige Verstöße gegen diese Eintragungspflicht werden bereits aktuell durch das Bundesverwaltungsamt mit zum Teil empfindlichen Bußgeldern geahndet. Zudem kann es passieren, dass bei bestandskräftigen Bußgeldbescheiden eine entsprechende Veröffentlichung auf der Internetseite des Bundesverwaltungsamtes erfolgt. Ein nicht unerheblicher Reputationsschaden wäre die Folge.

Tipp:

In den vergangenen Jahren haben sich die gesetzlichen Vorgaben zur Bekämpfung von Geldwäsche immer weiter verschärft. Die Anforderungen an die Verpflichteten nehmen dadurch ebenfalls immer weiter zu. Eine branchen- und berufsgruppenübergreifende Beratung zu Ihren Pflichten bei der Geldwäsche- und Betrugsprävention, aber auch zur Verhinderung von Terrorismusfinanzierung bieten die Geldwäsche-Experten von Creditreform.

Lassen Sie sich beraten

Sie möchten es noch genauer wissen?

Hier haben wir alle wichtigen Infos noch einmal kompakt für Sie zusammengestellt:

  • Übersichtstabelle: Wer muss welche Fristen einhalten?
  • Auf einen Blick: Welche Rechtsformen sind von der Transparenzpflicht betroffen?
  • Wer gilt als wirtschaftlich Berechtigter?

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