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Was wird aus den Krediten?

Der Shutdown, der im Zuge der Eindämmung der Infektionsketten durchgeführt wurde, war auch in seinen ökonomischen Implikationen einmalig. Es gibt in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte kein weiteres Beispiel, bei dem eine Wirtschaft in diesem Ausmaß zum Stillstand gebracht wurde. Nun wird sich mit dem Öffnen des wirtschaftlichen Lebens erst zeigen, wie groß die Schäden sind.

Um dennoch eine Vorstellung zu gewinnen, was uns erwartet, ist ein Blick auf die Situation vor dem Ausbruch der Krise hilfreich. Welche Risiken waren schon vorhanden, blieben aber in „normalen Zeiten“ beherrschbar oder waren gar nicht als Gefahren zu erkennen?

Die Bundesbank hat nun eine Analyse vorgelegt, welche die Kreditvergabe durch Banken an Unternehmen in Deutschland in den Jahren 2014 bis 2019 darstellt. Sie spricht von einem nachhaltigen Aufschwung bei den Unternehmenskrediten, der von allen Bankengruppen getragen wird und – mehr oder weniger – alle Wirtschaftszweige und Laufzeiten betrifft. Der Aufsatz ist im Ganzen sehr lesenswert – hier sollen nur die wichtigsten Ergebnisse wiedergegeben werden.

Konjunktur finanzieren

Zunächst ist festzuhalten, dass die gute Konjunktur ein Treiber für die Nachfrage nach Unternehmenskrediten war. Der Anstieg der Kreditvergabe zog über die letzten fünf Jahre von 2,5 Prozent kontinuierlich bis 2018 auf 5,9 Prozent Wachstum an. Selbst als im vergangenen Jahr die Konjunktur abzukühlen begann, blieb die Kreditvergabe hoch. Die engere Verzahnung von Kreditvergabe und gesamtwirtschaftlichem Wachstum ist nichts Neues. Bereits bei anderen Wachstumsschüben in der Wirtschaftshistorie – so etwa im Zuge der Wiedervereinigung – war die Kreditvergabe im Zeichen von größeren Investitionen und guter Ertragslage gestiegen.

Aber es ist nicht nur die Konjunktur, welche die Kreditvergabe treibt. Auch die Angebotsseite, die Banken selbst, sorgte mit einer Senkung der Hürden für mehr Kreditnachfragen. Verantwortlich dafür ist zum einen die starke Konkurrenzsituation unter den Kreditinstituten. Diese wurde verschärft durch die Internationalisierung des Angebots, aber auch durch die Verlagerung des Geschäfts in den Online-Bereich. Neue Spieler betraten das Feld. Entscheidend aber ist die Wettbewerbssituation vom Niedrigzinsumfeld geprägt. Die Bankhäuser verspürten deutlichen Druck auf Margen und Netto-Zinserträge, der sie dazu trieb, die Kreditvergabekriterien zu lockern. Die Senkung der Kredithürden im Zeichen günstiger Zinsen war kein Leichtsinn.  Die nachfragenden Unternehmen konnten auf eine günstige Ertragssituation und eine starke Eigenkapitalquote verweisen.

Bauboom als Turbo

Eine besondere Rolle beim Aufschwung spielt der Bau- und Immobiliensektor. Dabei ist nicht die Vergabe von Immobilienkrediten an private Bauherren gemeint. Es ist der erhöhte Bedarf der Bauwirtschaft, der unmittelbar mit dem Boom bei Bauleistungen zusammenhängt, der zu einer massiv wachsenden Kreditvergabe führte.

Für die starke Kreditvergabe der letzten fünf Jahre ist aber nicht alleine der Bausektor verantwortlich, der immer schon stark fremdfinanziert war. Die Bundesbank macht auch nicht die Nachfrageseite, die Unternehmen, die bestimmt sind von der guten konjunkturellen Entwicklung oder die Angebotsseite (die Banken) alleine in ihrem Zusammenwirken verantwortlich. Es ist ein anderer und weiterer Teil der „unkonventionellen Geldpolitik“ der Europäischen Zentralbank, der die Kreditvergabe angetrieben hat. Treiber des Geschehens ist dabei nicht alleine das Niedrigzinsumfeld. Es waren insbesondere das erweiterte Programm zum Ankauf von Vermögenswerten (expanded Asset Purchase Programm: APP) und die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (GLRG). Dabei sorgte das APP als gigantisches Anleihekaufprogramm dafür, dass die Banken sich von Staatsanleihen trennten – mit dem GLRG ist den Banken ermöglicht worden, zu sehr günstigen Bedingungen Kredite beim Eurosystem aufzunehmen. Insgesamt floss den Finanzierungsinstituten viel Liquidität zu. Die Mittel waren da, um sie den Unternehmen als günstigen Kredit zur Verfügung stellen zu können.

Risiken und Nebenwirkungen

Bankkredite stellen eine wichtige Finanzierungsquelle für Unternehmen dar. Die expansive Kreditvergabepolitik, getrieben durch verschiedene Maßnahmen der EZB, hat dazu geführt, dass die Unternehmen, vor allem im Mittelstand, sich mit Fremdgeldern „vollgesogen“ haben. Nun, im Zeichen der Krise, die jeden historischen, konjunkturellen Abschwung übertrifft, sind diese Kredite im Auge zu behalten. Tatsächlich stellt die Bundesbank am Ende ihrer Untersuchung fest, dass sich in den vergangenen Jahren durch die expansive Kreditvergabe zunehmend "zyklische Systemrisiken aufgebaut" haben. Sie mahnte – bereits im Januar 2020 – an, dass die daraus potenziell erwachsenden Risiken im Auge zu behalten sind.

Quelle: Deutsche Bundesbank



News-Details | Verband der Vereine Creditreform e.V.

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