Corona-Krise: Tipps für Unternehmer

Corona-Krise: Tipps für Unternehmer

In unseren 7 Tipps erfahren Sie, welche Erleichterungen und staatlichen Hilfen es gibt und wann Sie diese in Anspruch nehmen können. (Stand 27.05.2020)

Das Corona-Virus und die Folgen für die Wirtschaft

Seit Ende Januar 2020 machen sich die Auswirkungen des Corona-Virus in der deutschen Wirtschaft bemerkbar. Aufgrund der zunächst schnellen Ausbreitung des Virus traf die Bundesregierung im März entsprechende Regelungen, die das öffentliche Leben einschränkten.

Da die Zahl an Neuinfektionen stark gesunken ist, werden die Beschränkungen weiter gelockert: Unter Auflagen sind alle Geschäfte geöffnet. Dennoch sind Großveranstaltungen bis zum 31. August verboten und die Kontaktbeschränkungen gelten bis zum 29. Juni. Allerdings ist es gestattet, sich mit bis zu 10 Personen oder den Angehörigen zweier Hausstände im öffentlichen Raum zu treffen. Die geltenden Abstands- und Hygieneregeln müssen unbedingt weiter eingehalten werden und es besteht eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr sowie beim Einkaufen.

Dort wo es möglich ist, haben Unternehmer ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt, um so die Geschäfte aufrecht zu erhalten und Ansteckungen untereinander vorzubeugen. Doch Homeoffice lässt sich nicht für alle Branchen oder Tätigkeitsfelder umsetzen. So traf es gerade das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie Friseure hart, die ihr Geschäft schließen mussten und daher mit starken Umsatzeinbußen zu kämpfen hatten.

Auf welche Maßnahmen sich das Bundesfinanzministerium und das Bundeswirtschaftsministerium verständigt haben, um in dieser Krise Arbeitsplätze und Unternehmen aller Größen und Branchen zu schützen, erfahren Sie hier.

  • 1. Erleichterungen rund um Kurzarbeit und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen

    Die Bundesregierung hat im Zuge der Corona-Krise einige Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld beschlossen, die rückwirkend zum 1. März 2020 gelten. Beim Kurzarbeitergeld übernimmt die Bundesagentur für Arbeit je nach Familienstand des Mitarbeiters 60 beziehungsweise 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Neu ist, dass die Bundesagentur für Arbeit nun auch die Sozialversicherungsbeiträge für dieses Arbeitsentgelt komplett zahlt.

    Kurzarbeit kann angemeldet werden, wenn aufgrund schwieriger wirtschaftlicher Entwicklungen Aufträge ausbleiben und von dem Arbeitsausfall mindestens zehn Prozent (zuvor waren es noch 30 Prozent) der Belegschaft betroffen sind. Betriebe müssen aktuell keine oder weniger negative Arbeitszeitsalden als bislang aufbauen, um Kurzarbeit anzumelden.

  • 2. Staatliche Hilfen und wer sie in Anspruch nehmen kann

    Die staatliche Förderbank KfW soll Freiberuflern, Selbstständigen, mittelständischen Unternehmen sowie Konzernen laut Bundesfinanzminister mit „Krediten und Bürgschaften in grundsätzlich unbegrenzter Höhe“ zur Seite stehen, so Olaf Scholz. Damit kommt der KfW eine ähnlich entscheidende Rolle zu wie schon vor gut 10 Jahren während der Finanzkrise. Dabei hatte sie über ein Krisenprogramm rund 13,5 Milliarden Euro ausgezahlt und so laut eigener Aussage gut 1,2 Millionen Arbeitsplätze gefestigt. In der aktuellen Situation lockert sie die Bedingungen in den bestehenden Förderprogrammen (KfW-Unternehmerkredit, KfW-Kredit für Wachstum und ERP-Gründerkredit). 

    Den KfW-Unternehmerkredit können kleine, mittelständische und große Unternehmen beantragen, die länger als fünf Jahre am Markt sind. Für große Unternehmen übernimmt die KfW bis zu 80 Prozent bei kleinen und mittleren Unternehmen bis zu 90 Prozent des Risikos. Die bereitgestellten Mittel von bis zu 1 Milliarde Euro können für Investitionen, aber auch zur Finanzierung von laufenden Ausgaben wie Gehältern, Löhnen und Mieten genutzt werden. Der Höchstbetrag des Kredits ist begrenzt auf 25 Prozent des Jahresumsatzes oder das doppelte der Lohnkosten von 2019, außerdem den aktuellen Finanzierungsbedarf für die nächsten 18 Monate bei KMU (12 Monate bei großen Unternehmen) oder 50 Prozent der Gesamtverschuldung des Unternehmens bei Krediten über 25 Millionen Euro.

    Für den ERP-Gründerkredit gelten die gleichen Grenzen, allerdings ist er für junge Unternehmen gedacht, die noch keine fünf Jahre, aber mindestens 3 Jahre am Markt sind oder 2 Jahresabschlüsse vorweisen können. Auch Unternehmen, auf die das nicht zutrifft, können den ERP-Gründerkredit beantragen – unter der Voraussetzung, dass die eigene Bank oder Sparkasse das volle Risiko trägt. Eine Alternative für junge Unternehmen könnte hier der ERP-Gründerkredit – Startgeld sein, der auch neuen Unternehmen, Existenzgründern und Freiberuflern einen Kredit von bis zu 100.000 Euro ermöglicht, wobei die KfW 80 Prozent des Kreditrisikos übernimmt.

    Mittelständischen und großen Unternehmen steht außerdem eine KfW-Direktbeteiligung für Konsortialfinanzierung zur Verfügung. Der Kredit darf ab 25 Millionen Euro bis unbegrenzt betragen. Die Risikoübernahme liegt bei 80 Prozent.

    Anfang April 2020 hat die Bundesregierung zusätzlich den KfW-Schnellkredit beschlossen. Dieser soll besonders kleineren und mittelständischen Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten helfen, schnell an Liquidität zu kommen. Voraussetzung ist, dass die Unternehmen mindestens seit dem 1. Januar 2019 am Markt sind und über geordnete finanzielle Verhältnisse verfügen. Aufgenommen werden kann ein KfW-Kredit von bis zu 800.000 Euro – je nach Unternehmensgröße. Die Hausbanken der Unternehmen werden zu 100 Prozent von der Haftung freigestellt.

    In den Programmen gelten die üblichen Zinssätze der KfW, die allerdings aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase ohnehin schon sehr niedrig sind. Als weitere Hilfe gewährt die KfW tilgungsfreie Anlaufjahre. In dieser Zeit müssen Kreditnehmer nur die Zinsen, nicht aber die Tilgungsraten zahlen.

    Zusätzlich zu den Programmen der KfW stellt der Bund 50 Milliarden Euro an Soforthilfen für kleine Unternehmen und Selbstständige zur Verfügung. Zur Existenzsicherung können Unternehmen und Selbstständige aus allen Wirtschaftsbereichen mit bis zu 5 Beschäftigten einen einmaligen Zuschuss von bis zu 9.000 Euro (Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten einen einmaligen Zuschuss von bis zu 15.000 Euro) für drei Monate beantragen. Der Antrag muss bis zum 31.05.2020 bei den zuständigen Landesbehörden gestellt werden.

  • 3. Staatshilfen beantragen

    Die Beantragung von Staatshilfen soll unbürokratisch, transparent und vor allem schnell gehen, so verspricht es die KfW. Sie alleine entscheidet jedoch nicht über die Kreditvergabe, denn sie verfügt über keine eigenen Filialen. Unternehmen müssen KfW-Kredite über ihre Hausbanken beantragen, die den Antrag überprüfen und an die KfW weiterleiten. Das heißt: Die KfW übernimmt zwar mit bis zu 90 Prozent ein höheres Ausfallrisiko als üblich, doch die Hausbanken werden dennoch wie gewohnt die Bonität der Antragsteller prüfen. Entscheidend für die Bewilligung wird der Nachweis sein, dass ein Unternehmen tatsächlich nur durch die Corona-Krise und ansonsten unverschuldet in Finanznöte geraten ist.

    Unser Tipp: Damit die Banken die Anfragen für eine Überbrückungsfinanzierung schnell bearbeiten können, sollten Betriebe einen schlüssigen Liquiditätsplan vorlegen, aus dem der erforderliche Kapitalbedarf des Unternehmens hervorgeht. Wer aus anderen Gründen finanzielle Schwierigkeiten hat, dürfte es auch mit anderen Förderkrediten schwer haben.

    Kostenloser Bonitätsnachweis für 2019: Sie möchten einen KfW-Kredit über Ihre Bank beantragen? Mit unserem kostenfreien Nachweis können Sie Ihre gute Bonität vor der Krise bescheinigen lassen. Mehr Informationen

  • 4. Wie Finanzbehörden Unternehmen entgegen kommen

    Auch das Bundesfinanzministerium hat Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Liquidität von Unternehmen zu verbessern. Finanzbehörden gewähren die Stundung von Steuerschulden. Die Beantragung muss bis zum 31. Dezember 2020 beim zuständigen Finanzamt erfolgen. Unternehmen, die unmittelbar von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise betroffen sind, sicherte Finanzminister Olaf Scholz zu, bis Ende des Jahres 2020 auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge bei Einkommens-, Körperschafts- sowie Umsatzsteuer zu verzichten. Als weitere Maßnahme wurden die Voraussetzungen erleichtert, um Vorauszahlungen von Steuerpflichtigen auf entsprechend geringer zu erwartende Umsätze anzupassen.

    Bonuszahlungen der Arbeitgeber für Beschäftigte sind in diesem Jahr bis zu insgesamt 1.500 Euro steuerfrei. 

  • 5. Wenn Unternehmen trotz der Hilfen in finanzielle Schieflage geraten

    Ist ein Unternehmen zahlungsunfähig oder überschuldet, muss die Geschäftsführung normalerweise innerhalb von drei Wochen einen Insolvenzantrag stellen. Lässt sie diese Frist verstreichen, drohen straf- und zivilrechtliche Konsequenzen. Derzeit ist die Entwicklung aber sehr dynamisch und unvorhersehbar. So können Unternehmen auch unverschuldet in eine finanzielle Schieflage geraten.

    Deshalb hat das Bundesjustizministerium (BMJV) beschlossen, die Insolvenzantragspflicht auszusetzen. „Die Aussetzung der Insolvenzantragspflichten gibt in Bedrängnis geratenen Unternehmen die nötige Luft, um staatliche Hilfen zu beantragen und Sanierungsbemühungen voranzutreiben. Die Vorschriften gelten rückwirkend zum 1. März 2020, damit verhindert wird, dass die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für einige Unternehmen, die von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie betroffen sind, bereits zu spät kommt", erklärt Christine Lambrecht, Bundesministerin der Justiz und für den Verbraucherschutz. Die gesetzliche Regelung gilt vorerst bis zum 30. September 2020 und nur für Fälle, in denen die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen ist. Zudem müssen Aussichten auf eine Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit bestehen.

    Weitere Maßnahmen des Gesetzes sehen vor, dass Geschäftsleiter während der Aussetzung der Insolvenzantragspflichten nur eingeschränkt für Zahlungen haften, die sie nach der Insolvenzreife vornehmen. Während dieser Zeit gewährte Kredite gelten nicht als Beitrag zur Insolvenzverschleppung. Leistungen, die an Vertragspartner erfolgen, sind nur eingeschränkt anfechtbar. Die Möglichkeit, von Gläubigern Insolvenzverfahren durch Insolvenzanträge zu erzwingen, soll für drei Monate eingeschränkt werden.

  • 6. Gehaltszahlung an Arbeitnehmer, die deutsche Behörden unter Quarantäne gestellt haben

    Bei Infektionen mit dem Corona-Virus ordnen die Gesundheitsämter in der Regel zwei Wochen Quarantäne an. Hier greift das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten (IfSG). Arbeitnehmer in vorsorglicher Quarantäne bekommen ihr Gehalt weiterhin vom Arbeitgeber. Das Infektionsschutzgesetz erlaubt es Unternehmen jedoch, sich die Auslagen erstatten zu lassen. Der Antrag dazu muss innerhalb von 3 Monaten gestellt werden. Dauert die Quarantäne länger als sechs Wochen, erlischt die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers. Arbeitnehmer erhalten ihr Geld dann direkt von den Behörden, aber nur in Höhe des Krankengeldes, das die gesetzliche Krankenkasse zahlen würde. Wer sich tatsächlich mit Corona angesteckt hat, wird krankgeschrieben und erhält die übliche Lohnfortzahlung. Nach 6 Wochen übernimmt die Krankenkasse und zahlt Krankengeld.

  • 7. Rechtslage, wenn die Betroffenen im Ausland festsitzen

    Eindeutig ist die Rechtslage nur bei nachgewiesenen Infektionen. Erkrankte Arbeitnehmer erhalten ihr Gehalt sechs Wochen lang in voller Höhe, egal ob sie sich zu Hause oder im Ausland in Quarantäne befinden. Bei Verdachtsfällen ist die Lage unklar, denn das deutsche Infektionsschutzgesetz und seine Ersatzansprüche greifen nur bei Maßnahmen, die auch deutsche Behörden angeordnet haben. Ob angesichts der internationalen Notlage auch ausländische Stellen entsprechend agieren, ist fraglich. In diesen Fällen besteht das Risiko, dass Arbeitgeber auf den Kosten sitzen bleiben.