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Creditreform Wirtschaftsnews

Exodus in Deutschland – höchster Insolvenzstand seit 2013

Es war angesichts der Krisenlage fast zu erwarten: Der mehrjährige Anstieg der Unternehmensinsolvenzen setzt sich 2026 fort, wie die aktuellen Halbjahreszahlen der Creditreform Wirtschaftsforschung zeigen. Auch die Verbraucherinsolvenzen nehmen weiter zu.

Nun hat es auch einen traditionsreichen Fußballclub erwischt. Wie mehrere Medien Ende Juni berichteten, musste der TSV 1860 München mit zwei Gesellschaften Insolvenz anmelden. Weitere prominente Beispiele der vergangenen Wochen: die Einrichtungs- und Deko-Kette Depot sowie die Baumarktkette HELLWEG.

Bereits seit 2023 steigen die Insolvenzzahlen deutlich an und dass der Trend auch 2026 anhalten würde, deutete sich früh an. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden im ersten Quartal 2026 exakt 6.275 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert – 6,5 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Inzwischen liegen bereits die Halbjahreszahlen der Creditreform Wirtschaftsforschung vor – und auch sie sprechen eine klare Sprache: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg demnach im ersten Halbjahr 2026 sogar um 7,8 Prozent auf 12.900 Fälle. Das ist der höchste Stand seit 2013. Damals wurden im ersten Halbjahr 13.310 Fälle registriert.

Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Stagnation und Rezession verwundert es leider nicht: Viele Unternehmen sind finanziell geschwächt. Der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Öl- und Energiepreisschock hat die Situation zusätzlich verschärft. Die steigenden Insolvenzzahlen offenbaren eine tiefe strukturelle Krise bei den deutschen Unternehmen. Der erhoffte Konjunkturaufschwung ist durch die monatelange Blockade der Straße von Hormus bisher ausgeblieben.

Hohe finanzielle Schäden, viele gefährdete Arbeitsplätze

Dies hat Folgen: Die Schadenssumme infolge von Unternehmensinsolvenzen belief sich im ersten Halbjahr 2026 schätzungsweise auf 28,5 Mrd. Euro. Die Insolvenzgläubiger – darunter Lieferanten, Kreditgeber und Sozialversicherungsträger – mussten damit erneut überdurchschnittlich hohe Forderungsausfälle hinnehmen. Je Insolvenzfall ergaben sich im Durchschnitt etwa 2,2 Mio. Euro an ausfallgefährdeten Forderungen. Immerhin liegt dieser Wert leicht unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Eine andere bittere Folge jeder Insolvenz: gefährdete Arbeitsplätze. In den insolventen Unternehmen waren im Durchschnitt rund zwölf Personen tätig, wobei die Spannweite von Kleinstbetrieben bis zu Großunternehmen reicht. Insgesamt sind von den bisher im laufenden Jahr registrierten Insolvenzfällen rund 165.000 Arbeitsplätze betroffen. Die Zahl übersteigt das Niveau des ersten Halbjahres 2025, als schätzungsweise 143.000 Arbeitsplätze bedroht oder weggefallen waren.

Starker Anstieg bei größeren Unternehmen

Treiber des Insolvenzgeschehens im ersten Halbjahr 2026 sind größere Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Hier kam es mit einem Plus von 28,6 Prozent zu einem überdurchschnittlich starken Anstieg der Insolvenzzahlen. Offenbar ist dieses Größensegment von den gegenwärtigen wirtschaftlichen Belastungen in besonderem Maße betroffen. Bei den Betrieben mit 51 bis 250 Beschäftigten fiel der Anstieg der Fallzahlen mit 4,8 Prozent erheblich geringer aus. Auch bei der Betrachtung nach Umsatzgrößenklassen zeigt sich: Die Zahl der Insolvenzen bei größeren Unternehmen mit über 5 Mio. Euro Jahresumsatz liegt aktuell nahezu dreimal so hoch wie vor der Corona-Pandemie.

Ein besonderes Problem mit den aktuellen Marktbedingungen haben offenbar auch junge Unternehmen. Wie die Analyse von Creditreform Wirtschaftsforschung zeigt, nahm in diesem Segment erstmals seit 2022 der Anteil am Insolvenzgeschehen wieder zu. 22 Prozent der insolventen Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 waren höchstens vier Jahre am Markt tätig.

Insolvenzen: Minus beim Handel, starkes Plus bei Dienstleistungen

Blickt man auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche, so kam es allein im Handel gegen den allgemeinen Trend zu einem Rückgang des Insolvenzgeschehens. Mit 2.210 Insolvenzen wurde der Vorjahreswert leicht unterschritten – einigen prominenten Fällen zum Trotz. Hier kam es bereits in der Vergangenheit zu einer Marktbereinigung. Dagegen verzeichnete der Dienstleistungssektor einen deutlichen Anstieg der Insolvenzen: um 12,6 Prozent auf rund 7.900 Fälle. Im Baugewerbe stiegen die Zahlen um 4,5 Prozent.

Immer mehr Unternehmen geraten zwischen die Auswirkungen von schwacher Nachfrage, hohen Kosten und anhaltender Unsicherheit. Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht. Diese Entwicklung wird sich erst dann wieder stabilisieren, wenn die Wirtschaft endlich wächst. Nach jetzigem Stand also frühestens 2027.

Verbraucherinsolvenzen nehmen weiter zu

Doch auch bei den Privatpersonen stiegen die Insolvenzzahlen weiter. Im ersten Halbjahr 2026 wurden rund 38.800 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Das waren 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (37.920 Fälle). Höhere Fallzahlen wurden zuletzt 2021 und 2016 verzeichnet; im ersten Halbjahr 2012 wurden sogar mehr als 50.000 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Ein wichtiger Grund dafür, dass es hier vorerst nicht zu einem höheren Anstieg gekommen ist: Zwar belasten die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die Inflation viele Verbraucher, der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich jedoch immer noch weitgehend robust. So war die Arbeitslosenquote im Mai sogar leicht gesunken, auch wenn sie mit 6,3 Prozent weiterhin über dem Vorjahreswert liegt.

Quellen:
www.creditreform.de
www.destatis.de
www.sueddeutsche.de



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