Creditreform Magazin

Warten auf echte Erholung

Unternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen – wenn auch nicht flächendeckend. Infolge des leichten Aufwinds könnte die bisher schleppende Kreditnachfrage moderat in Fahrt kommen. Welche Kriterien bei Darlehensfinanzierungen über die Bank in diesem Umfeld relevant sind, zeigt Teil 2 der Bankenumfrage des Creditreform Magazins.

 

Zuletzt kam ein wenig Hoffnung auf. Ende des vergangenen Jahres fragte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) führende Wirtschaftsverbände nach den Erwartungen ihrer Mitglieder für 2026. Insgesamt, so die Forscher, spiegelte sich ein positives Bild gegenüber 2025 wider: 19 der 46 Verbände, die teilgenommen haben, gehen von einer höheren Produktion und mehr Umsatz aus. 9 Organisationen rechnen mit einem Rückgang. „Der Erwartungssaldo ist damit erstmals seit Jahren positiv“, zieht das IW als Fazit. 

Nur zeigt sich die aufgehellte Stimmung nicht branchenübergreifend. Zu den Aufsteigern im neuen Jahr gehören wohl vor allem Branchen, die vom Sondervermögen oder vom Anstieg der Verteidigungsausgaben der Regierung profitieren. Dies schließt etwa die Luft- und die Raumfahrt, den Schiffsbau oder Teile des Baugewerbes ein. Aber auch der Dienstleistungssektor meldet eine bessere Lage als im Vorjahr. 

Allerdings: „Wer auf ein baldiges und umfassendes Ende der Wirtschaftskrise gehofft hat, wird auch 2026 enttäuscht“, prognostiziert IW-Direktor Michael Hüther. Hinter dem Lichtblick stecke häufig keine wirtschaftliche Dynamik. „Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich auf niedrigerem Niveau“, sagt Hüther. Das Bild ist damit nicht rosig, aber immerhin gehen mehr Verbände von einer höheren Investitionstätigkeit aus – wenn sich auch „aus dem aktuellen Befund keine kräftige Erholung ableiten lässt“, so das IW. 
 

Zurückhaltung bei Investitionen

Mehr Investitionen würden zu einer höheren Nachfrage nach Finanzierungen führen. Im vergangenen Jahr haben die Banken an Firmen relativ wenige Darlehen zum Beispiel für Anschaffungen vergeben. „Laut Daten der Bundesbank sind die Kredite kaum gestiegen“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Das liegt vor allem daran, dass sich die verunsicherten Unternehmen bei Investitionen bisher zurückgehalten haben.“ So lag zum Beispiel das Kreditwachstum in Deutschland über alle Bankengruppen hinweg im letzten Quartal 2025 gerade einmal bei einem Prozent. „Die Nachfrage ist momentan noch sehr verhalten“, sagt Andreas Bley, Chefvolkswirt des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). 
 

Sparkassen mit Kredit-Neugeschäft

Positiv äußern sich die Sparkassen. Deren Neugeschäft mit Investitions- und Betriebsmittelkrediten lag zumindest in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres „auf einem recht hohen Niveau“, meint Reinhold Rickes, Chefvolkswirt des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Die Unternehmen benötigten das Geld vor allem für die digitale und für die ökologische Transformation. Im Vergleich zu den Jahren 2023 und 2024 wurden deutlich mehr Kredite zugesagt. Und dies, obwohl „die gegenwärtige handelspolitische Situation und die allgemein schleppende Konjunktur für eine gewisse abwartende Unsicherheit sorgen, die einer noch höheren Nachfrage derzeit entgegensteht“, so Rickes.

Die meisten Bankenexperten scheinen sich jedoch einig zu sein: „Die neuesten Unternehmensbefragungen bestätigen ein geringes Interesse der KMU an Kreditfinanzierungen“, erklärt Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Grund sei vor allem die schlechte wirtschaftliche Lage. „Doch dürfte der konjunkturelle Wendepunkt bald erreicht sein. Wenn sich die Konjunktur dreht, wird auch die Kreditnachfrage allmählich wieder stärker zulegen“, so Andreas Bley, Chefvolkswirt des BVR. Dabei haben die Banken die Nase vorn. Sie sind in der Regel für die Unternehmen die ersten Ansprechpartner. Finanzierungen via Beteiligungskapital oder über den Kapitalmarkt spielen laut Angaben vom Creditreform Magazin befragter Chefvolkswirte momentan eine geringe Rolle. 
 

Restriktive Kreditvergabe

In diesem Umfeld wird es für Unternehmen darum gehen, den Kreditinstituten gute Argumente für günstige Konditionen zu liefern. „Ein wichtiger Einflussfaktor bei der Kreditvergabe sind die strengen Kreditstandards der Banken, was angesichts des Risikoumfelds verständlich ist“, sagt KfW-Chefvolkswirt Schumacher. Man muss wissen: Im dritten Quartal des vergangenen Jahres zogen die Vergaberichtlinien – also die internen Vorgaben der Banken für neue Kredite – an. Dies geht aus dem Bank Lending Survey (BLS) der Deutschen Bundesbank hervor. Betroffen ist vor allem das Firmenkundengeschäft. Hier agieren die Geldhäuser restriktiver als noch vor einem Jahr. Grund ist, dass ihre Risiken wegen einer recht hohen Quote gefährdeter Kredite sowie einer niedrigeren Bonität vieler Unternehmer gestiegen sind und ihre Risikotoleranz gesunken ist. Der Anteil der Banken, die strengere Anforderungen haben als zuvor, lag bei der Umfrage bei 10 Prozent. Im Vorquartal waren es noch 3 Prozent. Wobei: Die Straffung betraf insbesondere große Unternehmen. 

Ob KMU oder Großbetrieb: Darlehen waren zu niedrigeren Zinssätzen zu bekommen als zu Beginn des Jahres 2025. Wohl auch, „weil die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen derzeit insgesamt noch solide ist“, sagt Schumacher. Die konjunkturelle Schwäche aber belastet die Unternehmensgewinne – und zwar vor allem jene der kleinen und mittleren Unternehmen, die stärker von der Binnenwirtschaft abhängig sind als die Großbetriebe. „Vor diesem Hintergrund könnte die Bedeutung einer tragfähigen Eigenkapitalbasis im Jahr 2026 insbesondere in Branchen zunehmen, die weniger von den staatlichen Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben profitieren“, so Schumacher. 

Eine ähnliche These vertritt auch Chefvolkswirt Reinhold Rickes vom DSGV: „Die Bedeutung der Eigenkapitalausstattung wird in diesem Jahr weiter steigen.“ Ein weiterer Trend ist, dass sich die Banken zunehmend für nachhaltiges Wirtschaften interessieren: „Es ist davon auszugehen, dass Unternehmen künftig in Kreditgesprächen Nachhaltigkeitsinformationen noch häufiger und detaillierter offenlegen müssen“, so KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und die nationalen Aufsichtsbehörden verpflichten Finanzinstitute, ESG-Faktoren als finanzielle Risiken zu bewerten. Institute müssen das Risikoprofil ihrer Kreditportfolios offenlegen und managen. Teilweise können sie hier auf Branchenwerte zurückgreifen. Gerade bei größeren Unternehmen und bei höheren Kreditobligos ist jedoch eine Individualisierung von ESG-Daten erforderlich. Das ist regulatorische Pflicht. „ESG-Daten werden fester Bestandteil der Kreditgespräche, aber nicht zum alleinigen Entscheidungskriterium“, so BVR-Chefvolkswirt Andreas Bley. Für die Volks- und Raiffeisenbanken bleibt das Geschäftsmodell entscheidend, aber „wer seine Nachhaltigkeit schrittweise transparenter macht, erleichtert die Kreditprüfung und verbessert beispielsweise den Zugang zu passenden Förderprogrammen und weiteren Unterstützungsangeboten“, so Bley.
 
Firmenchefs sind gut beraten, sich entsprechend aufzustellen. „ESG-Daten dürften auch aus Sicht der Unternehmen an Wert gewinnen. Sie bieten eine Möglichkeit, langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und die Resilienz zu steigern. Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle erfolgreich auf Dekarbonisierung und verbesserte Governance ausrichten, können sich wettbewerbsfähige Kostenstrukturen sichern, ihre Reputation stärken und ihren Marktanteil weiter ausbauen“, so DSGV-Ökonom Rickes. 


Quelle: Magazin "Creditreform"
Text: Eva-Maria Neuthinger
Bildnachweis: Getty Images