Zahlungsverzug rückläufig, Investitionen auch
Anfang Februar wurde der „Creditreform Zahlungsindikator Deutschland – Winter 2025/26“ vorgestellt. Demnach konnte die Zahlungsverzugsdauer weiter reduziert werden, die gesamte Forderungslaufzeit blieb dennoch unverändert.
Es klingt zunächst wie eine gute Nachricht: Viele Unternehmen und Kreditgeber haben in den vergangenen Monaten ihr Forderungsmanagement weiter optimiert. Dadurch konnte die Verzugsdauer im B2B-Geschäft weiter reduziert werden. Lag die Überfälligkeit 2022 noch bei fast elf Tagen, sank der Zahlungsverzug im zweiten Halbjahr 2025 auf nur noch durchschnittlich 7,5 Tage, wie der aktuelle Zahlungsindikator Deutschland zeigt, den Creditreform Anfang Februar veröffentlichte. Für die Studie hat die Creditreform Wirtschaftsforschung rund 3,8 Millionen Rechnungsbelege aus dem Creditreform Debitorenregister Deutschland (DRD) ausgewertet.
Für die meisten Lieferanten jedoch bedeutete diese Entwicklung keine tatsächliche Beschleunigung der Forderungslaufzeiten, da gleichzeitig häufig die Zahlungsziele verlängert wurden: Im zweiten Halbjahr 2025 gewährten Lieferanten ein durchschnittliches Zahlungsziel von 32,13 Tagen. Derartig lange Zahlungsfristen wurden Kunden in Deutschland seit mehr als sieben Jahren nicht mehr eingeräumt.
Im Grunde handelt es sich um zwei Seiten derselben Medaille: Die Wirtschaftskrise zwingt Lieferanten und Kreditgeber einerseits zu einem strafferen Forderungsmanagement. Angesichts zunehmender Insolvenzen und einer schwachen Auftragslage versuchen sie, Zahlungsausfälle um jeden Preis zu vermeiden. Andererseits sehen sich viele Unternehmen angesichts der Schwierigkeiten, in die viele Geschäftspartner geraten sind, gezwungen, diesen mehr Zeit zum Begleichen ihrer Rechnungen einzuräumen. Das birgt jedoch die Gefahr, selbst in Liquiditätsschwierigkeiten zu geraten.
Zugleich zeigt die Analyse von Creditreform, dass nicht alle im selben Maß von der Ausweitung der Zahlungsziele profitierten. Kleine und mittlere Firmen kamen meist nicht in den Genuss längerer Zahlungsfristen. Teilweise mussten sie sogar eine Kürzung hinnehmen. Großen Unternehmen wurden hingegen deutlich längere Zahlungsziele eingeräumt. Hier stieg das durchschnittliche Zahlungsziel von 32,63 auf 35,51 Tage.
Keine Beschleunigung der Forderungslaufzeiten
Es verwundert nicht, dass sich dennoch die gesamte Forderungslaufzeit – also die Summe aus Zahlungsfrist und Überfälligkeit – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht verändert hat. Sie betrug im zweiten Halbjahr 2025 durchschnittlich 39,63 Tage. So lange mussten also Lieferanten warten, bis sie ihr Geld für eine erbrachte Leistung erhielten. Warenlieferungen und Dienstleistungen mussten also rund 40 Tage vorfinanziert werden. Damit wurden die eigenen Reserven knapper. Der Trend aus dem Vorjahr bestätigte sich damit aber grundsätzlich: Die Außenstandsdauer liegt deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Ausschlaggebend dafür war die verkürzte Verzugsdauer.
Eine Beschleunigung gelingt jedoch nicht immer. Rechnungen beispielsweise an das Metall- und Elektrogewerbe oder an Logistikfirmen wiesen im zweiten Halbjahr 2025 eine längere Laufzeit als im Vorjahr auf. Kürzere Zahlungsabläufe wurden hingegen bei Geschäften mit dem Großhandel, dem Baugewerbe und den Unternehmensdienstleistern verzeichnet.
Investitionsknick – größere Transaktionen gehen zurück
Der Zahlungsindikator von Creditreform gibt auch Auskunft über den durchschnittlichen Wert einer verspätet bezahlten Rechnung. Dieser lag im zweiten Halbjahr 2025 bei 1.838 Euro und erreichte damit den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. 2022 waren es noch fast 2.200 Euro. Die Wirtschaftskrise hat also zu einem signifikanten Investitionsknick geführt. Das Volumen größerer Transaktionen geht zurück und die durchschnittlichen Rechnungswerte sinken. Besonders in der Industrie zeigt sich die Zurückhaltung bei Bestellungen deutlich.
Sinkende Rechnungswerte waren in den vergangenen Monaten vor allem bei Geschäften mit der Metall- und Elektrobranche sowie dem Großhandel zu verzeichnen. Auch bei großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten gingen die Transaktionswerte zuletzt deutlich zurück. Im zweiten Halbjahr 2025 lag der Durchschnitt hier nur noch bei 2.843 Euro, im Vorjahreszeitraum waren es noch 3.206 Euro.
Eine weitere Erkenntnis: Im zweiten Halbjahr 2025 bezahlte jeder Schuldner im Schnitt zehn Rechnungen nach Ablauf der Zahlungsfrist – im Vorjahreszeitraum waren es noch elf. Kreditgeber und Lieferanten agieren angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage und steigender Insolvenzen offenbar vorsichtiger, sodass weniger überfällige Belege gemeldet wurden.
Es bleibt festzuhalten: Nach drei Jahren Stagnation drohen Lieferanten und Kreditgebern auch in den kommenden Monaten Zahlungsausfälle. Vor allem die Insolvenzen größerer Firmen haben zuletzt zugenommen. Unternehmen sind deshalb gut beraten, die Abhängigkeit von einzelnen Kunden nicht zu groß werden zu lassen – Stichwort „Klumpenrisiko“.
Quelle:
www.creditreform.de