Pressemeldungen, Fachbeiträge & Neuigkeiten

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Verbraucher hart betroffen

Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um 30 Prozent auf fast 690.000 Betroffene (Vergleichszeitraum August 2019 zu August 2020). Und auch die Kurzarbeit mit geringeren Bezügen für die Beschäftigten steht im Zeichen der Corona-Krise und stieg auf neue Rekordwerte.

All dies führt zu einem deutlichen Einkommensverlust bei den Bürgern in Deutschland. Bereits im ersten Quartal 2020, das nur zur Hälfte von der Pandemie betroffen war, zeigten sich die ersten Bremsspuren beim Konsumverhalten der Verbraucher. Um minus 3,2 Prozent waren die Ausgaben von Januar bis März bereits gefallen. Auch das GFK gab beim Konsumklimaindex ein deutliches Minus an – das allerdings bereits im Herbst eingesetzt hatte. Schließlich stieg auch die Sparquote, der Anteil vom Einkommen, der von den Erwerbstätigen zurückgelegt wird. Zeichen der Krise aller Orten – aber sind die Menschen auch in der Lage, ihre Ausgaben anzupassen?

Verzicht und Sparen

Eine aktuelle Analyse der Creditreform Wirtschaftsforschung und der Creditreform Boniversum zeigt, dass die Bürger ihr Konsumverhalten geändert haben. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt weniger für Konsum und Lebenshaltung aus. Die Angst, mit dem Einkommen in Zukunft nicht mehr auszukommen, sorgt nicht nur für Rückgänge beim Konsum und für höhere Anteile beim Sparen, sondern setzt sich auch als Furcht fort, im kommenden Jahr nicht mehr die Kosten für die Lebenshaltung bestreiten zu können. Immerhin fast jeder Dritte fürchtet, mit dem Geld nicht mehr auskommen zu können. Und immerhin rund 10 Prozent der Befragten gaben an, bereits Möglichkeiten der Stundung für die Zahlung laufender Kredite zu nutzen. Dabei ist anzumerken, dass Erwerbstätige mit höherem Einkommen einen großzügigeren finanziellen Rahmen haben, der ihnen erlaubt, auf Ersparnisse zurückzugreifen. Für alle anderen aber ist es wenig verwunderlich, dass rund 10 Prozent der Befragten unter „Schulden-Stress“ leiden. Sie fürchten, dass ihnen die finanziellen Verpflichtungen über den Kopf wachsen könnten.

Weniger Verbraucherinsolvenzen

In diesem Zusammenhang lohnt ein Blick in die Insolvenz-Statistik. Im ersten Halbjahr 2020 kam es zu einem Rückgang bei den Verbraucherinsolvenzen um 6,4 Prozent. Es waren rund 30.800 zahlungsunfähige Verbraucher, die den Weg zur einer Entschuldung auf dem Wege eines Verfahrens anstrebten. Dieser Rückgang – zunächst erstaunlich – hat zwei Gründe. Zum einen war auch die Arbeit der Gerichte durch die Pandemie und den Shutdown eingeschränkt – es kam zu Wartezeiten. Zum anderen spielt sicher eine aktuelle Änderung des Rechts im Zusammenhang mit dem Verbraucher-Insolvenzverfahren eine Rolle. Ab Oktober wird die Wohlverhaltensperiode für die Betroffenen halbiert – von sechs auf drei Jahre. Dies ist sicher für viele ein Grund, den Weg zum Verfahren erst später zu beschreiten, wenn die Verfahrensänderung in Kraft getreten ist. Wie bei den Unternehmensinsolvenzen auch, kommt es an dieser Stelle alleine durch die Rechtslage zu einem Aufschub bei den Insolvenzverfahren. Dabei ist es keine Frage, dass mit diesem „Moratorium“ wenig gewonnen ist. Ganz im Gegenteil – die Unsicherheit über die Bonität auch von Verbrauchern wird zunehmen. Die Überschuldung der Betroffenen wird dazu führen, dass nur noch Zahlungsverpflichtungen, die unabdingbar sind, wie Miete oder Lebenshaltung, beglichen werden, Kredite aber möglicherweise ausfallen. Denn die Einkommenseinbußen sind nicht gering. So bezifferten im August 2020 28 Prozent der Befragten die Rückgänge beim Einkommen mit 30 bis über 50 Prozent. Dabei ist allerdings anzumerken, dass gegenüber Mai 2020 hier eine Besserung stattgefunden hat – die hohen Einkommensverluste haben nach Aussage der Haushalte ein wenig abgenommen. 

Verschoben ist nicht aufgehoben

Zurückhaltung beim Konsum und die Probleme beim Einkommen sind das eine – das andere ist die Haltung zur Verschuldung überhaupt. Zwischen Oktober 2016 und August 2020 (aktuelle Umfrage) ist der Anteil der Befragten, die angaben, das Aufnehmen von Schulden abzulehnen, um 6 Prozentpunkte von 24 auf 30 Prozent gestiegen. Auf der anderen Seite haben die "Schulden-Pragmatiker" abgenommen – innerhalb von vier Jahren von 22 auf 19 Prozent. Bei dieser Gruppe handelt es sich um Konsumenten, für die Schulden etwas Alltägliches sind – nur ein Mittel der Finanzierung. Deutschland wird eine „Sparmentalität“ nachgesagt – in der Krise kann diese Haltung von Vorteil sein.