Dauerkrise in der Gastronomie: Mehr als 11.000 Insolvenzen seit 2020
Die Krise frisst sich weiter durch die Gastronomie – und sie ist längst strukturell. Seit 2020 haben mehr als 11.000 Unternehmen Insolvenz angemeldet, allein 2025 stieg die Zahl der Pleiten um fast 30 Prozent. Gleichzeitig verschwinden tausende Restaurants „still“ vom Markt.

In der Gastronomie steigt die Zahl der Unternehmensschließungen und Insolvenzen weiter an. Allein in den Jahren 2024 und 2025 gaben bundesweit rund 24.500 Gaststätten, Restaurants und Lokale auf. Auch die Zahl der Insolvenzen legte zu – 2025 um fast 30 Prozent und damit deutlich stärker als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung in Neuss.
„Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt. Zehntausende Restaurants und Lokale mussten seitdem schließen“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.
„Die Absenkung der Umsatzsteuer soll der Gastronomie Luft verschaffen. Für viele Unternehmen kommt diese Entlastung jedoch vermutlich zu spät. Gleichzeitig verschiebt sich der Konsum immer stärker hin zu Lieferdiensten statt zu klassischen Restaurantbesuchen.“ Ähnliche Verhaltensänderungen machten auch dem stationären Einzelhandel zu schaffen, so Hantzsch weiter.
Insolvenzen seit 2022 verdoppelt
Der starke Anstieg der Insolvenzen in den Jahren 2024 (plus 26,5 Prozent) und 2025 (plus 29,6 Prozent) spiegelt die angespannte Lage wider. Allein 2025 mussten rund 2.900 Betriebe Insolvenz anmelden – mehr als doppelt so viele wie 2022 mit 1.394 Fällen. Im Zeitraum von 2020 bis 2025 summierte sich die Zahl der Insolvenzen in der Gastronomie bundesweit auf 11.252. Zu den bekanntesten Insolvenzfällen der letzten Jahre gehörte die Cocktail- und Restaurantkette Sausalitos mit über 1.000 Beschäftigten.
Besonders stark stiegen zuletzt die Insolvenzen in den Unterbranchen „Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben“ (plus 30,5 Prozent) sowie „Caterer und Verpflegungsdienstleister“ (plus 30,7 Prozent). Etwas weniger deutlich fiel der Anstieg bei „Diskotheken und Getränkeausschank“ (plus 23,9 Prozent) aus.
„Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht bald verbessern, wird die Gastronomie weiter ausdünnen. Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe kämpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben“, warnt Hantzsch. Besonders in kleinen Städten und Dörfern dürfte dieser Wandel deutlich sichtbar werden.
Eigenkapitalquoten unter Druck
Auch die finanzielle Lage sieht nicht gut aus. So liegen die Eigenkapitalquoten deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Bei 38,7 Prozent der Unternehmen beträgt die Quote weniger als 10 Prozent. In den Vorjahren war der Anteil noch höher – 2022 war mehr als jedes zweite Unternehmen (52,1 Prozent) eigenkapitalschwach, was sich in steigenden Insolvenzzahlen spiegelt. Rund ein Drittel der Betriebe (32,0 Prozent) weist zudem eine negative Gewinnmarge auf. Weitere 30,0 Prozent arbeiten zwar profitabel, erzielen jedoch nur geringe Margen von unter 5 Prozent.
„Oft übersteigen die kurzfristigen Verbindlichkeiten die liquiden Mittel. In solchen Fällen besteht ein erhöhtes Insolvenzrisiko. Daher dürfte die Zahl der Insolvenzen 2026 nochmals steigen“, so Hantzsch.
Methodik
Für die Analyse hat die Creditreform Wirtschaftsforschung die Wirtschaftszweige der Gastronomie (Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben, Cafés u. Ä.) untersucht. Selektiert wurden Unternehmen, die mehrere Betriebe führen können. Die Untergliederung der Wirtschaftsbereiche erfolgte gemäß der Klassifikation der Wirtschaftszweige der amtlichen Statistik (WZ-Klassifikation). Unternehmensbestände basieren auf der aktuell verfügbaren Umsatzsteuerstatistik. Insolvenzzahlen und Schließungen entstammen der Creditreform Wirtschaftsdatenbank und dem Mannheimer Unternehmenspanel vom ZEW.