6 Business Trends, die für Unternehmen wichtig sind
Inflation, Lieferkettenengpässe, Personalmangel, Klimawandel, Digitalisierung und KI: Wie Sie sich aktuellen Entwicklungen anpassen und wirtschaftlichen Megatrends begegnen.
Zum ArtikelPolitische Konflikte, wirtschaftliche Machtverschiebungen und regulatorische Eingriffe wirken heute schneller und direkter auf Geschäftsmodelle, Lieferketten und Investitionsentscheidungen.
Geopolitische Risiken sind längst kein Randthema mehr, sondern ein zentraler wirtschaftlicher Faktor – auch und gerade für den Mittelstand. Denn was lange als Herausforderung für global operierende Konzerne galt, trifft nun auch zunehmend mittelständische Unternehmen. Sie ergeben sich aus dem Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Sicherheit – und entfalten zunehmend unmittelbare wirtschaftliche Wirkung. Für mittelständische Betriebe sind diese Risiken entscheidend, da sie oft nur begrenzte finanzielle Spielräume und kaum Ausweichmöglichkeiten haben.
Geopolitische Risiken entstehen durch Unsicherheiten und Bedrohungen auf internationaler Ebene. Dazu zählen militärische Konflikte und Kriege, Bedrohungen kritischer Versorgungssysteme, Handelsunsicherheiten und Lieferkettenprobleme, Kapitalverkehrsbeschränkungen sowie politische und gesellschaftliche Risiken durch Sanktionen, Migration oder politische Polarisierung. Diese Risiken lassen sich anhand von drei Signaltypen erfassen:
Das Weltwirtschaftsforum stuft in seinem Global Risks Report 20261 geoökonomische Konfrontation als eines der größten globalen Risiken ein. Gemeint ist der zunehmende Einsatz wirtschaftlicher Instrumente wie Zölle, Sanktionen oder Exportkontrollen zur Durchsetzung politischer oder strategischer Ziele. Viele Führungskräfte und Experten erwarten in den kommenden Jahren eine turbulente oder stürmische weltwirtschaftliche Entwicklung.
Geopolitische Risiken wirken entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das, dass sich politische Spannungen selten isoliert auswirken, sondern mehrere Geschäftsbereiche gleichzeitig betreffen. Besonders herausfordernd ist, dass sich viele Effekte − etwa steigende Kosten, Nachfragerückgänge oder Finanzierungsengpässe − gegenseitig verstärken und damit die unternehmerische Planung erschweren.

Geopolitische Spannungen erhöhen die Volatilität an den Kapitalmärkten. Für Unternehmen kann das steigende Kapitalkosten bedeuten, weil Investoren Risikoprämien verlangen. Außerdem kann die Bewertung von Vermögenswerten stark schwanken, etwa wenn Unternehmen in Regionen investiert haben, die vom Finanzmarkt als riskant eingestuft werden.
Handelskonflikte und Sanktionen zwingen Unternehmen zu kostspieligen Umstrukturierungen. Unternehmen müssen in Doppelstrukturen investieren und ihre Just-in-Time-Modelle überdenken. "Nearshoring" oder "Friendshoring", also die Produktion in näheren oder politisch und wirtschaftlich verbündeten Ländern, erhöht zwar die Widerstandsfähigkeit, oft aber auch die Kosten. Kritische Rohstoffe oder Komponenten aus politisch instabilen Regionen werden ebenfalls zum Risiko. Auch Exportkontrollen und andere Regulierungen verkomplizieren den internationalen Handel und sollten Teil des Risikomanagements eines Unternehmens sein.
Handelsbeschränkungen, Zölle und protektionistische Maßnahmen können etablierte Geschäftsmodelle hinfällig machen. Unternehmen müssen daher immer wieder ihre Marktstrategien überdenken und zwischen Effizienz und geopolitischer Diversifikation abwägen. Lokalisierungsanforderungen zwingen multinationale Konzerne zu erhöhten lokalen Investitionen. Die Wahl neuer Produktionsstandorte wird zunehmend von politischer Stabilität und geopolitischen Allianzen beeinflusst.
Unternehmen sind gesellschaftliche Akteure und können in dieser Funktion zwischen die Fronten unterschiedlicher politischer Erwartungen geraten. Aktivitäten in autoritären Regimen können zu Boykottaufrufen und Reputationsschäden in demokratischen Märkten führen. Zunehmend wird auch die Positionierung zu geopolitischen Konflikten von Stakeholdern eingefordert, wobei jede Stellungnahme Risiken birgt. Social-Media-Kampagnen können schnell zu Imageschäden führen. ESG-Kriterien und Menschenrechtsfragen werden stärker mit geopolitischen Überlegungen verknüpft, was Investoren und Kunden gleichermaßen bewegt.
Geopolitische Spannungen gehen mit erhöhten Cyber-Angriffen einher. Kritische Infrastrukturen und sensible Daten werden zu Angriffszielen. Unternehmen müssen deshalb massiv in IT-Sicherheit investieren und sollten ihre Abhängigkeit von Technologieanbietern aus bestimmten Regionen überdenken. Die physische Sicherheit von Mitarbeitern in Krisenregionen erfordert zusätzliche Schutzmaßnahmen. Industriespionage und der Diebstahl geistigen Eigentums nehmen zu, während gleichzeitig Datenhoheit und -lokalisierung zu regulatorischen Anforderungen werden.
Unternehmen navigieren durch ein immer komplexeres Geflecht sich widersprechender Regelwerke. Sanktionen wie die der USA oder EU können globale Geschäftsaktivitäten einschränken. Anti-Korruptionsgesetze, Export- und Importkontrollen sowie sektorspezifische Regulierungen erfordern aufwendige Compliance-Programme. Die Durchsetzung von Verträgen wird in instabilen Regionen unsicher. Unternehmen riskieren Strafen von mehreren Seiten, wenn sie gesetzliche Anforderungen verschiedener Rechtsräume − sogenannter Jurisdiktionen − nicht unter einen Hut bringen können.
Aktuelle geopolitische Risiken lassen sich mit den Instrumenten des klassischen Enterprise Risk Managements (ERM) nur noch bedingt erfassen. Traditionelles Risikomanagement bei geopolitischen Themen war meist reaktiv, also auf unmittelbare Bedrohungen fokussiert, ohne langfristige strategische Implikationen zu berücksichtigen. Inzwischen sind geopolitische Risiken schwer greifbar und vorhersagbar, wirken aber plötzlich und unmittelbar, wenn sie auftauchen. Das macht langfristige Planung und Risikominderung schwer vorstellbar, geschweige denn umsetzbar.
Um sich auf Risiken vorzubereiten, ist ein Zusammenspiel aus Frühwarnsystem, Szenarioarbeit und Resilienzaufbau entscheidend. Sowohl die kurzfristige Überwachung von staatlichen Aktionen und den damit verbundenen Ereignissen als auch die tiefere Analyse der dahinterliegenden Treiber und Trends sind nötig. Traditionelle Risikovorhersagen sind zu eng gefasst, Szenarioplanung dagegen entwirft eine Bandbreite plausibler Zukünfte und ermutigt dazu, mehrere, oft unterschiedliche Pfade zu erkunden. Das hilft Führungskräften, ihre Annahmen zu hinterfragen, über lineare Vorhersagen hinaus zu blicken und potenzielle Störungen vorwegzunehmen.
In der Praxis bedeutet das, dass Führungskräfte parallel zu traditionellen Finanzprojektionen mit Schätzungen arbeiten müssen, wie Veränderungen in der geopolitischen Landschaft − etwa Zölle − ihre Finanzen beeinflussen können. Darauf aufbauend sollten sie versuchen, Chancen zu nutzen und Risiken zu minimieren, indem sie identifizieren, welche Geschäftsbereiche in welchem Szenario profitieren, und Kapital entsprechend umverteilen.
Strategien zur Bewältigung geopolitischer Risiken sind essenziell, um Unternehmen widerstandsfähiger gegenüber äußeren Einflüssen zu machen. Für mittelständische Unternehmen geht es dabei weniger um maximale Absicherung als um pragmatische Robustheit. Entscheidend ist, mit begrenzten Ressourcen jene Maßnahmen zu priorisieren, die die größte Wirkung auf Stabilität, Lieferfähigkeit und Liquidität haben.
Die Diversifikation von Lieferketten und Märkten reduziert Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten oder Regionen. Unternehmen können durch die Verteilung ihrer Produktionsstätten und Bezugsquellen auf verschiedene Länder das Risiko von Störungen minimieren und flexibler auf globale Herausforderungen reagieren. Darüber hinaus ermöglicht diese Strategie eine stärkere Resilienz gegenüber politischen Unruhen, Naturkatastrophen oder Handelskonflikten.
Politisches Monitoring und Länderanalysen helfen Unternehmen, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Dabei werden politische Entwicklungen, wirtschaftliche Stabilität und regulatorische Bedingungen in Zielmärkten regelmäßig überwacht. Solche Analysen ermöglichen es, präventive Maßnahmen zu ergreifen und sich besser auf mögliche Krisen vorzubereiten.
Risikomanagement-Tools und Experten bieten strukturierte Ansätze zur Identifikation, Bewertung und Steuerung von Risiken. Mithilfe moderner Softwarelösungen und professioneller Beratung können Unternehmen Unsicherheiten gezielt managen und ihre Entscheidungsprozesse optimieren. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Auswirkungen geopolitischer Risiken zu minimieren und die langfristige Stabilität zu sichern.
Die Integration geopolitischer Risiken in Unternehmensentscheidungen fördert eine ganzheitliche Risikobewertung und -bewältigung. Unternehmen sollten strategische und operative Entscheidungen so gestalten, dass sie flexibel auf unvorhergesehene Entwicklungen reagieren können. Ein proaktives Risikomanagement, das geopolitische Faktoren berücksichtigt, erhöht die Widerstandsfähigkeit und sichert die Geschäftskontinuität.
Informieren Sie sich über die Chancen und Risiken des internationalen Forderungsmanagements mithilfe der Creditreform Länderberichte. Diese geben Ihnen einen schnellen und strukturierten Überblick über das ausgewählte Land.
In den Länderberichten enthalten ist der Creditreform Inkasso-Indikator International (CRIII), der von den Creditreform Länderexperten aus einer Vielzahl von Daten ermittelt wird und die Wahrscheinlichkeit darstellt, notleidende Forderungen in verschiedenen Ländern einziehen zu können. Registrieren Sie sich kostenfrei und laden Sie beispielhaft den Länderbericht zu Großbritannien herunter.
KMU sind spezifischen geopolitischen Risiken ausgesetzt, die sich von denen großer Konzerne unterscheiden. Oft arbeiten sie mit einer begrenzten Anzahl von Lieferanten zusammen, was die Auswirkungen von Schwankungen besonders groß macht. Während Großkonzerne parallele Beschaffungsstrukturen aufbauen können, fehlen KMU oft die Kapazitäten dafür.
Auch Rohstoffknappheit beeinträchtigt die Produktionszeitpläne und Kosten besonders stark. KMU können Kostensteigerungen allerdings oft nicht an Kunden weitergeben, weil sie in Preisverhandlungen eine schwächere Position haben als Großunternehmen.
Besonders anfällig sind kleinere und mittlere Unternehmen auch für Cyber-Security-Vorfälle. Oft sind ihre Ressourcen beim Thema Cyber-Sicherheit nur unzureichend, was große Schäden nach sich ziehen kann. Der gravierendste Unterschied zu Großunternehmen ist daher die mangelnde Resilienz. KMU kennen zwar die Risiken, haben aber nicht die Ressourcen für professionelle Risikomanagement-Strukturen.
Als erfahrener Compliance Dienstleister bietet Creditreform Compliance Services (CCS) GmbH Ihnen maßgeschneiderte Lösungen für Ihr Compliance Management – von der Geldwäscheprävention über den Datenschutz und ESG-Compliance bis hin zu den Themen MaRisk- und Wertpapier-Compliance sowie KI-Compliance. Angebote zur Auslagerung von Funktionen in den Bereichen Compliance, Datenschutz, Prävention von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und sonstige strafbare Handlungen sowie E-Learnings und Seminare runden das umfangreiche Leistungsspektrum ab.
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3 BMLEH - Wälder weltweit - EU-weit einheitliche Regelung für entwaldungsfreie Lieferketten
4 CBAM – CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU | Wirtschaft NRW
5 Verordnung (EU) 2024/3015 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2024 über ein Verbot von in Zwangsarbeit hergestellten Produkten auf dem Unionsmarkt sowie zur Änderung der Richtlinie (EU) 2019/1937 (Text von Bedeutung für den EWR)
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