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Bittere Bilanz: Was vom Reformherbst blieb

Liebe Leserinnen und Leser,

letztes Mal sprachen wir von einer Sommerpause, die eigentlich keine ist. Zu viel ist passiert, Staatslenker wurden gar kritisiert, dass sie überhaupt drei Wochen Urlaub machen. Wir halten die Kritik für übertrieben, um nicht zu sagen unsinnig. Der Mensch braucht Ruhe. Das kann jeder bestätigen, der nach einer (zu) kurzen Nacht den ganzen Tag „performen“ muss. Das gilt für einen Bauarbeiter, den Insolvenzverwalter, den Arzt und ebenso für den Bundeskanzler. Wer nicht mal wirklich abschalten kann, der wird irgendwann vom Körper abgeschaltet. Oder leiert durch seinen Tag. Wo zu viel Ruhe aber deutlich kontraproduktiver ist, ist beim riesigen Reformstau in Deutschland. Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her (Mein Gott, wo bleibt nur die Zeit?!), dass der große Herbst der Reformen ausgerufen wurde. Wir ziehen also Bilanz und schauen uns die Liste der Vorhaben an, die notwendigerweise bereits umgesetzt sein sollten: Zum Beispiel rigoroser Bürokratierückbau, Neuregelungen von Sozial- und Rentensystemen, Lösungen für die horrenden Energiepreise etc. pp. Fatalerweise war es hinsichtlich dieser Vorhaben eher still, mal abgesehen von der (nicht überambitionierten) Rentenreform – die im „Nachwahllärm“ von Sachsen-Anhalt schon wieder halb zerlegt wird – und der äußerst fragwürdigen sogenannten „Einkommensteuerreform“.

Für den Mittelstand ist das schlecht. Die Unternehmen in Deutschland brauchen Rahmenbedingungen bzw. Leitplanken – wie auch immer man es nennen will –, innerhalb derer man erfolgreich wirtschaften kann! Es ist leider immer weniger attraktiv, in diesem Land Unternehmer zu sein. Das zeigt sich an den jungen Menschen, die in der Mehrheit die Kombination aus unternehmerischer Freiheit, Verantwortung für sich und andere sowie viel Arbeit als nicht besonders attraktiv empfinden. Das zeigt sich darin, dass der Staat mehr investiert als die Betriebe. Das zeigt sich auch schlicht an der Zahl der sogenannten „übergabereifen“ Unternehmen (190.000 bis 2030), für die nicht annähernd genug Nachfolger bereitstehen. Deshalb kann es für diesen (und die folgenden) Herbst(e) nur eine Losung geben: Das Land mit Reformen wieder flott machen. Das wäre das beste Signal für den Mittelstand und die Menschen in Deutschland. Dann kann auch jeder wieder beruhigt in den Urlaub fahren und für ein paar Tage ausspannen.

In dieser Ausgabe unseres Newsletters geht es wieder in die Vollen: Wir schauen einerseits auf das stille Verschwinden vieler Betriebe, die längst nicht alle wirtschaftlich am Ende sind. Es gibt aber tatsächlich auch gute Nachrichten: Die Gründungszahlen steigen wieder etwas und der überraschend starke Export macht Hoffnung auf eine kurze wirtschaftliche Belebung. In diesen Zeiten sind wir ja froh über jeden Lichtblick.

Ihr
Patrik-Ludwig Hantzsch