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Kreditklemme 2.0?

Im Herbst 2020, mit der zweiten Welle der Corona-Pandemie, steigt nicht nur die Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland, sondern auch die Angst, dass die Maßnahmen zur Eindämmung, ein „Lockdown light“, zu weiteren Verwerfungen in der Unternehmenslandschaft führen.

Aus der ersten Welle mit ihrem totalen Lockdown wissen wir: Eine solch radikale Schließung können wir uns kein zweites Mal leisten. Die Einbrüche der Gesamtwirtschaft wären zu gewaltig. Dabei ist noch nicht einmal klar – nachdem der Sommer eine deutliche konjunkturelle Erholung brachte –, wie die Spätfolgen der Maßnahmen aus dem Frühjahr aussehen werden.

Versteckte Insolvenzen

So scheinen wir zunächst und nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Stützungsmaßnahmen noch einmal glimpflich aus der ersten Krise gekommen zu sein. Ein besonderes Augenmerk gilt nun der Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen. Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, die es den Unternehmen erlaubte, trotz Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit weiterarbeiten zu können, hat das wahre Ausmaß der Krise für die Stabilität der Betriebe kaschiert. Nun ist zumindest die Zahlungsunfähigkeit wieder ein Grund, den Weg beim Insolvenzgericht antreten zu müssen – die Überschuldung alleine bleibt weiter für einen Insolvenzantrag ausgesetzt.

Angesichts der Unsicherheit über die finanzielle Lage der Betriebe ist es fraglich, ob diese weiterhin an die nötigen finanziellen Mittel kommen, um angesichts rückläufiger Umsätze und einer dürftigen Geschäftstätigkeit überleben zu können. Die Frage lautet: Steht der Finanzsektor mit Krediten bereit, um die Liquidität aufrechtzuerhalten? Die Deutsche Bundesbank hat im Frühjahr 2020 zweimal, im Mai und im Juli /August insgesamt 61 Unternehmensverbände befragt, die etwa 3,5 Millionen Unternehmen und Mitglieder vertreten. Gab es Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme in der Corona-Krise und im Lockdown?

Nicht nur Branchen …

Deutlich wurde dabei, wie sich die Corona-Pandemie sehr unterschiedlich auf die einzelnen Branchen und Wirtschaftsbereiche auswirkte. Besonders der Einzelhandel, das Gastgewerbe, der Tourismus, die Veranstaltungsbranche und schließlich die Automobilindustrie sowie ihre Zulieferer hatten unter deutlichen Umsatzeinbußen zu leiden. Die Verbände berichteten, dass ihre Mitglieder aus diesen besonders betroffenen Sektoren eine Ablehnung von Kreditanträgen besonders häufig hinzunehmen hatten. Die Verbände merkten an, dass ihre Mitglieder die starken Einbußen vor allem durch den Einsatz von Eigenmitteln sowie Kontokorrent und Überziehungskredit auszugleichen versuchten. Mehr als 60 Prozent der befragten Verbände berichteten im Mai 2020, dass Kreditanträge abgelehnt worden seien. Die Sommerumfrage brachte dann eine gewisse Entspannung bei der Vergabe im Zeichen des wirtschaftlichen Wiederauflebens.

Die Ablehnung von Krediten muss vor dem Hintergrund der Tatsache gesehen werden, dass den Betrieben finanziell das Wasser bis zum Hals stand. So war der Anteil der Banken, die einen Anstieg der Kreditnachfrage in der Krise erlebten, der höchste seit 2003. So wurden im Gastgewerbe von den Verbandsvertretern dann auch Insolvenzen angeführt, die angesichts der Finanzklemme für die Betriebe dieser Branche unausweichlich geworden seien. 

… sondern auch junge Unternehmen

Dabei ist die Frage nach einer Kreditklemme nicht nur eine der Branchenzugehörigkeit – auch viele kleine Betriebe sowie Start-up-Unternehmen sahen sich mit Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme konfrontiert. Die Verbände berichteten aber nicht nur davon, dass Kreditanträge abgelehnt worden seien, sondern – in geringerem Maße – von weiteren Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Finanzierung durch die Banken. Genannt wurden hier insbesondere lange Bearbeitungszeiten und höhere administrative Hürden. Erforderlich waren hohe Kreditsicherheiten, die Zinsbelastung wurde erhöht, die Laufzeiten verkürzt und das Volumen des Kredits fiel geringer aus. Immerhin zeigte die Umfrage zu diesem Thema im Sommer, dass die Probleme wieder weniger schwerwiegend beurteilt wurden.

Die Umfrage unter den Verbänden durch die Bundesbank thematisierte auch staatliche Unterstützungsmaßnahmen. Im Großen und Ganzen zeigten sich die Verbände zufrieden mit diesen Maßnahmen. Insbesondere die Kurzarbeit während der Pandemie und die Senkung der Mehrwertsteuer wurden sehr positiv bewertet. Garantierte Kredite wurden von rund zehn Prozent der Unternehmen, wie sie von den Verbänden vertreten wurden, in Anspruch genommen. Allerdings mischt sich hier ein wenig Wasser in den Wein: So wurde vor allem auf die langen Bearbeitungszeiten verwiesen. Hinzu kommt, dass etwa die Veranstaltungsbranche in einem Maße von Einschränkungen und damit einhergehender fehlender Nachfrage betroffen ist, dass auch Unterstützungen ein Überleben kaum möglich machen.

Finanzielle Situation der Mitglieder gefährdet

Resümierend hält die Bundesbank im Hinblick auf ihre Verbandsumfrage fest: „Sofern sich die Pandemie wieder verschärfen sollte, würde dies auch für Unternehmen gelten, die noch nicht in den stark betroffenen Branchen tätig sind.“ Als die Umfrage im Feld war, ahnte noch niemand, wie stark die zweite Welle der Pandemie im Herbst ausfallen würde.

Quelle: Deutsche Bundesbank