Creditreform Wirtschaftsnews

Insolvenzen: 10-Jahres-Hoch erreicht

Wie die im Dezember vorgelegte Untersuchung „Insolvenzen in Deutschland, Jahr 2025“ von Creditreform zeigt, stieg die Zahl der Unternehmen, die 2025 Insolvenz anmelden mussten, besorgniserregend.

Die anhaltende Wirtschaftskrise in Deutschland lässt sich an zahlreichen Faktoren ablesen. Zum Beispiel am Insolvenzgeschehen. Seit 2022 steigen die Fallzahlen kontinuierlich an. Ende 2025 erreichte die Zahl der insolventen Unternehmen in Deutschland nun den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Im Jahresverlauf waren 23.900 Firmen mindestens vorläufig am Ende und mussten Insolvenz anmelden – fast 2.000 mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem weiteren Anstieg von 8,3 Prozent, nachdem die Insolvenzanmeldungen in den beiden Jahren zuvor bereits jeweils um knapp 23 Prozent zugelegt hatten. Dies sind Ergebnisse der aktuellen Untersuchung „Insolvenzen in Deutschland, Jahr 2025“, die die Creditreform Wirtschaftsforschung im Dezember in Frankfurt der Öffentlichkeit präsentierte.

Quintessenz: Viele Unternehmen weisen einen hohen Verschuldungsgrad auf und haben unter den aktuellen Bedingungen Schwierigkeiten, bestehende Kredite zu bedienen oder neue Finanzierungen zu erhalten. Zugleich leidet die deutsche Wirtschaft unter strukturellen Problemen, etwa den hohen Energiekosten, insbesondere in energieintensiven Branchen. Geopolitische Risiken – wie etwa Handelskonflikte – verstärken die Unsicherheit zusätzlich und erschweren eine konjunkturelle Erholung. Das setzt vor allem den Mittelstand unter massiven Druck und bricht vielen Betrieben das Genick.

Bedauerlicherweise geraten auch die Verbraucher verstärkt in finanziellen Stress. Seit 2023 nehmen die Privatinsolvenzen deutlich zu. Die Zahl stieg 2025 um 6,5 Prozent auf rund 76.300 Fälle. Das ist der höchste Stand seit 2016. 2024 hatte der Wert bereits um 7,8 Prozent auf 71.630 Fälle zugelegt. Hauptursache für den Anstieg ist die zunehmende Überschuldung der Menschen. Hohe Lebenshaltungskosten, Stellenstreichungen und steigende Arbeitslosigkeit bringen viele Haushalte an ihre Grenzen.

Besonders gefährdet: Kleinstunternehmen, Verarbeitendes Gewerbe und Handel

Betrachtet man das Insolvenzgeschehen bei den Unternehmen in Deutschland genauer, fällt auf, dass Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten den größten Anteil der Unternehmensinsolvenzen ausmachen. In diesem Segment meldeten 2025 rund 19.500 Firmen Insolvenz an – 2024 waren es 17.900 Fälle. Damit stehen die Pleiten bei den Kleinstbetrieben für über vier Fünftel aller Insolvenzen. Bei großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten fiel der Anstieg dagegen moderat aus – 2025 wurden rund 140 Großinsolvenzen verzeichnet.

Besonders starke Zuwächse beim Insolvenzgeschehen zeigen sich vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel. Hier nahmen die Fälle um jeweils über zehn Prozent zu. Besser sieht es im Baugewerbe aus – hier legten die Insolvenzen lediglich um 4,7 Prozent zu. Insgesamt gilt: Das Insolvenzgeschehen übertrifft in allen Hauptwirtschaftsbereichen nicht nur die Vorjahreswerte. Im Bausektor, im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich liegen die Fallzahlen inzwischen sogar rund ein Drittel über dem Niveau von 2019.

Hohe Verluste für Gläubiger, Verlust von Arbeitsplätzen

Viele Insolvenzen bescheren den Gläubigern, etwa Lieferanten, Banken und Sozialversicherungen, hohe Schäden. Die Schadenssumme lag 2025 mit rund 57 Mrd. Euro fast auf dem Niveau des Vorjahres (59,1 Mrd. Euro). Zahlreiche Großinsolvenzen sowie die insgesamt gestiegene Zahl an Verfahren führen erneut zu hohen notleidenden Forderungen. Im Durchschnitt belaufen sich die ausfallbedrohten Summen pro Insolvenzfall auf mehr als zwei Mio. Euro.

Eine weitere schädliche Folge von Insolvenzen: In vielen Fällen sind in den maroden Unternehmen Mitarbeiter beschäftigt und häufig kommt es im Zuge des Verfahrens, teils auch schon im Vorfeld der Insolvenz, zu einem Arbeitsplatzabbau. Schätzungsweise 285.000 Arbeitnehmer waren 2025 von diesen Unternehmensinsolvenzen betroffen. Das ist zwar etwas weniger als im Vorjahr (291.000), dennoch bleiben die Arbeitsplatzverluste aufgrund zahlreicher Großinsolvenzen sehr hoch.

Viele junge Unternehmen betroffen

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung von Creditreform sticht ins Auge: Vom Anstieg der Insolvenzen sind Unternehmen aller Altersklassen betroffen. Besonders stark stiegen die Fallzahlen jedoch bei sehr jungen Unternehmen, die maximal zwei Jahre auf dem Markt aktiv sind - eine Zunahme von rund 13 Prozent.

Dabei drängt sich die Frage auf: Wie steht es in unserem Land eigentlich um die Rahmenbedingungen für Gründungen und junge Unternehmen? Was stimmt nicht, wenn immer mehr Nachwuchsunternehmen nach zwei Jahren Insolvenz anmelden müssen? Sicherlich werden auch nicht tragfähige Geschäftsmodelle darunter sein und Gründer, die sich schlicht überschätzt haben. Das allein erklärt aber nicht den hohen Anstieg.

Insofern ist diese Entwicklung ein weiteres großes Alarmzeichen. Schließlich braucht unser Land nicht nur dringend einen wirtschaftlichen Aufschwung insgesamt, sondern jederzeit auch frische Ideen und junge, mutige Start-ups, die mit ihren Geschäftsmodellen die Transformation vorantreiben, neue Arbeitsplätze schaffen und für Dynamik sorgen. Aus dem angekündigten „Herbst der Reformen“ muss nun ganz schnell der Winter und Frühling der beherzten und drastischen Veränderungen werden.

Quelle:
www.creditreform.de



Creditreform in Mecklenburg-Vorpommern