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Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk 2025/26

Aufträge fehlen, Kosten steigen und die Insolvenzen erreichen ein 10-Jahres-Hoch – das Handwerk bleibt unter Druck. Zwar hat sich die Stimmung nach dem historischen Tief leicht verbessert, von einer echten Trendwende kann jedoch keine Rede sein. Auch Personalabbau und ungelöste Nachfolgefragen belasten die Branche weiter.

Umsätze im Minus

Die Stimmung im Handwerk hat sich nach dem 15-Jahres-Tief im Vorjahr nur leicht verbessert. Viele Betriebe leiden weiterhin unter den Folgen der Wirtschaftskrise. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Studie der Creditreform Wirtschaftsforschung aus Neuss. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage im Handwerk stieg lediglich von 45,8 auf 47,0 Prozentpunkte und bleibt damit auf niedrigem Niveau.

„Ohne schuldenfinanzierte Impulse wäre Deutschland 2025 erneut in die Rezession gerutscht. Von einer echten konjunkturellen Wende kann keine Rede sein“, erläutert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

In den vergangenen Monaten überwogen die negativen Umsatzmeldungen. 25,5 Prozent der Betriebe mussten Umsatzrückgänge hinnehmen. Dieser Anteil lag zwar leicht unter dem Vorjahreswert (26,9 Prozent), jedoch verzeichneten aktuell nur 22,2 Prozent der Unternehmen ein Umsatzplus.

Vom Anstieg der Konsumausgaben in Deutschland konnte das Handwerk kaum profitieren. Hoffnungen auf eine Belebung der Auftragslage in verbrauchernahen Bereichen wie dem Dienstleistungshandwerk erfüllten sich nicht. Gleichzeitig bremste die schwache Industriekonjunktur die handwerklichen Zulieferer aus.

Besonders verhalten entwickelte sich der Umsatz im Nahrungsmittelhandwerk, wo die negativen Einschätzungen deutlich überwogen. Auch das Handwerk für den gewerblichen Bedarf kämpfte mit rückläufiger Wertschöpfung. Im Bauhauptgewerbe hielten sich Umsatzsteigerungen und Rückgänge noch die Waage, während im Ausbauhandwerk auch sinkende Umsätze gemeldet wurden. Positiv blieb die Umsatzentwicklung per Saldo lediglich im Kfz-Gewerbe und im Dienstleistungshandwerk, wenngleich auch dort Einbußen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen waren.

Insolvenzen auf 10-Jahres-Hoch

Die Zahl der Insolvenzen von Handwerksbetrieben stieg 2025 um 13,3 Prozent und erreichte mit 4.950 Fällen den höchsten Stand seit gut zehn Jahren (2024: 4.370). Der Anstieg fiel damit stärker aus als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

„Energie, Material, Löhne – die Kosten laufen davon. Ohne ausreichende Reserven geraten viele Betriebe schnell in existenzielle Schieflage. Unternehmensaufgaben, fehlende Nachfolger und steigende Insolvenzzahlen dokumentieren das eindrücklich“, so Hantzsch.

Betriebe bauen Personal ab

Die anhaltend schwache Konjunktur macht sich zunehmend auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Ende Januar 2026 erreichte die Zahl der Arbeitslosen den höchsten Stand seit rund zehn Jahren. Auch im Handwerk setzte sich der Personalabbau fort: 22,1 Prozent der Betriebe reduzierten ihren Personalbestand, während 20,6 Prozent zusätzliche Mitarbeiter einstellten. Hantzsch: „Das Handwerk baut seit drei Jahren Stellen ab. In diesem Tempo zuletzt vor 20 Jahren. Schwache Konjunktur, Überalterung und Nachwuchsmangel wirken zugleich auf das Rückgrat des Sektors ein.“

Verhaltener Optimismus

Für 2026 rechnet das Handwerk mit einer leichten Belebung der Umsatzentwicklung. 27,0 Prozent der Betriebe – und damit mehr als im Vorjahr (24,3 Prozent) – erwarten ein Umsatzplus. Gleichzeitig gehen 18,4 Prozent von rückläufigen Umsätzen aus (Vorjahr: 22,8 Prozent). Besonders das Bau- und Ausbauhandwerk zeigt sich hier optimistischer.

Trotz der verbesserten Prognosen ist insgesamt nur ein moderates Wachstum zu erwarten, da die konjunkturellen Rahmenbedingungen in vielen Bereichen schwierig bleiben. Impulse könnte das staatliche Infrastrukturprogramm liefern. Die Investitionsbereitschaft war hingegen rückläufig: 47,0 Prozent der Betriebe planen aktuell Investitionen, nachdem es im Vorjahr noch 49,2 Prozent waren.
 

Höhere Eigenkapitalquoten

Im Handwerk gibt es zunehmend mehr eigenkapitalstarke und weniger eigenkapitalschwache Betriebe. 26,8 Prozent der Unternehmen meldeten eine hohe Eigenkapitalquote – der beste Wert seit 1998. Dennoch weist weiterhin rund jeder dritte Betrieb (32,8 Prozent) eine zu niedrige Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent auf. Besonders betroffen sind hier das Baugewerbe und das Nahrungsmittelhandwerk. „Eigenkapital ist im Handwerk das entscheidende Sicherheitsnetz. Wer seine Ertragskraft stärkt, macht sich unabhängiger von Banken und Fremdkapital“, berichtet Hantzsch.

Auslaufmodell Familienunternehmen?

Die klassische Betriebsübergabe innerhalb der Familie verliert zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig sind auch familienexterne Lösungen – etwa die Übergabe an leitende Mitarbeiter oder der Verkauf an andere Unternehmen – häufig schwer umzusetzen. Dadurch drohen mehr Betriebsschließungen.

Nur noch für 50,5 Prozent der Betriebe kommt eine familieninterne Nachfolge infrage (2018: 55,0 Prozent). An zweiter Stelle steht mit 40,6 Prozent die Übergabe an Mitarbeiter oder Miteigentümer (2018: 38,9 Prozent). Ein Verkauf an Externe wird von 38,2 Prozent in Betracht gezogen (2018: 35,3 Prozent). Zugleich steigt der Anteil der Betriebe, die eine Stilllegung erwägen. Jeder sechste Betrieb (16,8 Prozent) dürfte nicht fortgeführt werden – im Jahr 2018 waren es lediglich 12,0 Prozent. Der Zeitpunkt der Übergabe rückt ebenfalls näher: 24,4 Prozent der Betriebsinhaber wollen sich innerhalb der nächsten drei Jahre zurückziehen und weitere 57,6 Prozent planen die Übergabe innerhalb von drei bis zehn Jahren.




Creditreform in Mecklenburg-Vorpommern