Arbeitgeber Mittelstand

Das Problem ist nicht neu: Bei der Jagd nach den besten Köpfen haben kleinere Betriebe gegenüber großen Konzernen oft das Nachsehen. Im Zeichen des Fachkräftemangels und der Digitalisierung spitzt sich die Lage zu. Für den Mittelständler wird es immer schwieriger, qualifizierte Kräfte zu finden. Eine aktuelle Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung zeigt es: Trotz der hohen Ausbildungsleistung der kleinen und mittleren Unternehmen in der Vergangenheit – etwa im Handwerk – konnte offenbar nicht verhindert werden, dass die ausgebildeten Facharbeiter, Gesellen, Meister und Techniker zu Großunternehmen und Industrie abwanderten. Zudem dürften vom Arbeitskräftezuzug aus dem Ausland (Stichwort: Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU-Bürger und Bluecard für Mangelberufe) weitgehend Großunternehmen profitieren.

Getrieben von Konzernen

Die Creditreform Wirtschaftsforschung hat mittelständische Unternehmen zur Personalentwicklung befragt. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während die durchschnittliche Mitarbeiterzahl bei den mittelständischen Unternehmen in Deutschland zwischen 2008 und 2016 nahezu unverändert bei gut 50 Mitarbeitern blieb, stieg die Beschäftigtenzahl in Großunternehmen in dieser Zeit kräftig an (plus 42 Prozent).

*) Bilanzsumme bis 43 Mio. Euro; **) Bilanzsumme über 500 Mio. Euro
Quelle: Creditreform

Im Rückblick lässt sich darüber hinaus festhalten, dass die Wirtschaftskrise von 2008/2009 noch lange das Beschäftigungswachstum gebremst hat und die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen der bereits 2010 einsetzenden kon-junkturellen Erholung hinterher lief. Während Großunternehmen anschließend den Personalaufbau deutlich vorantrieben, gelang es kleinen und mittleren Unternehmen hingegen kaum, neue Beschäftigung aufzubauen. Weitgehend konnten wohl lediglich ausscheidende Mitarbeiter ersetzt werden (Eine Differenzierung des Personalbestandes beispielsweise hinsichtlich der Qualifikation oder des Alters ist anhand der vorliegenden Daten aber nicht möglich gewesen.).

Differenziert nach den Hauptwirtschaftsbereichen zeigen sich im Mittelstand zum Teil unterschiedliche Entwicklungen. So gelang es dem Baugewerbe (plus 13 Prozent im Zeitraum 2008 bis 2016) und in abgeschwächter Weise auch dem Verarbeitenden Gewerbe (plus 5 Prozent) während der konjunkturellen Erholung der deutschen Wirtschaft personell zu wachsen. Allerdings blieb die Wachstumsrate deutlich hinter der von Großunternehmen zurück. Entsprechend beschäftigt ein Unternehmen aus dem mittelständischen Baugewerbe im Durchschnitt 2016 27 Mitarbeiter (2008: 24) und ein Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe 85 Mitarbeiter (2008: 81). Im Handel und im Dienstleistungsgewerbe ist die durchschnittliche Mitarbeiterzahl pro Unternehmen dagegen weitgehend unverändert geblieben. In beiden Wirtschaftsbereichen sind aktuell 49 Mitarbeiter pro Unternehmen tätig. Immerhin kam es im Dienstleistungssektor zwischenzeitlich zu einem leichten Aufwuchs, der aber nicht gehalten werden konnte.

*) Bilanzsumme bis 43 Mio. Euro; **) Bilanzsumme über 500 Mio. Euro
Quelle: Creditreform

Diese Entwicklungen könnten die Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft des Mittelstandes beeinträchtigen. Nun gilt es, deutlich zu machen, wo die Stärken des Mittelstandes liegen: Flexible, individuell gestaltete Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodelle, breite Möglichkeiten der Weiterbildung und vor allem eine interessante Tätigkeit, die Gestaltungsspielraum bietet und Verantwortung erwartet. Das macht den Unterschied zugunsten des Mittelstandes aus.

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

Sollte dieses Formular nicht richtig dargestellt werden, klicken Sie bitte hier.

Kontakt

allgemeineskontaktformular

Allgemeines Kontaktformular
Kontakt