Automobilhändler in der Krise

Deutschlands Automobil-Industrie ist in der Krise. Wohl kaum eine Branche bekommt den Wandel im Umweltbewusstsein so stark zu spüren (mit Ausnahme wohl der Kernkraft) und kaum ein Wirtschaftssektor ist so wichtig für unsere Volkswirtschaft im Ganzen. Gerade der Dieselantrieb sorgt für Diskussionen, die kaum einen Autofahrer kalt lassen. Es bleibt die Unsicherheit über den Fortgang der Entwicklung mit der Frage, inwieweit die Hersteller einen sauberen Diesel bauen können und wie sich der Gesetzgeber im Hinblick auf die Normsetzungen verhält.

Die Branche leidet aktuell unter der Diskussion um mögliche Fahrverbote in Städten für Dieselfahrzeuge. In der Folge sind die Verkaufszahlen in diesem Neuwagensegment deutlich zurückgegangen (2017: minus 13 Prozent). Zusätzlich hat der Abgasskandal Vertrauen der Kunden gekostet. Der Verkaufswert gebrauchter Fahrzeuge mit Dieselmotor ist folglich deutlich gesunken. Gebrauchte Diesel-Pkw sind ohne deutliche Einbußen faktisch unverkäuflich. Hinzu kommt, dass sich das Kfz-Gewerbe seit einigen Jahren in einem massiven Strukturwandel und Konzentrationsprozess befindet. Viele Händler haben in den letzten Jahren aufgegeben oder sie sind markenunabhängig geworden. Händler und Reparaturwerkstätten kämpfen mit den Auflagen und Vorgaben der Hersteller, die oftmals mit großen Investitionen und entsprechendem Finanzbedarf verbunden sind.

Ungebrochene Liebe

Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hat nun am 25. Januar 2018 in Berlin die aktuellen Ergebnisse des DAT-Reports vorgestellt. Der aktuelle DAT-Report analysiert repräsentativ den Gebrauchtwagenkauf, Neuwagenkauf und das Werkstattverhalten der Endverbraucher in Deutschland. Er gibt zudem Auskunft über das Nutzungsverhalten und die Einstellungen der Autokäufer und Pkw-Halter zu ihrem Automobil. Gründer und Gesellschafter sind der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Kerngeschäft der DAT ist die Erhebung und Aufbereitung umfangreicher Kraftfahrzeugdaten.

Interessant zunächst, dass sich die Liebe der Deutschen auch im ungebrochenen Kaufverhalten niederschlägt. So führt die Untersuchung aus, dass die gestiegenen Fahrzeugpreise nahezu parallel mit den gestiegenen Haushaltsnettoeinkommen (HHNE) der Autokäufer verliefen. 58 Prozent des HHNE in einem Neuwagenkäuferhaushalt wurde in den Neuwagen investiert. Vor 20 Jahren lag dieser Wert noch bei 64 Prozent. Gebrauchtwagenkäufer investierten 30 Prozent ihres aktuellen HHNE in den Pkw-Kauf – nahezu identisch wie vor 20 Jahren (31 Prozent). Die Anschaffungspreise von Neuwagen lagen erstmals über 30.000 Euro (30.350 Euro), Gebrauchtwagen bei 11.250 Euro und damit leicht unter dem Vorjahr.

Mehr Geld für den Wagen, aber bei steigenden Einkommen wohl doch nicht möglich? Immerhin wird die Finanzierung dieser Anschaffung immer beliebter. Neu- und Gebrauchtwagen werden immer häufiger finanziert. Mittlerweile sind 44 Prozent (Vorjahr: 41 Prozent) der Gebraucht- und 64 Prozent (Vorjahr: 61 Prozent) der Neuwagen finanziert. Hinzu kommt bei den Neuwagen noch ein Leasinganteil von 17 Prozent. Befragt wurden private Autokäufer – im gewerblichen Bereich liegt der Leasinganteil deutlich höher.

Der Handel leidet

Also wirtschaftlich alles in Ordnung, trotz aller Diskussionen? Wohl nicht so ganz, denn im deutschen Kfz-Gewerbe (Handel inkl. Reparatur) ist es im Jahr 2017 gegen den allgemeinen Trend zu einem Anstieg der Insolvenzen gekommen. Creditreform registrierte zwischen Januar und Dezember 2017 die Insolvenz von 640 Unternehmen (2016: 584). Das entspricht einem Plus von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit vollzieht sich eine Trendwende. Noch 2016 waren weniger Insolvenzen im Kfz-Gewerbe gezählt worden. Insgesamt ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im Jahr 2017 zurück. Zur Information: In der Branche „Handel und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ gibt es bundesweit rund 105.000 Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von etwa 215 Mrd. Euro (Umsatzsteuerstatistik 2015). Im Durchschnitt erwirtschaftet ein Unternehmen aus der Branche pro Jahr gut 2 Mio. Euro Umsatz. Der jährliche Umsatz ist etwas höher als im Durchschnitt aller Wirtschaftsbereiche.

Betroffen sind vor allem die Unternehmen aus dem Kfz-Gewerbe mit zehn und mehr Beschäftigten. In dieser Größenklasse kam es zu einem spürbaren Anstieg der Insolvenzen (plus 20,7 Prozent). Die Insolvenzen von Solo-Selbständigen im Kfz-Gewerbe sind hingegen leicht rückläufig (minus 1,8 Prozent). Insgesamt sind im Kfz-Gewerbe rund 4.000 Beschäftigte von der Insolvenz betroffen. Auch regional entwickelten sich die Insolvenzen im Kfz-Gewerbe unterschiedlich. Während in den nördlichen Bundesländern (Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt) weniger Insolvenzen zu verzeichnen waren (minus 3,1 Prozent), stiegen sie in den südlichen Ländern (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Saarland, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Thüringen) deutlich an (plus 10,5 Prozent).

Die aktuellen Entwicklungen haben die Gewinne der Händler zusätzlich belastet und die Unternehmensstabilität angegriffen. Die Branche weist ohnehin geringe Eigenkapitalquoten auf. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote (Median) lag im Kfz-Gewerbe bei 26,2 Prozent (Jahr 2016), gesamtwirtschaftlich bei 38,9 Prozent. Bei knapp jedem vierten Kfz-Händler (23,6 Prozent) erreichte die Eigenkapitalquote noch nicht einmal 10 Prozent. Entsprechend hoch sind die Unternehmen verschuldet.

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

Sollte dieses Formular nicht richtig dargestellt werden, klicken Sie bitte hier.

Kontakt

allgemeineskontaktformular

Allgemeines Kontaktformular
Kontakt