Banken durch anstehende Regularien stranguliert?

Ein gemeinsames Positionspapier von Bankenverband und BDI warnt vor den Gefahren einer „Überregulierung“ der Banken. Diese könnten in Zukunft nicht mehr ihrer Finanzierungsfunktion gerecht werden. Wir geben die Inhalte in verkürzter Form wider. 

Die Unternehmensfinanzierung in Deutschland ist seit Jahren stabil und günstig. Banken sind der wichtigste Anbieter von Fremdkapital und spielen für die Finanzierung der Unternehmen aller Größenordnungen eine zentrale Rolle. In den schwierigen Jahren im Nachgang zur Finanzkrise erwiesen sich die Banken als stabile Partner, und auch im darauf folgenden Aufschwung standen sie für die nachgefragte Finanzierung bereit. Aktuell gilt, dass ökonomisch tragfähige Investitionen und Geschäftsmodelle auf eine weitgehende Finanzierungsbereitschaft der Banken stoßen: Kredite stehen zu vergleichsweise günstigen Konditionen zur Verfügung. Bei der traditionellen Langfristfinanzierung zeigen sich allerdings erste Beeinträchtigungen: Zwar beträgt der Anteil der Kredite mit einer Laufzeit über fünf Jahre weiterhin rund 2/3 des gesamten ausstehenden Kreditvolumens der Unternehmen und wirtschaftlich Selbständigen in Deutschland. Jedoch hat bereits eine Verkürzung von Laufzeiten von über 10 oder 15 Jahren auf ca. 7-8 Jahre stattgefunden.

Bis hierher ging alles gut…

Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass sich trotz der einschneidenden Finanzmarktregulie-

rung der vergangenen Jahre ein insgesamt positives Bild zeichnen lässt. Die zahlreichen Regulierungsmaßnahmen – im Zentrum das umfassende Rahmenwerk „Basel III“ – sind keineswegs spurlos an den Finanzierungskapazitäten der Banken vorbeigegangen. Ziel der meisten Regulierungsmaßnahmen war und ist es, die Stabilität des Finanzsystems und seiner Akteure zu erhöhen. Die Banken haben die Vorgaben – beispielsweise den Aufbau von zusätzlichem Eigenkapital – erfolgreich umgesetzt und bereiten sich auf die Umsetzung der ausstehenden Maßnahmen vor. Zugleich haben sich auch die Unternehmen in Deutschland auf die Veränderungen eingestellt und ihrerseits die durchschnittliche Eigenkapitalquote von rund 23 % (in 2004) auf knapp 30 % (in 2014) erhöht. Dadurch wurden die Auswirkungen der schon mit Basel II einhergehenden Straffung der Kreditvergabe insgesamt abgefedert. Hinzu kommt, dass Unternehmen in Deutschland ihre Finanzkommunikation insgesamt über die Jahre verbessert haben und so eine zentrale Voraussetzung für die günstige und zuverlässige Kreditvergabe – ein offener Austausch zwischen Bank und Unternehmenskunde – gegeben ist.  

 

Weitere Faktoren sorgen dafür, dass die Auswirkungen der neuen Finanzmarktgesetze auf die Finanzierung der Wirtschaft derzeit überlagert werden:

  • 1. Die extreme und anhaltende Niedrigzinsphase (in Europa und in den USA) und die verschiedenen Liquiditätsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank spiegeln sich in niedrigen Zinsen für Fremdkapital (Kredite und Anleihen) wider. Sie führen insgesamt dazu, dass die mit den Liquiditätsvorgaben von Basel III einhergehenden Tendenzen zur Verteuerung der Refinanzierung der Banken und zur Einschränkung der Fristentransformation für die Kunden derzeit nicht spürbar werden.   
  • 2. Die grundsätzlich stabil aufgestellten Unternehmen profitieren zudem von einer günstigen wirtschaftlichen Entwicklung und entsprechenden Einnahmen, so dass für die Banken die Vergabe von Krediten mit einer nur geringen Risikovorsorge verbunden ist.  
  • 3. Es kommt hinzu, dass die Finanzierung der Unternehmen über Eigenmittel hoch und zugleich die Kreditnachfrage seit Jahren insgesamt verhalten ist. Zwar ist die Nachfrage von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) stabil. Insbesondere die großen, kapitalmarktfähigen Unternehmen nutzen aber neben dem Bankkredit auch zunehmend den Anleihemarkt.  
  • 4. Schließlich wird die Kreditvergabe in Deutschland von einem sehr intensiven Wettbewerb unter den Banken geprägt. Zur ohnehin hohen Bankendichte tritt das gestiegene Engagement vieler Auslandsbanken hinzu. Auch Nicht-Banken – insbesondere Versicherungen, perspektivisch auch Kreditfonds – verschärfen den Wettbewerb. Dies führt insgesamt dazu, dass die objektiv gestiegenen (bankseitigen) Kosten für Bankkredite sich in der Preisfindung zwischen Bank und Kunde nicht entsprechend niederschlagen. Während die Unternehmenskunden aktuell von niedrigen Preisen profitieren, stehen dem deutlich steigenden Aufwand der Banken sinkende Margen gegenüber. 

Die vollen Auswirkungen der bisherigen Regulierung sind also heute nicht sichtbar. Zwar werden nicht alle dämpfenden Faktoren in Zukunft verschwinden, insbesondere der Wettbewerb um den deutschen Mittelstand wird vermutlich fortbestehen. Entscheidend ist aber, dass insbesondere das Basel III-Paket, das noch gar nicht vollumfänglich implementiert ist, noch keinen vollständigen Konjunkturzyklus erlebt hat. Erst im Anschluss daran lässt sich feststellen, inwiefern die Finanzierungskapazitäten der Banken eine – über das gewünschte Maß hinausgehende – Einschränkung erfahren haben und inwieweit Unternehmen in Deutschland damit zurechtkommen.  Im laufenden Jahr 2016 sollen die noch offenen Punkte aus „Basel III“, die Höchstverschuldungsquote der Banken (Leverage Ratio) sowie die Net Stable Funding Ratio (NSFR), final geregelt werden.  

..aber was wird kommen?

Das Papier von Bankenverband und BDI führt die Veränderung im Einzelnen mit ihren Implikationen für die Unternehmen aus und kommt zu einem kritischen Blick auf die damit einhergehende Perspektive für die Unternehmensfinanzierung.

An diesem Punkt muss daher davor gewarnt werden, die Regulierungsschraube mit neuen Ansätzen zu überdrehen.  Die Finanzmarktregulierung der vergangenen Jahre verfolgt das Ziel, die Finanzmarktstabilität zu erhöhen, unter anderem indem Banken ihre Risiken reduzieren. Auf einige Änderungen, die in dieser Form vom Regulierer beabsichtigt sind, werden sich Banken und Unternehmenskunden entsprechend einstellen müssen: 

  • 1. Banken können grundsätzlich weniger Risiken übernehmen. 
  • 2.  Die Spreizung der Kreditkonditionen wird in Abhängigkeit von der Bonität der Kunden bzw. des Projektes zunehmen.  
  • 3. Grundsätzlich wird die Kreditprüfung intensiver, werden die Anforderungen an Besicherung, an die Eigenkapitalquote und an die Finanzkommunikation des Kunden steigen. 
  • 4. Insbesondere langfristige Kredite können nicht mehr im gleichen Umfang bzw. zu den gleichen Konditionen wie früher angeboten werden. Hier hat bereits eine Verkürzung von Laufzeiten stattgefunden.

Die Stellungnahme von BDI und Bankenverband resümiert: Mit Blick auf die anstehenden Regulierungsmaßnahmen, insbesondere Basel IV, ist entscheidend, dass die Eigenkapitalanforderungen für die Banken in Deutschland nicht noch weiter steigen. Der mit der Kapitalmarktunion einhergehende wieder stärkere politische Fokus auf die Finanzierung von Wachstum in Europa – neben dem Erfordernis stabiler Finanzmärkte – muss sich auch in der Regulierung und Behandlung von Banken widerspiegeln.

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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