Besser geht's nicht? Mittelstand in Deutschland noch kräftiger als im Vorjahr

Destatis meldet für das 2. Vierteljahr 2015 einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Wachstumsimpulse kamen in den vergangenen Monaten vor allem vom Außenhandel – mit der Weltwirtschaft geht es aufwärts – trotz der Probleme in China und einigen Schwellenländern. Auch der private Konsum in Deutschland bleibt expansiv und die Finanzierungsseite zeigt sich anhaltend günstig. Eigentlich die besten Voraussetzungen für den Mittelstand. Aber können die Unternehmen die positiven Vorgaben bestätigen? Und wie wird die weitere Geschäftsentwicklung eingeschätzt?

An der Creditreform Befragung, die im August/September 2015 unter 3.949 mittelständischen Unternehmen durchgeführt wurde, haben repräsentativ alle Branchen teilgenommen.

Creditreform Geschäftsklimaindex auf All-time-high

Die Geschäfte im deutschen Mittelstand laufen derzeit sehr gut. Das verdeutlicht der Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK), der mit plus 23,0 Punkten einen neuen Höchststand erreicht hat (Herbst 2014: plus 18,4 Punkte). Sowohl die Lageeinschätzungen, als auch die Erwartungen zeigen sich gegenüber dem Vorjahr verbessert. Es stieg der Teilindex, der die Lagebeurteilungen zusammenfasst, von plus 19,1 auf plus 23,5 Punkte. Ausgesprochen optimistisch sind auch die Geschäftserwartungen: Dieser Teilindex erhöhte sich von plus 17,6 auf plus 22,5 Punkte. Sicher haben auch die gestiegenen Auftragseingänge zur positiven Stimmungslage im Mittelstand beigetragen. Ein Drittel der befragten Unternehmen (33,8 Prozent) – und damit ein höherer Anteil als vor einem Jahr (31,9 Prozent) – meldete ein Auftragsplus. Auch für die kommenden Monate bleiben die mittelständischen Unternehmen optimistisch. Ähnlich wie im Vorjahr erwarten 28,6 Prozent der Befragten eine Steigerung des Auftragsvolumens (Vorjahr: 28,5 Prozent). Im Handel hatten sich die Auftragserwartungen allerdings eingetrübt (steigende Aufträge: 28,2 Prozent; Vorjahr: 31,9 Prozent).

Von der Order zum Umsatz: So meldeten 38,2 Prozent der befragten Unternehmen ein Umsatzplus (Vorjahr: 35,2 Prozent). Lediglich jeder Achte (12,8 Prozent) musste ein Umsatzminus hinnehmen (Vorjahr: 14,7 Prozent). Gedämpfter fiel die Umsatzentwicklung allerdings im Verarbeitenden Gewerbe aus. Hier verbuchten 37,8 Prozent steigende Umsätze (Vorjahr: 41,1 Prozent) und 15,2 Prozent sinkende (Vorjahr: 14,0 Prozent). Das lässt an ähnliche Schwächen denken, die der Ifo-Klimaindex meldet. Die Umsatzerwartungen der Mittelständler für die kommenden Monate bleiben aber positiv. 33,7 Prozent der Befragten (Vorjahr: 30,6 Prozent) rechnen mit Umsatzsteigerungen, während nur 8,4 Prozent (Vorjahr: 11,0 Prozent) Umsatzeinbußen befürchten. Im Baugewerbe hat sich die Zahl der Optimisten sogar verdoppelt (33,6 Prozent; Vorjahr: 16,9 Prozent).

Mittelstand prägt gute Lage am Arbeitsmarkt

Zuwächse gab es per Saldo auch beim Personal: 28,0 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, die Zahl der Mitarbeiter aufgestockt zu haben (Vorjahr: 28,7 Prozent). 8,3 Prozent der Mittelständler hatten dagegen weniger Personalbedarf und meldeten Stellenstreichungen (Vorjahr: 9,2 Prozent). Personalaufstockungen gab es vor allem im Verarbeitenden Gewerbe (32,2 Prozent; Vorjahr: 31,4 Prozent). Auch künftig dürfte der Personalbestand im Mittelstand weiter wachsen. Die befragten Unternehmen berichteten überwiegend von expansiven Personalplanungen. So will gut ein Fünftel der Befragten (21,3 Prozent) in den nächsten Monaten das Personal aufstocken (Vorjahr: 21,4 Prozent), während 6,8 Prozent der Unternehmen einen Personalabbau vorsehen (Vorjahr: 8,4 Prozent). Zurückhaltender als im Vorjahr sind die Personalplanungen allerdings im Verarbeitenden Gewerbe (Personal aufstocken: 21,6 Prozent; Vorjahr: 26,1 Prozent).

Mehr Gewinn – mehr Investitionen

Stabil günstig zeigt sich die Ertragslage im Mittelstand. Ein Viertel der Unternehmen (25,6 Prozent) berichtete von Verbesserungen (Vorjahr: 25,0 Prozent). Vermehrt positive Meldungen kamen dabei aus dem Baugewerbe (gestiegene Erträge: 28,5 Prozent), während Handel (gesunkene Erträge: 21,6 Prozent) und Verarbeitendes Gewerbe (gesunkene Erträge: 16,9 Prozent) weiterhin noch vielfach Ertragsrückgänge meldeten. Zuversicht spiegelt sich auch in den Ertragsaussichten wider. Knapp ein Viertel der Befragten (24,3 Prozent) erwartet Zuwächse bei den Erträgen (Vorjahr: 23,1 Prozent). Bei dieser komfortablen Gewinnsituation verwundert auch nicht der Wille zu weiteren Investitionen: Gut die Hälfte der Befragten (51,0 Prozent; Vorjahr: 49,6 Prozent) hat ein Investitionsvorhaben angekündigt. Dabei sind Ersatzinvestitionen (59,5 Prozent) aber gefragter als Erweiterungsinvestitionen (54,7 Prozent).

Finanzieren wird man die Investitionen nicht zuletzt aus Eigenmitteln – der positive Trend beim Eigenkapital hat sich fortgesetzt. Wie im Vorjahr erreichen drei von zehn Unternehmen (29,6 Prozent) eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent und gelten mithin als eigenkapitalstark. Weiter verringert hat sich der Anteil der Unternehmen, deren Eigenkapitalquote weniger als 10 Prozent beträgt – und zwar von 29,6 auf 27,8 Prozent. Erstmals seit Beginn der Erhebungen ist der Anteil der eigenkapitalstarken Unternehmen höher als der Anteil der eigenkapitalschwachen Firmen. Merkliche Verbesserungen gab es im Baugewerbe, wenngleich weiterhin überdurchschnittlich viele Betriebe eine Eigenkapitalschwäche aufweisen (bis 10 Prozent Eigenkapital: 32,4 Prozent; Vorjahr: 37,6 Prozent).

Und auch die Liquidität stimmt

Die gute Konjunktur hat offenbar einen positiven Einfluss auf die Zahlungsmoral. 82,8 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre Rechnungen nach spätestens 30 Tagen bezahlt sind (Vorjahr: 81,9 Prozent). Umgekehrt verlief der Trend allerdings im Verarbeitenden Gewerbe, wo die Unternehmen länger auf ihr Geld warten mussten (bis 90 Tage und länger: 6,6 Prozent; Vorjahr: 3,4 Prozent). Eine zunehmende Zahl von Unternehmen blieb von Forderungsausfällen gänzlich verschont (24,5 Prozent; Vorjahr: 21,1 Prozent). Allerdings mussten diesmal 8,4 Prozent der Befragten Forderungen in Höhe von mehr als 1,0 Prozent des Gesamtumsatzes abschreiben (Vorjahr: 7,4 Prozent). Vermehrt größere Ausfälle beklagte das Baugewerbe (11,0 Prozent).

Die vollständige Untersuchung zur Konjunktur und Finanzierung im Mittelstand im Herbst 2015 kann über www.creditreform.de kostenlos heruntergeladen werden.

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