Deutschland holt beim Factoring weiter auf

Der deutsche Factoring-Markt wächst weiter. Im Jahr 2016 registrierten die Unternehmen, die im Deutschen Factoring Verband sowie im Bundesverband Factoring für den Mittelstand zusammengeschlossen sind, ein Umsatzvolumen in Höhe von 222 Mrd. Euro. Im Vergleich zum Vorjahr war dies eine Steigerung von 4,65 Prozent (Umsatzvolumen 2015: 212 Mrd. Euro). Die beiden genannten Verbände repräsentieren rund 95 Prozent der Factoring-Umsätze in Deutschland. Diese und die folgenden Ergebnisse sind einer Darstellung von Professor Hartmann-Wendels auf der Basis der Befragung der Verbände zu verdanken.

Dabei zeigen sich die Forderungslaufzeiten für die Factoring-Unternehmen unverändert: Gegenüber dem Vorjahr betragen sie weiterhin 40,5 Tage. Deutschland hat auch in dieser Hinsicht die Nase vorn. Im internationalen Factoring-Geschäft beträgt die durchschnittliche Laufzeit 51 Tage.

Konjunktur treibt Umsätze

Hintergrund der positiven Entwicklung ist die gute Konjunktur, die mit einem Bruttoinlandsprodukt von 3,3 Prozent in 2016 auch die Factoring-Umsätze treibt. Nach Ansicht der Factoring-Unternehmen dürfte die gute Wirtschaftsentwicklung anhalten, blieben doch die beiden ersten Quartale beim Bruttoinlandsprodukt in Deutschland weiterhin auf Wachstumskurs.

In Deutschland besteht aber nicht nur aufgrund der guten Konjunktur eine weiterhin gute Wachstumsprognose für das Factoring. Auch im internationalen Vergleich hat man hierzulande noch Nachholbedarf. Die Factoring-Quote, die sich aus dem aktuellen Umsatz im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ergibt, liegt in Deutschland bei rund 7 Prozent – im europäischen Durchschnittswert aber bei über 10 Prozent.

Die Zuwächse im Factoring-Geschäft in Deutschland zeigen einmal mehr die Exportorientierung der deutschen Wirtschaft. Knapp 68 Mrd. Euro und einen Anteil von mehr als 30 Prozent am Gesamtumsatz wird im Factoring mit der Grenzüberschreitung deutscher Exporteure und ihrer Absicherung im Factoring verdient. Vergleichsweise gering fiel dagegen das Import-Factoring mit 3,4 Mrd. Euro aus.

KMU als Zielgruppe

Auch Crefo Factoring, Tochter der Creditreform Unternehmensgruppe, ist weiterhin auf Wachstumskurs. Das hängt unmittelbar mit der starken Mittelstandsorientierung von Crefo Factoring zusammen. Beleg für diese Veränderungen in der Größenstruktur der Factoring-Nehmer sind die Zahlen zum Markt: So werden 90 Prozent der Kunden in einem Umsatzsegment bis höchstens 10 Mio. Euro bearbeitet. Der Anteil dieser eher klein bis mittelständisch orientierten Kundschaft ist von 45,2 auf fast 60 Prozent markant gestiegen. Dagegen beträgt der Anteil von Unternehmen mit Umsätzen, die bei über 50 Mio. Euro liegen, nur noch 2,6 Prozent der Kunden.

Welche Branchen nutzen die Möglichkeiten des Factoring? Mit weitem Abstand wird vor allem Handel und Handelsvermittlung zur Kundschaft gezählt. Die Analyse von Bilanzen zeigt, dass die Betriebe des Großhandels und der Handelsvermittlung tatsächlich einen Anteil von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an der Bilanzsumme von über 25 Prozent vorweisen. Damit lohnt sich vor allem für diese Gruppe der Einsatz des Factorings. Es folgt die Branche Herstellung von Metallerzeugnissen und Maschinenbau. Und schließlich hat es die Speditionsbranche ebenfalls unter das Ranking der zehn umsatzstärksten Factoring-Kunden geschafft.

Mehr Publizität für das Factoring

Rund 3.000 Mitarbeiter sind im Factoring beschäftigt. Nicht nur der steigende Umsatz und die Zuwächse bei den Kunden, sondern auch die vielfältigen regulatorischen Anforderungen erfordern eine hohe Qualifikation der Mitarbeiter. Wie in vielen anderen Branchen auch, hat die Factoring-Branche einen akuten Bedarf an Fachkräften.

Der Bundesverband Factoring für den Mittelstand hat die wachsende Gruppe von kleinen und mittleren Unternehmen im Hinblick auf die Factoring-Nutzung befragt. Wichtigster Faktor bei der Motivation, Factoring in Anspruch zu nehmen, war nach Aussage der befragten Unternehmen die Unabhängigkeit von der Hausbank. Hinzu kam bei den Vorteilen eine umsatzkongruente Finanzierung und die Entlastung vom Ausfallrisiko. Es bleibt für die Factoring-Anbieter ein Defizit: Factoring ist zu wenig bekannt – nur 15 Prozent der kleinen Unternehmen gaben an, Factoring zu nutzen. Und drei Viertel der Befragten – vor allem die kleinen Unternehmen mit unter 2,5 Mio. Euro Umsatz – sind zu wenig vertraut mit dem Instrument des Factoring, um es in ihrem Betrieb in der Finanzierung einzusetzen.

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