Ein Einfallstor für hohe Verschuldung

Die niedrigen Zinsen, Hand in Hand mit einem verhaltenen Wirtschaftswachstum,  beeinflussen nicht nur den Bankensektor. Sie bergen auf längere Sicht auch Risiken für den Schuldenstand der öffentlichen Haushalte, aber auch der Unternehmen und schließlich der Verbraucher. Die Bundesbank untersucht in ihrem aktuellen Bericht zur Finanzstabilität das Krisenszenario. Dabei geht es ihr auch darum, die Verschuldung in anderen Ländern zu betrachten, hat doch die große Finanzkrise vor Augen geführt, wie mächtig die Abhängigkeiten unter den Ländern, Ihren Banken, Unternehmen und der Staatsverschuldung selbst sind. Anders als die öffentliche Verschuldung, zeigen sich Unternehmen und Verbraucher nicht höher verschuldet.

Die Bundesbank führt aus, dass die günstigen Finanzierungsbedingungen Anreize zur stärkeren Verschuldung schaffen und damit die erforderlichen fiskalischen Konsolidierungen verschleppt werden. Allzu bekannt ist auch im Zuge dessen die geringere Bereitschaft zur Umsetzung wachstumsfördernder struktureller Reformen.. Ein Teufelskreis, denn das verhaltene wirtschaftliche Wachstum erschwert darüber hinaus den Abbau bestehender Schuldenstände.

Es war einmal – vor der Finanzkrise

Die Bundesbank vergleicht die Verschuldung der einzelnen Staaten: Im Euro-Raum sank die aggregierte öffentliche Verschuldung im Jahr 2015 zwar erstmals seit Beginn der globalen Finanzkrise leicht gegenüber dem Vorjahr. Mit einer Höhe von insgesamt 91% des BIP lag die öffentliche Schuldenquote im ersten Quartal 2016 aber weiter deutlich oberhalb des Niveaus vor Ausbruch der globalen Finanzkrise in Höhe von 65% des BIP Ende 2007. Die im Stabilitäts- und Wachstumspakt vorgesehene Schuldenobergrenze in Höhe von 60% des BIP wird damit im Durchschnitt weiterhin deutlich überschritten. Die Geschwindigkeit der fiskalischen Konsolidierung hat sich zudem in den vergangenen Jahren trotz der günstigeren Refinanzierungskonditionen verlangsamt. Insbesondere einige von der Krise besonders betroffene Euro-Mitgliedstaaten weisen weiterhin hohe Haushaltsdefizite und Schuldenstände auf. So bleibt der fiskalpolitische Handlungsspielraum begrenzt. Und sie fügt hinzu, dass bei einer signifikanten Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise im Zuge eines makroökonomischen Schocks oder eines deutlichen Anstiegs der Refinanzierungskosten, die Schuldentragfähigkeit mancher Länder als gefährdet angesehen werden könnte.

Es sind nicht nur die Staaten

Die Gesamtverschuldung der Unternehmen im Euro-Raum ist zwischen Ende 2008 und dem ersten Quartal 2016 von 99% auf 105% des BIP an-

gestiegen. Insbesondere ist für Belgien, Frankreich und Irland ein markanter Anstieg  zu beobachten. Die Bundesbank schreibt weiter, dass vor allem in einigen von der Staatsschuldenkrise besonders betroffenen Ländern wie Portugal oder Spanien war 

die Verschuldung der Unternehmen hingegen im gleichen Zeitraum rückläufig. Auch der deutsche Unternehmenssektor verringerte seine Schuldenquote im angegebenen Zeitraum auf 53% des BIP. Bleibt hinzu zu fügen, dass die flaue Konjunktur zu einer geringen Kreditaufnahme und entsprechender leichter Verschuldung in den Krisenländern beigetragen hat, während in Deutschland die Betriebe verstärkt ihre Innenfinanzierungskraft steigern und nutzen konnten. 

…und die Verschuldung der Verbraucher?

Laut Bundesbank blieb die Verschuldung der privaten Haushalte im Euro-Raum relativ konstant. Sie lag im ersten Quartal 2016 bei 59% des BIP. Die vor der globalen Finanzkrise zu beobachtende sukzessive Zunahme der privaten Haushaltsverschuldung setzte sich damit in den letzten Jahren nicht weiter fort. In Deutschland haben die privaten Haushalte ihre Verschuldung seit Ende 2008 um 6 Prozentpunkte auf 53% des BIP im Frühjahr 2016 verringert.

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