Es geht ums Geld

Alle Umfragen, die sich mit der Schließung von jungen Unternehmen beschäftigen, kommen zu dem Ergebnis, dass die Finanzierung bzw. der Mangel an Finanzmitteln entscheidend für das Scheitern der meisten Neugründungen ist. Es mangelt an Selbstfinanzierungs-Optionen, es fallen Forderungen gegen Kunden aus und schließlich kommt es zu Problemen bei der Kreditaufnahme bzw. der weiteren Finanzierung über den Bankkredit – die Zahlungsunfähigkeit steht vor der Tür. Klar ist, es fehlt den Unternehmen an finanzieller Substanz, an Rücklagen, die durch die Ablehnung von Krediten, von Kreditkündigungen und schließlich von einem Mangel an Beteiligungskapital ergänzt wird.

Die Beschwerde, dass die Bank nicht „mitzieht“ ist weit verbreitet. Dabei hat die Bank ihre Gründe, wenn sie dem jungen Unternehmer nicht folgen will. Eine Untersuchung der KfW macht deutlich, dass ein schnell wachsendes junges Unternehmen oft einen Mangel an Bonität zeigt. Die KfW spricht davon, dass „die Wahrscheinlichkeit, ein schnell wachsendes Unternehmen zu sein, zwischen Unternehmen mit einer ausgezeichneten oder einer mittleren Bonität nur geringfügig unterscheidet, diese Wahrscheinlichkeit aber für Unternehmen mit einer schwachen oder sehr schwachen Bonität deutlich ansteigt.“ Tatsächlich gilt es für zukunftsorientierte junge Unternehmen, ein schnelles Wachstum zu erzeugen.

„Gazellen“ mit schwacher Bonität

Die Geldgeber, seien es Investoren oder die Banken, erwarten einen schnellen Rückfluss ihrer Investitionen und Kredite. Nun strapazieren Unternehmen auf ihrem beschleunigten Wachstumspfad aber ihre finanziellen Ressourcen, was in vielen Fällen bis an die Grenze der Belastung geht. Die schwache Bonität ist damit geradezu Ausdruck des ausgeprägten Wachstums und in der frühen Phase eines Unternehmens – gerade wenn es erfolgreich ist – nicht zu vermeiden. Allzu bekannt sind noch die Klagen über Internetunternehmen, die in der frühen Phase ihrer Tätigkeit keinerlei Gewinn vorweisen konnten. Hinzu kommt, dass gerade Startups im Hightech-Bereich oftmals viel Geld brauchen, um ihre teure Produktion aufzunehmen und durchzuhalten. Die KfW schreibt dazu: „Vielmehr dürfte die schwache Bonität Ausdruck eines zurückliegenden, ausgeprägten Wachstums sein“, die sich in der beobachteten Periode fortsetzte. Schnell wachsende Unternehmen haben eine um 89 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit eine schwache oder sogar sehr schwache Bonität vorzuweisen.

Kompetenz und Kredittranchen

Die Forderungen an die Finanzierer junge Unternehmen sind leicht zu formulieren. Es ist mehr Risikobereitschaft gefragt, es ist stärker Wagniskapital zur Verfügung zu stellen. Es gilt, einen Puffer zu schaffen, der auch bei schwieriger Absatzlage, bei Forderungsausfällen oder Problemen mit Lieferanten kurzfristig einen Ausgleich schaffen kann. Es ist nicht nur auf die Sicherheiten zu sehen, sondern stärker die Zukunft im Auge zu behalten. Möglich wäre es, etwa bei der Außenfinanzierung eher abschnittweise vorzugehen und Gelder nach bestimmten „Milestones“ zur Verfügung zu stellen. Gerade im Hightech-Sektor ist es aber für den normalen Kreditsachbearbeiter in einer Bank schwierig, das Geschäftsmodell und die Strategie eines Hightech-Unternehmens zu verstehen. So sind wohl letztlich doch eher private Risikokapital-Investoren gefragt, wenn es darum geht, die ersten Jahre eines jungen Unternehmens, trotz Einbußen in der Bonität, zu begleiten und die entsprechenden Mittel zur Verfügung zu stellen.

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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