»Es ist schon doll, was in den letzten 25 Jahren passiert ist«

Ein Gespräch mit Andreas Aumüller, geschäftsführender Gesellschafter und Gründer von Creditreform Dresden, sowie Jochen Wolfram, geschäftsführender Gesellschafter von Creditreform Berlin und weiteren Creditreform Gesellschaften.

Herr Aumüller, Herr Wolfram, in diesen Tagen blicken wir auf 25 Jahre Mauerfall zurück. Wie erlebten Sie dieses historische Ereignis, das die neuere deutsche Geschichte maßgeblich beeinflusst hat?

Aumüller: Eigentlich wenig spektakulär – zu Hause vor dem Fernsehapparat.

Wolfram: Ich war am Abend der Maueröffnung leider nicht in Berlin. Aber schon am Vorabend des 9. November gab es in der Stadt eine fast unheimliche Stimmung, die mich tief beeindruckt hat. So versammelten sich beispielsweise viele Menschen auf der westlichen Seite des Brandenburger Tors und warteten, dass es zu einer Öffnung der Grenze kommt.

Ein wachstumsorientierter Unternehmer reagiert schnell und offensiv, wenn sich ihm ein neuer Markt öffnet. Inwieweit traf das auf Sie beide zu jener Zeit zu?

Wolfram: Für uns war die Erweiterung des von uns zu bearbeitenden Gebietes schon eine immense Herausforderung. VC Berlin bearbeitete jetzt nicht nur das gesamte Stadtgebiet Berlin, sondern auch die Bezirke Frankfurt/Oder und Brandenburg an der Havel. In diesen beiden Städten gründeten wir bereits 1990 Niederlassungen, die sich im Laufe der Zeit zu selbstständigen VC entwickelten.

Aumüller: Der Wille, zu wachsen, hat natürlich auch mich dazu bewegt, nach neuen Regionen zu suchen, in denen Creditreform bislang nicht tätig war. Ich reiste deshalb schon im Frühjahr 1989 nach Prag und Budapest, um unsere Auskünfte vorzuführen. Letztlich sah ich jedoch von einem Engagement ab, weil ich die Landessprache nicht beherrschte. Dolmetscher sind in unserem hochsensiblen Bereich keine wirkliche Hilfe. Dann kam der Mauerfall. Sprachprobleme gab es nicht mehr und ich konnte noch 1989 starten.

Sie mussten als Anbieter einer bislang völlig unbekannten Dienstleistung in den „neuen Bundesländern“ in der Anfangszeit doch bestimmt erhebliche Aufklärungsarbeit leisten, oder etwa nicht?

Wolfram: Natürlich gab es gelegentlich Vorurteile gegenüber der Tätigkeit einer Wirtschaftsauskunftei. Diese Skepsis ließ sich jedoch in den meisten Fällen durch Aufklärung beseitigen. Alles in allem waren wir überrascht, wie wenig Vorbehalte es gegenüber unserer Tätigkeit gab.

Aumüller: In unserer Region stießen wir anfangs auf deutliche Zurückhaltung gegenüber den Creditreform-Services. So hieß es bei den Unternehmen unter anderem „Wir kennen unsere Kunden“ oder „Wir brauchen kein Inkasso, weil wir die Rechnungen abbuchen“. Es bedurfte damals ziemlicher Überzeugungsarbeit, um mit unseren Services zu überzeugen. Mit Argumenten wie „Wir kennen Ihre potenziellen neuen Kunden und wissen, wer zu den schwarzen Schafen gehört“ und dem Angebot einer kostenlosen Probeauskunft weckten wir schließlich das Interesse.

 » Es waren schon extreme Herausforderungen, denen wir uns stellen mussten. « Jochen Wolfram, unter anderem Creditreform Berlin


Wie haben Sie es geschafft, Creditreform in einem ehemals sozialistisch geführten Staat innerhalb kürzester Zeit zu etablieren? Und das ohne ausreichendes technisches Equipment.

Wolfram: Das waren schon extreme Herausforderungen, denen wir uns damals stellen mussten. So haben wir beispielsweise unsere Büros in Frankfurt/Oder und Brandenburg nicht nach Lage und Attraktivität ausgesucht. Für uns war damals die Frage, ob es einen Telefonanschluss gab, wesentlich entscheidender. In den ersten Monaten teilten sich unsere beiden Büros das Telefon mit der Zeitung „Tagesspiegel“. Vormittags durften die Redakteure das einzige Telefon benutzen. Nachmittags waren wir dran. Anfragen wurden telefonisch per C-Netz-Handy durchgegeben und nach der Bearbeitung per Kurier nach Berlin transportiert. Dort konnten sie schließlich in die EDV eingegeben werden.

Aumüller: Mir ist es Gott sei Dank gelungen, aufgrund guter Kontakte sehr schnell einen Telefonanschluss zu besorgen. Von moderner Kommunikationstechnik konnte man in der ersten Zeit allerdings nur träumen. Unsere mehrere Tausend Mailings haben wir deshalb aus Nürnberg verschickt. Diese Werbebriefe stießen übrigens auf eine tolle Resonanz.

Neben der Beschaffung der technischen Ausstattung war es sicherlich auch schwierig, geeignetes Personal zu finden.

Aumüller: Das stimmt. Das Personal, das wir damals gebraucht haben, gab es leider nicht. Das lag  natürlich auch daran, dass sich die Leute mit einer nach westlichen Kriterien geführten Wirtschaft kaum auskannten. Wir mussten deshalb potenzielle Mitarbeiter selber ausbilden. Es war äußerst hilfreich, dass wir dabei kompetente Unterstützung hatten. Heute ist unser Team längst fest in die Creditreform-Weiterbildungsaktivitäten eingebunden und bedarf keiner speziellen Trainings.

Wolfram: Auch bei uns sah und sieht es nicht viel anders aus. Um möglichst rasch Mitarbeiter zu finden, die wir natürlich noch ausbilden mussten, startete unsere Personalsuche, noch bevor es ein eigenes Büro gab. So führte ich meine ersten Einstellungsgespräche in Frankfurt/Oder in einem Café.

 » Ich finde, Ost und West unterscheiden sich nicht mehr. « Andreas Aumüller, Creditreform Dresden


Wenn Sie die 25 Jahre überblicken: Was hat sich in dieser Zeit geändert? Gibt es noch Unterschiede zwischen Ost und West?

Aumüller: Ich würde sagen Nein. Es ist schon doll, was in den letzten 25 Jahren abgelaufen ist.  Creditreform hat sich inzwischen als Marktführer in Dresden etabliert. Wir sind in Wirtschaft und Politik bestens vernetzt und gefragte Gesprächspartner. Ich muss auch den sächsischen Unternehmern ein großes Lob aussprechen. Sie haben gravierende Veränderungsprozesse durchlaufen und waren gleich in der ersten Zeit nach der Wiedervereinigung extrem flexibel.

Wolfram: Auch ich finde, dass sich Ost und West nicht mehr unterscheiden. Die heutigen Unterschiede der Anforderungen unserer Mitglieder richten sich nicht mehr nach der geografischen Lage ihrer Unternehmen.Alle unsere Unternehmen, gleichgültig wosie angesiedelt sind, erwarten eine hohe Qualität der Creditreform-Dienstleistungen. Anfang der 1990er-Jahre gab es natürlich einen Unterschied – sowohl in den Bedürfnissen als auch in der Ausbildung. Heute sieht das anders aus.

Was ist Ihr größter Wunsch für die weitere gemeinsame Fortentwicklung von Creditreform in den kommenden 25 Jahren?

Wolfram: Wir müssen die Herausforderungen des immer komplexer werdenden Markts gemeinsam angehen und gemeinsam lösen. Unsere dezentrale Organisationsstruktur bildet die Grundlage für die Antworten und Lösungen, die der Markt und damit die Mitglieder an Creditreform stellen.

Aumüller: Wir müssen und werden uns in enger Kooperation mit den Kunden konstant weiterentwickeln. Durch diese enge Bindung erfahren wir, was die Mitglieder von uns erwarten. Selbstverständlich benötigen wir hervorragende Mitarbeiter, um unsere positive Entwicklung zum Nutzen der Kunden fortzusetzen.

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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