Europa muss sich emanzipieren - auch im Ratingsektor

Schon Ende der 1990er Jahre aber insbesondere nach der Finanzkrise 2008 wurde die Forderung nach mehr Wettbewerb im Ratingmarkt von der Öffentlichkeit und der Politik deutlich angebracht. Die Abhängigkeit von wenigen amerikanischen Ratingagenturen weltweit und die Gefahr der Beeinträchtigung von Objektivität und Unabhängigkeit sowie das hohe Preisgefüge sind die wesentlichen Kritikpunkte.

Sovereign Rating Coverage – 93 Prozent des Welt-BIP erreicht

Creditreform Rating als Tochter der Creditreform Gruppe hat sich als Europäische Ratingagentur etabliert. Mit Ratings von Sovereigns und Länderanalysen deckt Creditreform über 93 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes ab. Mit Ratings von Unternehmen und Banken aus Europa (SAP, BMW, EANDIS, Commerzbank, DZ Bank, Rabobank u. a.) sowie Ratings von Pfandbriefen und Emissionen bietet Creditreform das Spektrum, das institutionelle Nutzer von Ratings nachfragen.

Das Marktvolumen von Ratings beträgt weltweit über 5 Milliarden US-Dollar. Die Nachfrage nach Ratings wächst moderat aber beständig. In Europa sind 26 Ratingagenturen von der Finanzmarktaufsicht ESMA (European Securities and Markets Authority) registriert. Creditreform Rating hält einen Marktanteil von ca. 0,5 Prozent. Seit Beginn der Regulierung von Ratingagenturen in Europa ist die Konzentration im Ratingmarkt gestiegen. Die Marktanteile der amerikanischen Agenturen sind gewachsen. Die Regulierung von Ratingagenturen hat also nicht wesentlich zur Veränderung der Marktanteile beigetragen. Die Initiative des Gesetzgebers (Artikel 8d der Ratingverordnung, EU-Nr. 462/200013), bei bestimmten Transaktionen eine kleine Ratingagentur mit zu beauftragen, ist eine „Kann-Vorschrift“ und deshalb nicht wirkungsvoll.

EZB ist wichtigster Nutzer von Ratings

Warum greifen die von der Politik getroffenen Maßnahmen nicht, den Wettbewerb aufzubrechen? Warum hat es bislang keine Ratingagentur wirklich geschafft, nennenswerte Marktanteile zu gewinnen? Eine wesentliche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Europäische Zentralbank (EZB), denn im Rahmen der Refinanzierung von Kreditinstituten im Eurosystem werden pro Jahr mehrere tausend Finanztitel entsprechend der Anforderung der EZB von den amerikanischen Agenturen geratet. Die Ankaufsbedingungen der EZB sehen vor, dass Ratings von zwei gelisteten Ratingagenturen vorgelegt werden. Die EZB ist insofern eine der größten Nutzerinnen von Ratings in Europa. Bislang akzeptiert die EZB ausschließlich amerikanische Agenturen. Die EZB hat Anfang 2016 Kriterien veröffentlicht, unter denen Ratingagenturen in drei Jahren einen Antrag auf Anerkennung durch die EZB stellen können. Im Wesentlichen geht es dabei um die Abdeckung eines nennenswerten Anteils der von der EZB gekauften Finanztitel. Creditreform Rating hat ein entsprechendes Investitionsprogramm aufgelegt, in den nächsten drei Jahren eine entsprechende Anzahl von Ratings zu erstellen.

Creditreform Rating hat bislang 24 Staaten beurteilt

Aufgrund der Anforderungen des Marktes in Zeiten eines EZB-Anleihekaufprogramms und eines europäischen Stabilitätsmechanismus mit andauernd niedrigen Zinsen bietet Creditreform aus der Perspektive einer europäischen Ratingagentur Ländereinschätzungen und Sovereign Ratings an. Aktuell hat Creditreform Rating für 24 Länder ein Rating erstellt. Neben den 19 Euroraum-Staaten sind das Polen, Schweden, Dänemark, Großbritannien und die USA.

Im Rahmen der Sovereign Ratings steht Creditreform Rating mit Emittenten und den nationalen Behörden in regelmäßigem Kontakt und wird positiv wahrgenommen. Die Reaktionen der Behörden bestätigten Creditreform Rating in ihrer Einschätzung, dass auf dem Markt für Länderratings trotz der Dominanz amerikanischer Ratingagenturen für einen Newcomer Platz ist – vor allem, wenn er aus Europa kommt. Denn Investoren schätzen Meinungsvielfalt. Sie möchten wissen, wie Experten in anderen Ländern die Fähigkeit und Bereitschaft eines Staates beurteilen, seinen finanziellen Verpflichtungen vollständig und fristgerecht nachzukommen.

EZB sollte Markt für kleinere Ratingagenturen öffnen

Grundsätzlich ist jedoch festzustellen, dass die EU-Regulierung, die sich zum Ziel gesetzt hatte, den Wettbewerb auf dem Ratingmarkt zu stärken und kleineren Ratingagenturen einen leichteren Markteintritt zu ermöglichen, alleine nicht ausreichend sein dürfte. Es ist die Europäische Zentralbank, die maßgeblich zur Intensivierung des Wettbewerbs in Europa beitragen könnte, wenn sie den Ratingmarkt für kleinere Ratingagenturen nur öffnen würde.

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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