Geplante Reform der Investmentbesteuerung

Der Ende Juni vorgestellte Vorschlag des Finanzministeriums sieht vor, Veräußerungsgewinne aus Streubesitzbeteiligungen unter zehn Prozent zu besteuern. Das hätte wohl Auswirkungen für das Gründungsgeschehen in Deutschland. Creditreform beobachtet und analysiert die Unternehmensgründungen kontinuierlich zusammen mit dem ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) und nimmt Stellung zu den Vorschlägen der Regierung die Versteuerung von Veräußerungsgewinnen aus Streubesitzbeteiligungen neu zu regeln. Die Frage lautet: Wie sehen die Folgen für die Gründungen gerade in den Hightech-Sektoren aus?

Auf die Art der Gründung kommt es für die Zukunft an

Das Gründungsgeschehen in Deutschland schwächelt. Dabei spielt der gute Arbeitsmarkt eine große Rolle, weil er Angestelltenverhältnisse gegenüber der Selbstständigkeit attraktiv erscheinen lässt. Hinzu kommen demografische Aspekte durch eine alternde Bevölkerung.

Allerdings steigt die absolute Anzahl der Gründungen in den Hightech-Branchen und auch in anderen forschungs- und wissensintensiven Wirtschaftszweigen seit einigen Jahren wieder. Weiterhin lässt sich beobachten, dass auch die absolute Anzahl an Gründungen in den forschungs- und wissensintensiven Branchen seit einigen Jahren wieder ansteigt. Diese Sektoren sind es, die für Business Angels und andere Investoren interessant sind.

Zahlen aus der jüngsten Vergangenheit zeigen die Situation: Seit 2001 sind oder wa-ren an rund 19.400 Unternehmen der Gründungen 2001 bis 2011 Privatinvestoren beteiligt. Das entspricht etwa 0,8 Prozent aller Gründungen dieser Kohorten. Privatinvestorenbeteiligungen treten vier Mal so häufig in Unternehmen der Spitzentechnik auf (3,3 Prozent) wie im Durchschnitt. Überproportional häufig engagieren sich Privatinvestoren in jungen Unternehmen der hochwertigen Technologie, in technologie-intensiven Dienstleistungen und in der Kreativwirtschaft.

Finanzierung gefährdet

Die geplanten Änderungen wären für die Beteiligungsbranche ein Schnitt mit Folgen. Zeichnet sich dieser Finanzierungsbereich doch dadurch aus, dass nicht mit Dividendenzahlungen kalkuliert wird, sondern ein Return nur über die Erfolgsbeteiligung durch den Veräußerungsgewinn beim Exit stattfindet. Allerdings ist auch anzumerken, dass die jetzt geplante Einführung einer Besteuerung Veräußerungsgewinne und Dividenden wieder gleich stellt. Bei Streubesitzdividenden hat man diese Besteuerung schon seit zwei Jahren.

Die meisten Business Angel sind eher Minderheitsbeteiligte, die ja nicht nur Kapital, sondern auch Know-how einbringen, das für Start-Ups oft wichtig für den langfristigen Erfolg ist. Damit könnte nicht nur der Mittelzufluss durch die neue Regelung berührt werden, sondern auch der Wissens- und Erfahrungstransfer. Fast 90 Prozent der von Business Angels finanzierten Unternehmen erhalten eine Unterstützung im Bereich „Betreuung und Beratung“ und knapp 86 Prozent der Unternehmen werden durch die Herstellung von Kontakten zwischen dem Gründer und potenziellen Geschäftspartnern unterstützt („Tür öffnen“). Sowohl bei den Betreuungs- und Beratungsleistungen als auch bei der Kontaktherstellung ist der Business Angel in der Regel nicht in das operative Geschäft des Unternehmens eingebunden. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei Betreuungs- und Beratungsleistungen und bei der Kontaktherstellung um Bereiche, die auch in der Literatur typischerweise mit den Leistungen eines Business Angels verbunden werden. Dabei auch hier eine Anmerkung: Die geplanten Regelungen beziehen sich nicht auf Privatpersonen als Investoren, sondern auf Unternehmen.

Deutschland hat eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten durch die öffentliche Hand (KfW etc.), dennoch ist es sicher erstrebenswert auch die private Investition in Risikobranchen zu fördern. Hier ist der US-amerikanische Beteiligungsmarkt führend.

Tatsächlich steht zu befürchten, dass viele Investoren ihr Engagement am Standort Deutschland überdenken werden. Der derzeitige Reformentwurf sieht eine Steuerermäßigung vor, die auf 30 Prozent der Anschaffungskosten begrenzt ist. Ob diese Höhe ausreichend ist, ist schwierig zu beurteilen. Man kann aber sicher kritisieren, dass der Gesetzentwurf derzeit sechs kumulative Voraussetzungen vorsieht, die für die Ermäßigung zu erfüllen sind.

Auch auf die Schließungen kommt es an

In diesem Zusammenhang ist auch eine Anmerkung zu den Gründungsraten (Anzahl der Gründungen in Prozent des Unternehmensbestandes) im europäischen Vergleich aus einer noch unveröffentlichten Studie des ZEW zu machen:

  • Im Jahr 2012 hatten Polen und Großbritannien (je 12 Prozent) die höchsten Gründungsraten bezogen auf alle Wirtschaftszweige von den hier betrachteten Ländern. Vergleichsweise hoch waren die Gründungsraten außerdem in Dänemark, in den Niederlanden (je 11 Prozent), Finnland und Frankreich (je 10 Prozent). 
  • Deutschland war mit 5 Prozent laut dem Mannheimer Unternehmenspanel zusammen mit Belgien das Land mit der niedrigsten Gründungsrate. Ein vergleichbar niedriges Niveau hatte sonst noch Österreich (6 Prozent). Nach den Angaben der UDS befand sich die Gründungsrate von Deutschland im unteren Mittelfeld. 
  • In den wissensintensiven Dienstleistungen lag die Gründungsrate in den meisten Ländern im Jahr 2012 auf oder über dem Niveau der Gründungsrate für alle Wirtschaftszweige. Besonders viele Neugründungen in Relation zum Unternehmensbestand gab es in Dänemark (18 Prozent). Vergleichsweise hoch war die Gründungsrate in den wissensintensiven Dienstleistungen in den Niederlanden und Großbritannien (je 14 Prozent), Frankreich (13 Prozent) und Polen (12 Prozent). 
  • Die höchsten Gründungsraten in der forschungsintensiven Industrie hatten mit je 8 Prozent Dänemark und Polen. Die niedrigsten Gründungsraten sind für Belgien, Italien und Schweden zu beobachten (je 3 Prozent). Die Gründungsrate von Deutschland lag mit 4 Prozent (UDS und MUP) nur knapp über dem niedrigsten Wert.

Beim Hinweis auf die internationalen Gründungsraten, hat auch stets ein Verweis auf die korrespondierenden Schließungsraten (Anzahl der Schließungen in Prozent des Unternehmensbestandes) zu erfolgen. Es zeigt sich, dass die europäischen Länder mit hohen Gründungsraten auch hohe Schließungsraten haben. So haben beispielsweise Belgien und Deutschland niedrige Gründungsraten und die niedrigsten Schließungsraten, während in Dänemark und Großbritannien hohe Gründungsraten auch mit hohen Schließungsraten einhergehen.

Fazit: Die geplanten Änderungen lassen einen Rückzug mancher Investoren befürchten. Gerade für das Gründungsgeschehen in den entscheidenden Hightech-Bereichen sind Business Angels aber entscheidend für das Überleben, weil sie Geld und Know-how einbringen.

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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