Gute Leistungen - Internationale Abschlüsse von Bewerbern

Zeugnisse und Zertifikate aus dem Ausland sind – selbst in deutscher Übersetzung – schwer zu bewerten. Das Anerkennungsgesetz hat Regeln geschaffen, die Betrieben und Bewerbern das Leben erleichtern.

Ivan Stojkovic arbeitet als Land- und Baumaschinenmechaniker bei der Atlas Hamburg GmbH, einem Fuhrpark für Bagger und Baumaschinen. „Gute Firma, toller Chef“, sagt der 32-Jährige knapp und fröhlich über seinen Job. Bis er dort seinen festen Platz fand, hat der Serbe allerdings einen weiten Weg zurücklegen müssen: 2008 kam der gelernte Landmaschinenmechaniker mit seiner Frau nach Deutschland. Doch sein Berufsabschluss hatte hier keinen Wert. Stojkovic wurde Lastwagenfahrer und besuchte nebenbei einen Deutschkurs.

Im Internet entdeckte seine Frau dann 2012 das Angebot der Handwerkskammer Hamburg (HWK), im Rahmen eines neuen Gesetzes ausländische Berufsabschlüsse schneller und leichter anerkennen zu lassen. Voller Energie machte sich der Vater von zwei Kindern auf den Weg durch die Institutionen – und erhielt 2013 lediglich eine Teilanerkennung. Für den deutschen Referenzberuf Land- und Baumaschinenmechaniker fehlten ihm 20 Prozent an Kenntnissen und Erfahrung. Drei Wochen Mechatronik in der Theorie und ein halbes Jahr Betriebspraxis bei Atlas brachten Stojkovic den ersehnten Gesellenbrief. „Jetzt bin ich nahe bei meiner Familie und kann endlich an Maschinen schrauben“, sagt er.

Schnellere Anerkennung per Gesetz

Wie Ivan Stojkovic haben, seit das Anerkennungsgesetz in Kraft trat, mehr als 11.000 Menschen einen Antrag gestellt, damit ihre Ausbildungen, die sie im Ausland erworben haben, auch hierzulande honoriert werden. Immerhin: Bei rund 80 Prozent wurde die volle Gleichwertigkeit der Abschlüsse festgestellt. Dies ist nicht nur für die Betroffenen von Vorteil. Auch die deutschen Betriebe profitieren von den zusätzlichen Fachkräften. Schließlich kann ein anerkannter Geselle eigenverantwortlich beim Kunden arbeiten, ein angelernter Helfer nicht. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter mit ausländischem Abschluss schnell eingearbeitet sind, da sie vielleicht zwar nicht alle, aber doch die wesentlichen Grundkenntnisse ihres Berufs mitbringen. Und wenn bis 2030 die erwerbstätige Bevölkerung um sechs Millionen Menschen sinkt, wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales errechnete, braucht es jeden qualifizierten Mitarbeiter. Die Suche nach Auszubildenden gestaltet sich schon jetzt schwierig.

Auch Florian von der Wehl, Niederlassungsleiter bei Atlas, weiß um die Vorteile der ausländischen Fachkräfte: „Wir können zusätzliche loyale Mitarbeiter an uns binden.“ Von der Wehl, der zur dritten Generation des Familienunternehmens gehört, kennt aber ebenso die Schwierigkeiten: „Alles, was mit der deutschen Sprache zusammenhängt, ist manchmal ein Problem.“ Sei es das Berichtswesen, die Schaltpläne, der Laptop-Einsatz oder die häufig englischen Fachbegriffe – bei allem braucht Ivan Stojkovic Unterstützung von einem seiner 25 Kollegen oder von seinem Meister. Deshalb beginnt der Geselle nun einen weiteren Deutschkurs, an deren Finanzierung sich Atlas beteiligt.

Weiterhin viel Geduld erforderlich

Firmenchefs, die überlegen, einen ausländischen Mitarbeiter einzustellen und seiner Qualifikation gemäß zu beschäftigen, können erste Informationen zum Anerkennungsverfahren über das Portal www.bq-portal.de einholen. Wer bereits einen Bewerber an der Hand hat, sollte sich an die zuständige Kammer wenden, damit dessen Qualifikation genauer unter die Lupe genommen werden kann. Die Suche nach einem entsprechenden deutschen Referenzberuf unter den mehr als 400 Ausbildungen bundesweit, das Zusammentragen der berufsbiografischen Daten und Zeugnisse, die Übersetzung der Unterlagen und die Antragstellung verlangen von den Beteiligten jedoch viel Geduld. „Es wird niemals ein Routineverfahren geben, weil die Fälle einfach zu individuell sind“, sagt Sonya Dase, Leiterin Landesnetzwerk im RKW Bremen. Doch Vorsicht: Geprüft wird im Anerkennungsverfahren jeweils nur das fachliche Know-how des Einzelnen, nicht jedoch seine Sprachfähigkeit.

Kein Problem für Soner Candan, Gründer der Kfz-Werkstatt All About Cars. Er kam zu seinem neuen Mitarbeiter Saim Danabaş, weil er bei der Handwerkskammer einen guten Ruf als Ausbilder hat. „Ein zweiter Grund war, dass ich Türkisch spreche“, erzählt der Hamburger. Danabaş hatte in der Türkei die Technikerschule abgeschlossen und arbeitete dort beim TÜV. Als er frisch verheiratet nach Deutschland kam, fehlten ihm zum anerkannten Abschluss Kfz-Mechatroniker Kenntnisse in elektronischer Diagnostik, betrieblicher Praxis – und Deutsch. Candan stellte den jungen Mann dennoch ein und schreibt nun für die Handwerkskammer wöchentlich Berichte über dessen Fortschritte. Dass sein neuer Mitarbeiter das Qualifizierungsjahr ausschöpfen muss, glaubt er nicht: „Bis zum Jahresende wird Danabaş seinen Gesellenbrief in der Hand haben“, ist sich der Kfz-Meister sicher.

 

SCHRITT FÜR SCHRITT ZUR ANERKENNUNG

Sie haben einen Mitarbeiter, der einen Berufsabschluss im Ausland gemacht hat. Oder Sie möchten einen Bewerber mit einem Ihnen unbekannten Abschluss einstellen. Das Anerkennungsverfahren muss der Betreffende selbst durchstehen, aber Sie können ihn beim Gang durch die Institutionen unterstützen. Die wichtigsten Stationen:

Referenzberuf finden. Suchen Sie den Beruf, der der ausländischen Qualifikation am ehesten entspricht (www.bq-portal.de oder www.anerkennung-in-deutschland.de). Hochschulabsolventen, deren Examen nicht anerkannt wird, können auf einen vergleichbaren Ausbildungsberuf verweisen (www.kmk.org/zab/zeugnisbewertungen.html). Die örtliche IHK und die Handwerkskammern nennen fachkundige Ansprechpartner, die ebenfalls weiterhelfen können.

Kosten übernehmen. Die Verfahrenskosten liegen bei 400 bis 500 Euro. Klären Sie vor dem Antrag, ob die Agentur für Arbeit die Gebühren übernimmt.

Antrag stellen. Der Antrag samt der Zeugnisse und Arbeitsnachweise muss schriftlich auf Deutsch eingereicht werden. Ihre Hilfe beim korrekten Ausfüllen der Formulare beschleunigt das Verfahren sicherlich.

Verfahren durchlaufen. Die einzelnen Schritte und Anforderungen können Sie etwa über das Kompetenzzentrum IHK Fosa (www.ihk-fosa.de) oder das Projekt Prototyping der Handwerkskammern erfahren.

Ergebnis erläutern. Wird die Gleichwertigkeit mit einem deutschen Berufsbild festgestellt, kann der Arbeitnehmer sofort eingesetzt werden. Ist der Abschluss nur teilweise oder gar nicht gleichwertig, werden die Unterschiede zum Referenzberuf aufgelistet und eine Anpassung an die notwendige Qualifikation wird im Betrieb vorgenommen.


Autorin: Ruth Lemmer

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