Insolvenzen - die Schäden bleiben beträchtlich

Die Insolvenzen in Deutschland gehen zurück. Dies gilt sowohl für die Unternehmensinsolvenzen als auch für die Pleiten von Privatpersonen. Tatsächlich hat parallel zu dieser Entwicklung auch das Schadensaufkommen im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch von Unternehmen und der wirtschaftlichen Situation von Verbrauchern abgenommen. Doch bewegen sich die Schäden weiterhin auf einem Niveau, das Sorgen macht. Für das Jahr 2016 ist bei den Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ein Gesamtschaden von 27,5 Milliarden zu beziffern. Das bedeutet: Im einzelnen Insolvenzfall kommt es zu Forderungsverlusten von im Durchschnitt fast 1,3 Millionen Euro.

Der Rückgang beim Aufkommen von Unternehmensinsolvenzen ist stark bedingt von einem ebensolchen Rückgang bei den Neuanmeldungen von Existenzgründern. Alleine bei den bloßen formellen Anmeldungen verzeichneten wir im letzten Jahr gegenüber 1996 rund 100.000 Anmeldungen weniger. Da vor allem junge Unternehmen von Insolvenzen betroffen sind, wirkt sich dieser Rückgang bei den Existenzgründungen direkt auch auf das gesamte Insolvenzgeschehen aus.

Flaue Deckungsquoten

Das Statistische Bundesamt hat auf der Basis der 2015 abgeschlossenen Insolvenzverfahren und ihrer finanziellen Ergebnisse untersucht, wie hoch die Deckungsquoten waren und wie viel, in absoluten Zahlen, bei den Gläubigern von ihren Forderungen noch erzielt wurde. Bei den Unternehmen betrug die Deckungsquote 3,9 Prozent, bei den Verbraucherinsolvenzen sogar nur 1,5 Prozent. Damit wurden in der Summe bei den Gläubigern rund 2,9 Milliarden Euro aus der Insolvenz noch realisiert, bei den Verbraucherinsolvenzen waren es 3,7 Milliarden Euro – ein klägliches Ergebnis. Hinzuzufügen ist, dass diese Quoten nur abgewickelte Verfahren betreffen. In der Hälfte der Fälle kommt es gar nicht erst zu einem Insolvenzverfahren – das Verfahren wird mangels Masse abgelehnt und der Gläubiger geht leer aus. Eine weitere Quelle für immense finanzielle Schäden ist im Zusammenhang mit Insolvenzdelikten zu sehen. Zu diesen gehören der Bankrott, die Verletzung der Buchführungspflicht, die Gläubiger- und Schuldnerbegünstigung und schließlich die Insolvenzverschleppung. Gegen den Trend hat die Zahl dieser Fälle 2015 um 3 Prozent zugenommen – 11.153 Fälle, d.h. fast die Hälfte aller Insolvenzen.

Schulden über Schulden

Von den Quoten bei den Verbraucherinsolvenzverfahren war bereits die Rede. Interessant ist ein Blick auf das Schuldenvolumen bei Überschuldung. Überschuldung bedeutet, dass der private Verbraucher nicht mehr für die Summe der Rechnungen aufkommen kann. Im Jahre 2016 betrug das durchschnittliche Schuldenvolumen etwa 34.000 Euro. In der Summe aller Überschuldeten kommt hier ein Betrag von 235 Milliarden Euro zusammen, die Verbraucher ihren Gläubigern schuldig bleiben. Übrigens liegt der Mittelwert des Schuldenvolumens mit 39.000 Euro bei Männern deutlich höher als bei Frauen mit 28.500 Euro.

Indirekte Schäden, also Schäden, die nicht nur bei den Gläubigern durch Forderungsverluste etwa aus Krediten oder Lieferantenkrediten entstehen, fallen noch an anderer Stelle an. Das mögen Anleihen sein, die im Zuge der Insolvenz nicht mehr bedient werden können, das sind aber auch Schäden, wie sie etwa durch die Kreditversicherungen beim Forderungsausfall zu decken sind. Ein weiterer Schaden, der von uns allen zu bezahlen ist, findet sich beim Insolvenzgeld: 2016 waren immerhin 168 Millionen Euro für Arbeitnehmer zu finanzieren, die durch die Pleite ihres Arbeitgebers keinen Lohn mehr erhielten. Die Bundesagentur kommt für die Erstattung des Insolvenzgeldes auf.

Forderungsausfälle treffen die Unternehmer als Lieferanten aber nicht nur im Zusammenhang mit der Insolvenz ihres Geschäftspartners. Oft ist eine Geschäftsbeziehung von Forderungsausfällen begleitet. Die Creditreform Wirtschaftsforschung fragt regelmäßig nach Zahlungsstörungen bei mittelständischen Unternehmen. Im Frühjahr 2017 berichteten immerhin fast 10 Prozent der Befragten von Forderungsverlusten in Höhe von über einem Prozent des Umsatzes; nur jeder fünfte Betrieb konnte sich freuen, dass er keine Forderungsausfälle hinzunehmen hatte. Nimmt man das gesamte Volumen an Forderungen in Deutschland von etwa 6 Billionen Euro (auf Basis der Umsatzsteuerstatistik) und der anteilmäßigen Verteilung der Ausfallquoten zwischen 0,1 und mehr als 1,0 Prozent des Umsatzes, so lässt sich kalkulieren, dass rund 93 Milliarden Euro durch Forderungsverluste bei Lieferantenkrediten im Jahr auflaufen. Insgesamt muss allerdings davon ausgegangen werden, dass eine gewisse Zahl von drohenden Forderungsausfällen, etwa durch Inkassomaßnahmen, reduziert werden können, damit aber immer noch eine tatsächliche Zahl von etwa 60 bis 70 Milliarden Euro zu veranschlagen ist.

Was wird aus dem Unternehmer?

Betroffen von der Unternehmensschließung durch eine „freiwillige“ Liquidation oder durch Insolvenz sind aber nicht nur Gläubiger und Arbeitnehmer. Den Schaden hat auch der Unternehmer selbst. So berichteten in einer Befragung zwei Drittel der gescheiterten Selbstständigen, dass sie starke Abstriche bei ihrem Lebensstandard hinzunehmen hatten. Neben diesen finanziellen Problemen traten bei der Hälfte der befragten Reputationsverluste auf, die Abkehr früherer Geschäftspartner oder Probleme bei der Jobsuche.

Es ist häufig die Rede von Restartern, die nach einer gescheiterten selbstständigen Unternehmensführung wieder einen neuen Betrieb gründen. Dies ist allerdings nur bei jedem zehnten Betroffenen der Fall, rund zwei Drittel finden sich nachher als Angestellte wieder. Fast 20 Prozent sogar in der Arbeitslosigkeit, weitere rund 10 Prozent im Ruhestand.

Die Zahlen geben zu denken – vor allem deshalb, weil viel die Rede von der guten Entwicklung bei den Insolvenzen ist. Es bleibt dabei: Die Schäden sind zu hoch, und sie führen in vielen Fällen durch einen Dominoeffekt zu weiteren Verlusten und Ausfällen.

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