Kleine Unternehmen werden durch neue Bilanzregeln weniger in die Pflicht genommen

Ab dem Geschäftsjahr 2016 ist das sogenannte Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetz (BilRUG) anzuwenden. Damit will man eine Richtlinie der Europäischen Union umsetzen, die nationales Recht an EU-Recht anpasst und so Jahres- und Konzernabschlüsse vergleichbar macht. Entscheidend ist: Die Schwellenwerte werden innerhalb der Bilanzierungsvorschriften angehoben, was für kleinere Unternehmen zur Entlastung führt.

Für eine Reihe von Mittelständlern werden sich aus dem neuen Gesetz Erleichterungen in der Erstellung und Offenlegung der Jahresabschlüsse ergeben, weil die Anhebung der Schwellenwerte zunächst die Berichtspflichten für kleinere Unternehmen reduziert.

Neue Abgrenzungen bei den Unternehmensgrößen

Im Einzelnen bedeutet dies: Die Schwellenwerte für die Größenkriterien „Bilanzsumme“ und „Umsatz“ von Kapital- sowie Kapital & Co-Gesellschaften wurden für den Einzelabschluss um 24 Prozent angehoben. Davon werden wohl nach Schätzungen rund siebentausend Betriebe betroffen sein. Damit entfallen auch die gesetzliche Pflicht zur Abschlussprüfung und bestimmte Offenlegungspflichten.

Bei der Abgrenzung von mittelgroßen und großen Unternehmen (sowie bei den Kriterien für eine Pflicht zur Erstellung eines Konzernabschlusses) beträgt die Anhebung der Schwellenwerte bei Bilanzsumme und Umsatz hingegen lediglich vier Prozent. Die Schwellenwertregelungen können rückwirkend für Geschäftsjahre angewendet werden, die nach dem 31. Dezember 2013 begonnen haben. Bei rückwirkender Anwendung gilt allerdings auch die Neudefinition der Umsatzerlöse.

Umsatzerlöse werden weiter gefasst

Zukünftig führen auch bestimmte Erlöse außerhalb der „gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ zu Umsatzerlösen im Sinne des Gesetzes. Dies betrifft zum Beispiel Erlöse aus Betriebskantinen oder Konzernumlagen, die bisher unter „sonstige betriebliche Erträge“ erfasst wurden. Das erschwert den Einblick in die Umsatztätigkeit der Unternehmen und entspricht nicht internationalen Rechnungslegungsstandards.

„Außerordentliche Posten“ fallen weg

Die Unterscheidung in ein Ergebnis aus der „gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ und ein „außerordentliches Ergebnis“ entfällt. Die außergewöhnlichen Geschäftsvorfälle müssen nun den übrigen Gewinn-und-Verlustrechnung-Positionen zugeordnet werden. Für Geschäftsvorfälle von außergewöhnlicher Größe oder Bedeutung verbleibt es gleichwohl bei der Erläuterungspflicht im Anhang.

Die vorstehend genannten Angaben können zu einer deutlichen Veränderung der Relationen in der Gewinn- und Verlustrechnung führen. Betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die für das Rating oder für vereinbarte Covenants von Bedeutung sein können, werden hierdurch beeinflusst.

Berichterstattung im Anhang wird sich ändern

Das Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetz weitet die Berichtspflichten für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften aus. Je nach Größenklasse ergeben sich bis zu achtzehn Änderungen für die Berichterstattung im Anhang. Von Bedeutung könnten etwa nachfolgende Sachverhalte sein:

  • Vorgabe für die planmäßige Abschreibung von selbstgeschaffenen Vermögensgegenständen auf eine Nutzungsdauer von zehn Jahren bei schwierigen Schätzungen.
  • Erläuterungspflicht für den Zeitraum der Abschreibung eines entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwertes. 
  • Angaben zu Genussrechten bei allen Unternehmen im Anhang. 
  • Integration des Ergebnisverwendungsvorschlags in den Anhang.
  • Verlagerung des Nachtragsberichts vom Lagebericht in den Anhang.

Angaben, die für viele nicht neu sind, galt und gilt Transparenz doch nach wie vor als ein Gebot der Pflicht gegenüber Anteilseignern, Investoren und der interessierten Öffentlichkeit.

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