Konjunktur und Finanzierung im Handwerk - gestärkt aus dem Winter

Traditionell – seit mehr als dreißig Jahren – untersucht Creditreform die Wirtschaftslage und die Finanzierungssituation im Handwerk. Der Termin für die Befragung bietet sich an, weil zum Ausgang des Winters gerade auf Grund vieler saisonaler Arbeiten die besten Angaben zur bisherigen Entwicklung, aber auch zur Prognose möglich sind. Hinzu kommt, dass mit der Präsentation auf der internationalen Handwerksmesse in München die Zielgruppe selbst und ihre Presse am besten zu erreichen sind.

Der Start ins Jahr 2017 ist dem deutschen Handwerk gelungen. Störfaktoren und zusätzliche Belastungen – wie beispielsweise der Anstieg der Energiepreise – konnten die gute Stimmung nicht trüben. Etwa zwei Drittel der Befragten (68,4 Prozent) bewertete die aktuelle Geschäftslage mit „sehr gut“ oder zumindest „gut“. Der Prozentanteil der Positivmeldungen lag damit über dem Vorjahreswert (66,0 Prozent). Besonders positiv waren die Einschätzungen erneut in den baunahen Handwerken.

Die Betriebe berichteten zudem von einer guten Umsatzentwicklung. Ein Drittel der Betriebe (33,5 Prozent) meldete Umsatzsteigerungen. Etwas mehr als jeder zehnte Handwerksbetrieb verbuchte Umsatzrückgänge (10,7 Prozent). Damit zeichneten die Handwerker ein besseres Bild als vor einem Jahr. Damals hatten 29,6 Prozent der Befragten ein Umsatzplus und 12,7 Prozent Umsatzeinbußen gemeldet. Infolge der guten Auftrags- und Umsatzlage stiegen allerdings auch die Preise für Handwerkerleistungen. 43,2 Prozent der Betriebe haben die Preise angehoben. Das war ein höherer Prozentanteil als im Vorjahr (36,1 Prozent). Vermehrt wurden im vielbeschäftigten Ausbaugewerbe höhere Angebotspreise durchgesetzt. Und auch der Beschäftigungsaufbau im Handwerk setzte sich in den Wintermonaten fort. 27,8 Prozent der Befragten haben das Personal aufgestockt (Vorjahr: 23,7 Prozent), während jeder neunte Betrieb (11,0 Prozent) die Belegschaft zuletzt verkleinerte (Vorjahr: 13,2 Prozent). Im Metallhandwerk sowie im Handwerk für personenbezogene Dienstleistungen war die Nachfrage nach Arbeitskräften am größten.

Und wie geht es weiter?

Optimistisch beurteilten die Handwerksbetriebe die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate. Gut jeder dritte Befragte (36,4 Prozent) rechnet mit steigenden Umsätzen (Vorjahr: 32,4 Prozent). Lediglich 6,2 Prozent der Befragten erwarten ein Umsatzminus (Vorjahr: 8,8 Prozent). Ob die Betriebe aber wie geplant wachsen können, dürfte sich u. a. dadurch entscheiden, ob das benötigte Personal gefunden wird. Deutlich günstiger als vor Jahresfrist schätzte das Kfz-Gewerbe die weitere Umsatzentwicklung ein. Auch im Dienstleistungshandwerk fielen die Umsatzprognosen günstiger aus als vor einem Jahr.

Die Handwerksbetriebe wollen weiter wachsen und suchen händeringend nach Personal. 22,5 Prozent der Befragten planen Neueinstellungen (Vorjahr: 20,5 Prozent) und nur wenige (3,9 Prozent) wollen Stellen streichen (Vorjahr: 4,6 Prozent). Zu befürchten ist jedoch, dass der Fachkräftemangel die Betriebsentwicklung im Handwerk bremsen könnte. Immerhin hält der Stellenaufbau seit 2011 unvermindert an und in vielen Berufen ist der Arbeitsmarkt mittlerweile leergefegt. Gestiegen ist im Handwerk der Bedarf an sogenannten Mini-Jobs.

Die Investitionsbereitschaft hat sich auf einem hohen Wert eingepegelt. 57,8 Prozent der Befragten wollen investieren (Vorjahr: 58,8 Prozent), dabei sind stärker als im Vorjahr Erweiterungsinvestitionen geplant. Die Betriebe aus den baunahen Handwerken haben ihre Investitionsabsichten allerdings etwas zurückgenommen. Weniger Betriebe als noch im Vorjahr finanzieren ihre Investitionen allein mit eigenen Mitteln. Das Handwerk nutzt offensichtlich die derzeit günstigen Fremdkapitalzinsen.

Zahlungsverhalten der Kunden hat sich verbessert

Erfreulich: Handwerksbetriebe können ihre Forderungen schneller realisieren als in der Vergangenheit. Die überwiegende Mehrzahl der Betriebe (91,0 Prozent bei privaten Kunden bzw. 81,1 Prozent bei Aufträgen der öffentlichen Hand) erhielt das Geld für eine erbrachte Leistung innerhalb von 30 Tagen. Größere Forderungsausfälle waren selten. Lediglich 11,0 Prozent der Betriebe mussten Verluste in Höhe von über 1,0 Prozent des Jahresumsatzes ausbuchen (Vorjahr: 10,5 Prozent). In der Mehrzahl waren die Verluste gering. Ohne jegliche Forderungsausfälle blieb gleichwohl nur jeder achte Befragte (12,9 Prozent).

Neben der besseren Zahlungsmoral hat auch die gute Ertragslage dazu beigetragen, dass die Handwerksbetriebe in der jüngeren Vergangenheit ihre Eigenkapitalquoten stärken konnten. Aktuell meldete noch knapp ein Drittel der Befragten (32,4 Prozent) eine Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent. Das war zwar wieder ein höherer Anteil als im Vorjahr (31,3 Prozent), allerdings weitaus weniger als in der Phase nach der Wirtschaftskrise von 2009. Derzeit leiden verstärkt noch Betriebe aus dem Kfz-Gewerbe sowie aus dem Dienstleistungshandwerk unter Eigenkapitalschwäche.

4.560 Insolvenzen im Handwerk wurden 2016 gezählt. Das waren 6,4 Prozent bzw. 310 Fälle weniger als im Jahr zuvor (4.870). Gegenüber 2008 verringerte sich die Zahl der Handwerksinsolvenzen deutlich um 30,7 Prozent und damit stärker als im gesamtwirtschaftlichen Trend (minus 26,6 Prozent).

Fazit

Zusammenfassend lassen sich folgende Eckpunkte festhalten: Die Stimmungslage im Handwerk ist im Zuge der guten Konjunktur weiterhin sehr positiv. Die aktuelle Geschäftslage wird von den rund 1.300 Handwerksbetrieben sogar nochmals günstiger eingeschätzt als im Vorjahr. Erhöht haben sich auch die Meldungen zu Umsatzsteigerungen und Personalaufstockungen. Weiter sehr optimistisch sind die Umsatzerwartungen im Handwerk. Zu Beginn des Frühjahrs- und Sommerhalbjahres sind die Auftragsbücher gut gefüllt, die Betriebe wollen ihre Kapazitäten erweitern (Sachinvestitionen und Personal) und tendenziell können Preiserhöhungen durchgesetzt werden. Insofern ist nicht mit einem baldigen Ende der guten Handwerkskonjunktur zu rechnen.

Finanzierungsbedingungen und Liquiditätslage im Handwerk sind weiter günstig. So wird die Zahlungsmoral der Kunden insgesamt positiv eingeschätzt und Forderungsausfälle halten sich in Grenzen. Die derzeit günstigen Fremdkapitalzinsen haben die Kreditaufnahme erhöht, so dass die Eigenkapitalquoten leicht zurückgegangen sind. Die Insolvenzzahlen zeugen von mehr Stabilität: 4.560 Insolvenzen im Handwerk wurden 2016 gezählt. Das waren 6,4 Prozent bzw. 310 Fälle weniger als im Jahr zuvor (4.870).

© 2017 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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