Kreditvergabe in Deutschland wenig verändert

Die Kreditangebotspolitik in Deutschland wurde im dritten Quartal 2015 insgesamt nur wenig angepasst. Das zeigen die Antworten der im Rahmen der jüngsten Umfrage zum Kreditgeschäft interviewten 34 in Deutschland ansässigen Banken. Die viermal im Jahr durchgeführte Umfrage zum Kreditgeschäft, aus der die nationalen, hier deutschen Ergebnisse, gesondert darzustellen sind, wurde vom Eurosystem entwickelt, um einen besseren Einblick in das Kreditvergabeverhalten der Banken im Euroraum insgesamt zu gewinnen. Die Ergebnisse der Umfrage vom Oktober 2015 beziehen sich auf Veränderungen im dritten Quartal 2015 sowie auf Veränderungen, die für das Schlussquartal 2015 erwartet werden. Die aktuelle Erhebung wurde vom 15. bis zum 30. September 2015 durchgeführt. An der Umfrage nahmen in Europa 141 Banken teil.

Vorsicht bei privater Baufinanzierung

Nach Aussage der Bundesbank blieben im Firmenkundengeschäft die Kreditvergabestandards und die Margen für risikoreichere Engagements weitgehend unverändert. Dabei war durchaus Anpassungsbedarf gegeben, den die Bankinstitute jedenfalls bei den Margen für durchschnittlich riskante Kredite, die sie per Saldo spürbar verengten, sahen. Verantwortlich war dafür aber nicht die Knappheit der Mittel, sondern nach Bankangaben vor allem der intensive Wettbewerb im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Bei der privaten Baufinanzierung kam es im Berichtszeitraum zu einer per Saldo leichten Straffung der Vergaberichtlinien. Diese europaweite Tendenz spiegelt auch Befürchtungen wider, einer neuen Immobilienblase Vorschub zu leisten. Gleichzeitig verringerten die Banken ihre Margen für durchschnittlich riskante Bonitäten. Die Margen für risikoreichere Kredite sowie auch die anderen erfragten Kreditbedingungen blieben dagegen weitgehend unverändert. Im Konsumentenkreditgeschäft kam es weder bei den Vergabestandards noch bei den Kreditbedingungen zu nennenswerten Anpassungen.

Die Kreditnachfrage stieg gemäß den Angaben der deutschen Banken in allen erfragten Geschäftsfeldern abermals an. Dabei fielen die Zuwächse in den jeweiligen Kreditsegmenten erneut unterschiedlich groß aus. Positive Impulse gingen vor allem vom Mittelbedarf privater Haushalte für Wohnungsbauzwecke aus. Zudem legte die Nachfrage nach Konsumentenkrediten deutlich zu. Im Vergleich hierzu fiel der Nachfrageanstieg im Firmenkundengeschäft etwas geringer aus.

Ankaufpolitik der EZB setzt Erträge der Banken unter Druck

Die Oktoberumfrage enthielt zusätzliche Fragen zu den Refinanzierungsbedingungen der Kreditinstitute sowie zu den Auswirkungen des erweiterten Programms zum Ankauf von Vermögenswerten. Die deutschen Banken berichteten von einer im Vergleich zum Vorquartal insgesamt kaum veränderten Refinanzierungssituation vor dem Hintergrund der Lage an den Finanzmärkten. Das erweiterte Ankaufprogramm hat nach eigenen Angaben die Liquiditätsposition der Banken etwas verbessert. Die zusätzliche Liquidität, die unter anderem für die Kreditvergabe genutzt wurde, kam laut Umfrage fast ausschließlich von gestiegenen Kundeneinlagen und kaum vom Verkauf marktfähiger Aktiva durch die Banken selbst. Die befragten deutschen Banken berichteten auch in der Breite, dass das Programm Druck auf ihre Nettozinsmargen ausübe und dadurch ihre Ertragslage deutlich belaste. Auf ihre Kreditvergabepolitik hatte das Programm aber keine nennenswerten Auswirkungen.

Europa: Private fragen vermehrt Kredite nach – weniger die Unternehmen

Laut den über den gesamten Euro-Raum aggregierten Ergebnissen des Bank Lending Survey sind die Vergabestandards der europäischen Institute im Firmenkunden- und im Konsumentenkreditgeschäft marginal gelockert worden. Geringfügig gestrafft wurden hingegen die Standards im Bereich der privaten Wohnungsbaufinanzierung. Die Nachfrage nach Krediten vonseiten der Unternehmen im Euro-Raum nahm im dritten Quartal 2015 abermals zu. Sie blieb aber erneut hinter der dynamischen Entwicklung der Kreditnachfrage der privaten Haushalte zurück, die zu einem Großteil vom Mittelbedarf für die private Baufinanzierung getrieben war.

Die Refinanzierungssituation verbesserte sich nach Angabe der Banken im Euro-Raum weiter. Das erweiterte Ankaufprogramm stieß im Euro-Raum auf deutlich größeres Interesse als in Deutschland. Laut den Angaben der Banken verbesserte sich deren Liquiditätsposition deutlich. Die zusätzliche Liquidität wurde vor allem zur Kreditvergabe genutzt, im Zuge dessen lockerten die befragten Banken ihre Kreditbedingungen. Im Währungsgebiet insgesamt belastete das Programm die Ertragslage der Kreditinstitute per Saldo nicht, da in einigen Ländern die Banken von Gewinnen aus dem Verkauf marktfähiger Aktiva profitierten.

Quelle: Deutsche Bundesbank, Mitteilung vom 20.10.2015

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

Sollte dieses Formular nicht richtig dargestellt werden, klicken Sie bitte hier.

Kontakt

allgemeineskontaktformular

Allgemeines Kontaktformular
Kontakt