Land der vielen Möglichkeiten

Neuss, den 02.09.2015

Luxemburg ist im Aufwind. Viele Geschäftssitten im Großherzogtum sind aus der französischen Kultur übernommen. Das macht die Arbeit für Auskunfteien und Inkassodienstleister wie Creditreform weder leichter noch schwerer – aber anders.

Ob Amazon, Ebay oder Paypal – sie alle haben ihre europäischen Zentral- und Abrechnungsverwaltungen bereits vor Jahren in Luxemburg angesiedelt. Ursprünglich ging es ihnen dabei vor allem um die Nutzung von Steuervorteilen. So gilt im Großherzogtum der niedrigste Mehrwertsteuersatz der EU. Inzwischen aber haben diese Unternehmen auch andere Vorteile Luxemburgs erkannt und steuern von hier aus ihre europäischen Aktivitäten. Schließlich hat das Großherzogtum einen größeren Dienstleistungssektor als die Nachbarländer. Dieser wurde insbesondere im Finanzbereich über viele Jahre zum Garanten eines hohen Wohlstands. Die zuvor dominierende Stahlindustrie geriet dagegen immer stärker in den Hintergrund. Nichtsdestotrotz behielt Arcelor, der weltweit größte Stahlproduzent um den Milliardär Lakshmi Mittal, seinen Verwaltungssitz in Luxemburg.

Das Großherzogtum, in dem Creditreform seit 1. Januar 2000 mit einer eigenen Landesgesellschaft vertreten und heute ein führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Inkassodienstleistungen ist, hat seine Besonderheiten. Die resultieren zu einem Großteil aus der geografischen Lage an der Schnittstelle zwischen Deutschland und Frankreich. Obwohl fast jeder Luxemburger nahezu perfekt Deutsch spricht, sind viele Geschäftssitten aus der französischen Kultur übernommen. „In Luxemburg gilt mit leichten Abwandlungen französisches Recht“, betont Herbert Eberhard, Geschäftsführer der Creditreform-Büros in Luxemburg und Trier.

Konsequenz: Im Fall eines Prozesses gibt es keine dem deutschen Recht vergleichbare Kostenerstattung. Das führt bei Streitigkeiten im Geschäftsleben zu einer völlig anderen wirtschaftlichen Abwägung. Bei Inkassofällen, so Eberhard, seien Gläubiger sehr viel eher bereit, einen Vergleich einzugehen, als vor Gericht zu versuchen, ihre Forderung vollständig durchzusetzen. Für Creditreform bedeutet das, aus Kostengründen noch stärker darauf hinzuwirken, dass es zu einer gütlichen außergerichtlichen Lösung kommt – etwa in Form von Ratenzahlungsplänen.

Hohe Transparenz

In Luxemburg gibt es außer den Insolvenzen keine Negativdaten der Gerichte. Allerdings sind Strukturdaten über Unternehmen meist sehr viel leichter zu erhalten als in Deutschland. So veröffentlichen viele Firmen neben ihrer Bilanz auch die Gewinn- und Verlustrechnung. Die Informationen sind, wie in Deutschland, über das Portal Firmenwissen und die Firmen-CD Markus abrufbar. Aufgrund der strengen Datenschutzbestimmungen können in dem zweitkleinsten Land der EU Auskünfte über Privatpersonen zwar auf elektronischem Weg bestellt und geliefert werden, sind aber online nicht abrufbar.

Aussagekräftige Informationen über Geschäftspartner einzuholen, ist derzeit besonders wichtig, denn die Zahl der Insolvenzen ist im Großherzogtum zuletzt wieder gestiegen: 410 Firmen mussten im ersten Halbjahr aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben. Im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2014 bedeutet dies zwar nur ein Plus von drei Prozent. Aber europaweit sind die Insolvenzen in diesem Zeitraum gesunken. Wieder einmal bestätigte sich im ersten Halbjahr 2015 ein bereits seit Jahren in Luxemburg zu beobachtendes Phänomen: Vornehmlich ältere Unternehmen geraten in Nöte. Sieben von zehn Firmen, die zuletzt Insolvenz anmeldeten, existierten bereits länger als fünf Jahre. Üblicherweise ist es andersherum: Da erwischt es vornehmlich junge Unternehmen, die in der Kürze der Zeit noch nicht genügend Marktkenntnis, Kunden und finanzielle Stabilität gewonnen haben, um sich auch bei Gegenwind zu behaupten.

Warum das so ist? Eberhard, der viele Jahre Leiter der Auslandsinkasso- Abteilung beim Verband der Vereine Creditreform war, verweist darauf, dass der Markt in Luxemburg gespalten ist: Auf der einen Seite gibt es international agierende Banken und Firmenzentralen, auf der anderen Seite alteingesessene, überwiegend mittelständisch geprägte Unternehmen. „Letztere haben immer häufiger Schwierigkeiten, sich an veränderte Marktanforderungen anzupassen“, beobachtet der Creditreform-Geschäftsführer. Ohnehin vollzieht sich seit der Finanzkrise ein Wandel in der Unternehmenslandschaft. Luxemburg bemüht sich, ein Stück unabhängiger von der Finanzbranche zu werden, und fördert deshalb verstärkt andere Wirtschaftszweige, etwa im Dienstleistungsbereich.

Und in noch einem Punkt unterscheiden sich die Verhältnisse im Großherzogtum von denen in Deutschland: Die Bevölkerung wächst rasant und wird immer internationaler. Seitdem Creditreform 2001 seine Tätigkeit in Luxemburg aufgenommen hat, ist die Zahl der Einwohner von 439.000 auf 653.000 gestiegen. Viele Einwanderer aus Osteuropa, dem Balkan und vor allem aus Portugal sorgten dafür, dass der Ausländeranteil seit 2001 um zehn Prozentpunkte auf knapp 46 Prozent gestiegen ist. Das ist ein Spitzenwert in Europa. Hinzu kommen etwa 169.000 Grenzgänger, die jeden Tag aus Frankreich, Deutschland oder Belgien nach Luxemburg zur Arbeit kommen. Prognosen zufolge wird die Einwohnerzahl bis 2025 auf etwa 750.000 steigen. So ist es nicht überraschend, dass die Wirtschaft im Großherzogtum so schnell wächst wie in nur wenigen anderen Ländern in Europa.

Wenn so viele Menschen unterschiedlicher Nationalität zusammenleben, kommt es mancherorts mitunter zu Problemen. Nicht so in Luxemburg. Beobachter führen das unter anderem darauf zurück, dass die Einheimischen durch ihre Vielsprachigkeit vergleichsweise gut mit Ausländern zurechtkommen. „Viele Menschen im Großherzogtum sprechen drei, wenn nicht vier Sprachen. Dabei entwickelt sich Portugiesisch neben Französisch immer stärker zur Hauptsprache“, beobachtet Eberhard. Creditreform ist darauf gut vorbereitet. Die 20 Mitarbeiter des Luxemburger Büros sprechen vier, manche von ihnen sogar fünf Sprachen.

Text: Stefan Weber

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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