Rickmers Reederei geht in die Insolvenz

Bertram Rickmers ist das Gesicht der Reederei, die Insolvenz anmelden musste. Dabei hatte man lange um ein Sanierungskonzept gekämpft, und als im Juli die Gläubiger zusammentrafen, um endgültig über das Überleben der traditionsreichen Reederei abzustimmen, kam es zu keiner Einigung. Es war vor allem die HSH Nordbank, die als größter Gläubiger nicht das Konzept mittragen wollte. Dabei hatte die Bank sich wohl erinnert, dass ein Schuldenerlass durch sie in Höhe von 547 Mio. Euro zum Politikum geworden war.

Das Gesicht der Reederei

Bertram Rickmers, 64 Jahre alt, führte die Reederei in der fünften Generation. Er wird mit der Pleite des Unternehmens leben müssen, denn der Kampf am Markt um Aufträge war im Grunde nicht zu gewinnen. Bereits 2008 war es zu einer großen Krise in der Schifffahrt gekommen. Die Frachter waren nicht mehr ausgelastet, die Frachtraten gingen markant zurück. Dabei machte die Branche insgesamt einen großen Fehler: Sie baute immer größere Schiffe, um die Kosten für den einzelnen Containertransport zu reduzieren. Damit aber wuchsen die Überkapazitäten und schließlich traf es zunächst Reeder, wie etwa Rickmers, die davon gelebt haben, ihre Schiffe zur Verfügung zu stellen, wenn der Frachtraum nicht ausreichte. Die Linienreedereien hatten dann auf diese Schiffe zurückgegriffen und sie für ihre Container angemietet. Dieses Geschäftskonzept aber funktionierte in der anhaltenden Krise nicht mehr.

Zu wenig Container, zu viele Schiffe

Die Fracht- und Reederkrise führte dann aber auch zu einem Finanzierungsproblem bei den Banken. Hatte man doch im Zuge der Globalisierung und der boomenden Weltwirtschaft auf die Transporte über die Seewege gesetzt und kräftig finanziert. Schätzungen gehen mittlerweile davon aus, dass die größten deutschen Schiffsfinanzierer rund 60 Mrd. Euro an notleidenden Krediten in ihren Büchern führen. Allein die HSH Nordbank ist wohl insgesamt mit 16 Mrd. Euro betroffen. Hier hat die HSH Nordbank die Reißleine ziehen müssen, was dann schließlich zum Zusammenbruch der Reederei führte.

Für die rund 2.500 Beschäftigten bleibt doch noch ein Rest von Hoffnung. Der Geschäftsbetrieb laufe weiter, wurde versichert. Und auch die Stadt Hamburg als großer maritimer Standort wird alles dazu tun, das Unternehmen trotz der Schwierigkeiten bei einem langfristigen Sanierungskonzept zu erhalten.

Auch die Anleihe fällt ins Wasser

Ausfälle haben aber nicht nur die Banken direkt in ihrer Finanzierung zu befürchten, sondern auch die Investoren einer Anleihe, die Rickmers in Höhe von 272 Mio. Euro vor vier Jahren begeben hatte. Es existiert ein Insolvenzgutachten, dass die Rückzahlungsquote bei nur knapp 7 Prozent sieht. Auch bei den Anleihegläubigern ist also ein Interesse vorhanden, das Unternehmen zu erhalten und zu sanieren. Trotz der Schifffahrtskrise, die viele Reedereien trifft – Rickmers ist bisher der schwerwiegendste Fall einer Insolvenz in diesem von Sorgen getriebenen Branchenbereich.

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