Schlechte Nachrichten von den Nachbarn

„Was die Insolvenzen betrifft, können wir uns kurz fassen: Sie werden weiter zurückgehen“. Eine gewisse Skepsis hatten wir dagegen schon im letzten Newsletter zum Ausdruck gebracht – die aktuellen Zahlen aus Österreich zeigen, dass tatsächlich ein positiver Trend beim Insolvenzgeschehen nicht ohne weiteres fortgeschrieben werden kann.

Die Zahlen von Creditreform Österreich und die von ihr erhobene Firmeninsolvenzstatistik für das 1. Quartal 2018 zeigen eine Trendumkehr der Entwicklung des vergangenen Jahres: Während die Unternehmensinsolvenzen 2017 auf einen historischen Tiefststand für die letzten15 Jahren gelangt waren, sind in den ersten drei Monaten 2018 die Insolvenzen um 2,8 Prozent auf 1.402 Verfahren gestiegen. Die Anzahl an eröffneten Verfahren stieg dabei um 0,9 Prozent auf 853 Unternehmen. In 549 Fällen (plus 5,8 Prozent) wurden die Insolvenzanträge mangels kostendeckendem Vermögen abgewiesen. Neben Fehlentscheidungen des Managements sind der Wettbewerbsdruck mit sinkenden Preisen/Margen sowie Forderungsverluste die Hauptursachen für das Scheitern der Unternehmen. Rund 18.000 Gläubiger mit ca. 450 Mio. Euro Forderungen waren von Insolvenzen betroffen. Größte Pleite war die NIKI Luftfahrt GmbH infolge der Air Berlin-Insolvenz und damit die erste grenzüberschreitende Insolvenz nach der EuInsVO.

Bau bleibt Sorgenkind

Die am stärksten betroffene Branche ist das Bauwesen mit mehr als 10 Insolvenzen je 1.000 Branchenunternehmen, aber einem Rückgang um 10,2 Prozent. Positiv ist die Entwicklung dank des guten Konsumklimas und der sinkenden Arbeitslosigkeit auch beim Handel (minus 6,4 Prozent) sowie infolge der guten Wintersaison im Tourismus (minus 1,4 Prozent). Den größten Zuwachs verzeichnete die Branche „Kredit- und Versicherungswesen“ mit einem Plus von 19,4 Prozent. Trotz einer Steigerung um 7,4 Prozent – das entspricht aber nur einem Plus von vier Insolvenzen – ist die „Sachgütererzeugung“ mit zwei Insolvenzen je 1.000 Industrieunternehmen die Branche mit der niedrigsten Insolvenzbetroffenheit.

Die Zahlen der Creditreform Privatinsolvenzstatistik für das 1. Quartal 2018 zeigen eine starke Trendwende hin zu massiv wachsenden Schuldenregulierungsverfahren. Sind die „Privatkonkurse“ im vergangenen Jahr auf das niedrigste Niveau seit 2006 gesunken, betrug die Steigerung in den ersten drei Monaten diesen Jahres fast 56 Prozent. Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist dabei um rekordverdächtige 63 Prozent auf 2.787 Insolvenzen, die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzanträge um 12,6 Prozent auf 322 Verfahren gestiegen. Dazu Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Creditreform: „Die Reform der Privatinsolvenz vom Herbst 2017 führt nun dazu, dass viele Schuldner ihre aufgeschobenen Insolvenzanträge stellen. Wie erwartet sinkt der Anteil der Zahlungspläne an den Schuldenregulierungsverfahren. Hingegen erfreuen sich die für Gläubiger weniger vorteilhaften Abschöpfungsverfahren – vor allem bei ehemaligen Selbstständigen – großer Beliebtheit.“ Die durchschnittliche Höhe der Schulden ist auf rund 100.000 Euro gestiegen.

Tsunami in der Alpenrepublik

Erläuternd und kommentierend fügt Weinhofer hinzu: „Der erwartete „Insolvenz-Tsunami“ ist eingetreten und wird über das gesamte Jahr neue Insolvenzen anschwemmen. Schuldner haben ihre Insolvenzanträge bewusst bis 01.11.2017 zurückgehalten, um nun in den Genuss einer schnelleren und billigeren Entschuldung zu gelangen. Laut Schuldnerberatung ist in Wien der Anteil der Zahlungspläne – einer Vereinbarung zwischen Gläubiger und Schuldner – von 70 auf 60 Prozent zurückgegangen. Im selben Ausmaß ist der Anteil der Abschöpfungen – der Schuldner muss in 5 Jahren den gesamten pfändbaren Einkommensteil einem Treuhänder abführen – angestiegen. Hier erhält der Schuldner selbst bei einer Null-Euro-Rückzahlung seine Schuldbefreiung. Es ist daher zu erwarten, dass 2018 das Jahr mit den meisten Privatinsolvenzen seit Einführung des Privatkonkurses 1995 sein wird. Gläubigern ist zu raten, noch genauer darauf zu achten, mit wem Geschäfte und zu welchen Zahlungsbedingungen abgeschlossen werden. „Trau, schau, wem“ muss die Devise der Gläubiger sein, um ihre Forderungen vor einem möglichen Totalausfall zu schützen.

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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