Schlechte Zahlen in guten Zeiten

Für die deutschen Verbraucher waren die konjunkturellen Rahmenbedingungen in den letzten zwölf Monaten positiv. Dies zeigt die Entwicklung der preisbereinigten privaten Konsumausgaben, die laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent auf 1,67 Billionen Euro (2015: 1,63 Billionen Euro) gestiegen sind. Für 2017 können rund 1,72 Billionen Euro erwartet werden. So bleiben die deutschen Verbraucher nach Angaben der GfK-Konsumklimastudie für Oktober 2017 „auch im Herbst 2017 in bester Kauflaune“.

Das hat seine Gründe in der Einkommenssituation und beim Arbeitsmarkt: So bilden die hohen Tarifabschlüsse der letzten Jahre die wichtigste Grundlage für eine weitere Verbesserung der Einkommenssituation der Verbraucher (Tarifverdienste 1. Quartal 2017: + 2,8 Prozent; 2. Quartal 2017: + 3,8 Prozent; 2016: + 2,0 Prozent; 2015: + 2,1 Prozent).

Arbeitsmarkt in glänzender Verfassung?

Die Lage am Arbeitsmarkt ist auch 2017 im Ganzen positiv. Die Arbeitslosenzahl lag im Oktober (30. Oktober 2017: 2.388.711 Arbeitslose; 5,4 Prozent; - 151.228 im Vergleich zum Vorjahr) sogar deutlich unter dem Niveau von vor über 25 Jahren (Juni 1991: 2.435.115 Arbeitslose). So sind Arbeitsplatz- und Einkommenssicherheit wichtige Grundlagen für fast durchgehend optimistische Verbrauchererwartungen und bilden zugleich eine Basis, um das Überschuldungsrisiko für die meisten Verbraucher gering zu halten. Die Beschäftigung wird auch 2018 weiter wachsen. So werden dann 650.000 und für 2019 rund 600.000 neue Stellen erwartet – nach 568.000 in diesem Jahr.

Aber auch in diesem Jahr bleibt festzuhalten, dass sich viele Indikatoren zur Einordnung des Überschuldungsrisikos nicht verbessert, sondern zum Teil verschlechtert haben: So ist die Zahl atypisch beschäftigter Personen nach Daten des Statistischen Bundesamtes auch 2016 bei insgesamt steigender Erwerbstätigkeit wieder angestiegen. Ein atypisches Beschäftigungsverhältnis liegt vor bei geringfügiger Beschäftigung, Arbeitnehmerüberlassung (Leiharbeit) sowie bei befristeter Beschäftigung oder Teilzeitbeschäftigung bis zu 20 Stunden in der Woche. Ihre Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um 121.000 Personen (+ 1,6 Prozent; 2015: + 28.000; + 0,4 Prozent) auf nunmehr 7,66 Millionen atypisch Beschäftigte. Dabei ging die Zahl Teilzeitbeschäftigter (um 37.000 auf 4,81 Millionen; - 0,8 Prozent) leicht zurück, während die Zahl befristet Beschäftigter merklich anstieg (+ 124.000 auf 2,66 Millionen; + 4,6 Prozent). Die Teilzeitquote der Erwerbstätigen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren, so das Statistische Bundesamt, „erreichte in Deutschland im Jahr 2015 mit 26,8 Prozent ihren bisherigen Höchststand. Damit liegt die deutsche Teilzeitquote weit über dem EU-28-Durchschnitt von 19,0 Prozent.

Mieten und Nebenkosten zu hoch

Zudem steigen bereits seit geraumer Zeit für die Verbraucher in Deutschland die Energiekosten, also Kosten für Strom und auch für Mobilität. Energieversorger haben im laufenden Jahr ihre Preise erhöht, so dass der Strompreis im Jahresmittel „ein neues Allzeithoch“ erreicht. Im Kontext deutlich ansteigender Mietkosten und Immobilienpreise müssen viele Menschen so viel Geld für ihre Miete bezahlen, dass sie an den Rand der Armutsgrenze gelangen. Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt auf, dass rund 40 Prozent der Haushalte in Deutschlands Großstädten mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens ausgeben müssen, um die Bruttokaltmiete bezahlen zu können. Das entspricht rund 5,6 Millionen Haushalten, in denen etwa 8,6 Millionen Menschen leben. Für etwa 1,3 Millionen Haushalte in deutschen Großstädten liegt das Resteinkommen nach Abzug der Miete sogar unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze.

Es gilt diese Probleme – prekäre Beschäftigung und steigende Kosten für die Lebenshaltung – zu sehen, will man verstehen, warum im Zeichen einer auch für Verbraucher boomenden Wirtschaft mancher in die Überschuldung gerät.

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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