Schuldscheine – attraktive Alternative

Schuldscheine sind ein klassisches Instrument, um einen hohen Kapitalbedarf fremd zu finanzieren. Die Zinsen bewegen sich momentan auf sehr niedrigem Niveau – entsprechend aktiv zeigt sich der Markt. Welche Entwicklungen sich abzeichnen.

Die Agentur Bloomberg zählte in diesem Jahr bereits mehr als 100 Unternehmen, die Schuldscheindarlehen aufgenommen haben. Darunter war beispielsweise der schwäbische Automobilzulieferer Elring Klinger, der insgesamt 200 Millionen Euro einsammeln konnte. Die Laufzeit der Finanzierung beträgt in drei Tranchen zwischen fünf und zehn Jahren, der Zinssatz liegt im Schnitt bei 1,23 Prozent per anno. Gezeichnet haben das Darlehen Geldinstitute aus dem In- und Ausland.

Begleitet wurde die Emission von der Landesbank Baden-Württemberg. „Mit dem Schuldscheindarlehen erweitern wir die Konzernfinanzierung – und zwar zu guten Konditionen. Der Erlös dient der Tilgung bestehender Verbindlichkeiten und schafft zudem finanziellen Handlungsspielraum für die strategische Weiterentwicklung des Konzerns“, erklärt Thomas Jessulat, Finanzvorstand von Elring Klinger. Eigentlich sollten ursprünglich nur 100 Millionen Euro so finanziert werden. Doch die Nachfrage vonseiten der Investoren war so groß, dass das Unternehmen seine Kapitalspritze gleich verdoppelte.

Investoren schwer aktiv

In der Tat: Banken, Versicherungen oder Versorgungswerke suchen derzeit nach attraktiven Investments. Schuldscheindarlehen bringen den Investoren mehr als Anleihen ein – und das bei einem kalkulierbaren Risiko.

Der Markt erlebt daher einen Boom. Nach Angaben der auf Unternehmensfinanzierung spezialisierten Beratungsgesellschaft Cap-marcon belief sich das ausstehende Schuldscheinvolumen Ende des ersten Quartals dieses Jahres auf rund 90 Milliarden Euro. Den Löwenanteil halten zwar die öffentliche Hand und die Bankenbranche. Doch auch zahlreiche Firmen entschieden sich für dieses traditionelle Finanzierungsinstrument.

Laut Capmarcon entfielen 40 Prozent der Neuemissionen auf Unternehmen, die das Mittel zum ersten Mal nutzten. Die Neulinge halten ein Viertel des Volumens. Nach Recherchen der

Ratingagentur Scope decken die Hälfte der Emissionen im ersten Halbjahr dieses Jahres ausländische Unternehmen ab. Sowohl aufseiten der Darlehensnehmer als auch aufseiten der Kapitalgeber ist das in Deutschland traditionelle Finanzierungsmittel derzeit offensichtlich von hohem Interesse.

Hohe Darlehenssummen

Hier die wichtigsten Eckdaten der Finanzierungsalternative: Sie beginnt bei einem Kreditbedarf von mindestens zehn Millionen Euro, wobei die meisten Unternehmen erst bei 20 oder 50 Millionen Euro in den Markt einsteigen. „Sie gewinnen damit mehr Unabhängigkeit von der eigenen Hausbank und erweitern den Kreis der Investoren“, sagt Sandra Pfister, Rechtsanwältin und Partnerin der Sozietät Bryan Cave in Hamburg. Schuldscheindarlehen werden den Kapitalmarktinstrumenten zugeordnet, haben als Fremdfinanzierung aber einen ähnlichen Bilanzcharakter wie Bankkredite. Sie lassen sich flexibel nach den eigenen Bedürfnissen sowie jenen der Investoren konzipieren, weil sie nicht an der Börse gehandelt werden und nicht als Wertpapier gelten. Die Platzierung ist daher für die Emittenten mit einem vergleichsweise geringen Aufwand verbunden. So gibt es beispielsweise keine Prospektpflicht. Schuldscheine lassen sich nicht elektronisch übertragen, sondern werden physisch getauscht.

Ein Grund, warum Anleger die Buy-and-Hold-Strategie fahren: Sie kaufen und wollen die Unternehmen bis zum Ende der Laufzeit unterstützen. Das setzt jedoch stets eine gute Bonität des Emittenten voraus. Ein externes Rating etwa der Creditreform Rating AG erweist sich für Emittenten als vorteilhaft, um den Kreis der Interessenten zu erweitern. Experten raten: Ein Investment Grade bis Triple B sollte die Firma auf jeden Fall aufweisen. Die vertraglichen Details, die mit jedem Kapitalgeber individuell ausgehandelt werden, orientieren sich dann mehr oder weniger am klassischen Kreditvertrag. Sie sind mit 15 bis 20 Seiten schlank gehalten und weitgehend standardisiert. Das betrifft beispielsweise die Klauseln zu den kreditmateriellen Vorgaben, zu den Kündigungsmodalitäten oder zu den Nebenpflichten, also den Covenants.

Ein weiterer Pluspunkt: Die ausgebenden Unternehmen haben gegenüber den Investoren auch nur wenige Verpflichtungen in puncto Dokumentation einzuhalten. Es genügt, ihnen regelmäßig die wichtigsten Kennzahlen zu nennen. Zudem müssen meistens keine Sicherheiten gestellt werden. „In bestimmten Fällen fordern die Investoren derzeit dennoch Garantien von der Muttergesellschaft oder von Tochtergesellschaften“, sagt Nadine Bourgeois. Die Rechtsanwältin der Kanzlei Norton Rose Fulbright in Frankfurt beobachtet zudem, dass in letzter Zeit verstärkt die Diskussion aufkommt, ob schlechtere Bonitäten nicht besichert werden sollten. „Doch diese Forderungen sind eher eine Ausnahme denn die Regel“, erklärt Bourgeois. 

Schuldscheine als Gütesiegel

Ausnahmen sind auch Änderungen am Finanzierungsvertrag. Diese können nämlich noch nachträglich verhandelt werden. Das war der Führungsspitze des Automobilzulieferers Elring Klinger klar, als sie im Juli 2017 ihren ersten Schuldschein platzierte. Finanzvorstand Jessulat macht sich darüber jedoch keine Sorgen: „Die positive Resonanz von Investorenseite ist für uns eher ein deutlicher Vertrauensbeweis in unser Geschäftsmodell.“

Die wichtigsten Fakten zum Schuldschein   

Schuldscheine dienen Unternehmen mit einem hohen Kapitalbedarf zur langfristigen Fremdfinanzierung. Welche Vor- und Nachteile das Instrument mit sich bringt und welche Unterschiede zum Bankkredit bestehen:

Die perfekte Mischung: Schuldscheine sind allgemein eher den Kapitalmarktprodukten zugeordnet. Es handelt sich dennoch um einen klassischen Kredit. Sie sind in der Regel unbesichert, die Parteien vereinbaren jedoch oft eine sogenannte Negativverpflichtung: Der Emittent darf keine Sicherheiten für andere Finanzierungen einsetzen.

Die Kosten: Es fällt eine Gebühr für die projektführende Bank an. Überdies wird ein fixer oder ein variabler Zinssatz über die gesamte Laufzeit (im Durchschnitt drei bis zehn Jahre) vereinbart. Die Höhe hängt auch wesentlich von der Bonität des Unternehmens ab.

Die Strategie: Die Verträge enthalten Finanzklauseln, etwa Vorgaben zur Eigenkapitalquote oder zum erlaubten Verschuldungsgrad. Verpasst das Unternehmen diese Benchmarks, können die Geldgeber kündigen oder alternativ einen Zinsanstieg fordern.

Quelle: Creditreform Magazin
Text: Eva Neuthinger

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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