Silicon Valley in Deutschland - gibt es das?

Hightech-Gründungen sind der Treiber des digitalen Fortschritts. Politik und Wirtschaft beobachten geradezu eifersüchtig das Geschehen im Silicon Valley und hoffen, eine ähnlich erfolgreiche Region auch in Deutschland etablieren zu können. Entscheidend ist es nun, zu prüfen, ob die Zahlen zum Gründungsgeschehen eine solche Erfolgsstory auch hier zu Lande erlauben. Zwar ist bekannt, dass die Gründungszahlen von Unternehmen in Deutschland seit einigen Jahren rückläufig sind – das erlaubt aber noch nicht den Schluss, dass sich auch bei den Startups nichts tut. Die Creditreform Wirtschaftsforschung hat zusammen mit dem ZEW herausgearbeitet, wo die regionalen „Silicon Valleys“ in Deutschland liegen. Diese Ansiedlungen könnten Vorbild für andere Regionen sein.

Hightech oder nicht Hightech?

Was aber ist zunächst unter Hightech-Unternehmen zu verstehen? Die von Creditreform erfassten echten Neugründungen werden nach verschiedenen Branchenabgrenzungen in Wirtschaftsbereiche unterteilt. Um insbesondere die Entwicklung der Gründungstätigkeit in forschungsintensiven und innovativen Wirtschaftszweigen zu untersuchen, werden zusätzliche Sektorenabgrenzungen ausgewiesen. Die Abgrenzung des Hightech-Sektors beruht dabei auf den Wirtschaftszweigen der Spitzentechnologie (STW) und hochwertigen Technik (HTW), die als forschungsintensive Industrie zusammengefasst sind, sowie den technologieorientierten Dienstleistungen (TDL). Gemeint sind hierbei u. a. Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen auf einer technologischen Innovation oder neuen Forschungsergebnissen basieren bzw. bestimmte technische Kenntnisse und Erfahrungen voraussetzen. Gründungen von technologieorientierten und forschungsintensiven Unternehmen erfordern typischerweise umfangreiche technische Entwicklungsvorarbeiten. Produkt- und Prozessinnovationen als Ergebnis von Forschung und Entwicklung (F&E) sind ein wesentliches Unterscheidungskriterium zu den anderen Wirtschaftsbereichen. Als Abgrenzung der forschungsintensiven Industrie dient der Grad der F&E-Intensität (= F&E-Aufwendungen/Umsatz), der mindestens 3,5 Prozent betragen muss.

Und wo sind die meisten Gründer zu finden? Zahlenmäßig die meisten Gründungen von Hightech-Unternehmen gab es in Berlin (5.265), gefolgt von München (3.101). Viel wichtiger erscheint aber die relative Gründungszahl der Startups: Die regionale Gründungsaktivität in den Hightech-Branchen wird gemessen am prozentualen Anteil des Sektors am gesamten Gründungsgeschehen in dieser Region.

Wissenschaft und Gründer-Spirit machen den Unterschied

Die Städte Jena, Karlsruhe und Darmstadt sind Deutschlands Hochburgen für Hightech-Gründungen. In dem Fünfjahreszeitraum 2012 bis 2016 lag der Anteil von Hightech-Unternehmen an allen Gründungen in dieser Zeitspanne in Jena bei 16,3 Prozent, in Karlsruhe bei 13,4 Prozent und in Darmstadt bei 13,3 Prozent. Das ergab eine Analyse aller gut 400 kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland durch die Creditreform Wirtschaftsforschung. Hier aber noch die absoluten Zahlen für die erfolgreichsten Regionen: So wurden im Betrachtungszeitraum 2012 bis 2016 in Jena 129 Gründungen in Hightech-Branchen registriert, in Karlsruhe 495 und in Darmstadt 239.

Die obersten Plätze im Ranking haben etwas gemeinsam: Gute Bedingungen für Hightech-Gründungen gibt es in Städten mit einschlägigen Hochschulen und wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, einem wachsenden Potenzial an Erwerbspersonen und bereits bestehenden Branchenclustern. Unter den kreisfreien Städten und Landkreisen mit dem höchsten Anteil an Hightech-Gründungen befinden sich entsprechend auch Städte wie Dresden, München und Stuttgart. Am geringsten war der Anteil von Hightech-Gründungen in ländlichen Regionen, wie im Kyffhäuserkreis (1,8 Prozent), in der Stadt Frankenthal/Pfalz (2,2 Prozent) und im Landkreis Bernkastell-Wittlich (2,8 Prozent).

Fortschritt ist immer möglich

Bei der Gegenüberstellung der schwächsten und stärksten Kreise wird aber auch deutlich zu machen sein, dass zwar gründungsschwache bzw. gründungsstarke Regionen häufig auch längerfristig in diesem Zustand verbleiben, gleichwohl das Gründungsgeschehen in einer Region nicht starr und unveränderlich ist, sondern Entwicklungen unterliegt und somit Gestaltungsspielraum für die Wirtschaftspolitik bietet. So erhöhte sich der Anteil der Hightech-Gründungen im Vergleich zum Fünfjahreszeitraum 2007 bis 2011 in der Stadt Kaufbeuren deutlich von 5,3 auf 11,2 Prozent. Wesentlich mehr Hightech im Gründungsgeschehen als noch in der Vorperiode war auch in der Stadt Schwabach (plus 4,4 Prozentpunkte) sowie im Landkreis Deggendorf (plus 4,2 Prozentpunkte) festzustellen. Zu den „Absteigern“ zählen hingegen der Kyffhäuserkreis und der Odenwaldkreis sowie die Städte Amberg und Frankenthal (Pfalz), wo sich die Hightech-Gründungsquote weiter verringerte.

Bei aller Aufmerksamkeit, die der regionalen Gründungsförderung gebührt, gilt es doch den Blick für das Geschehen in Deutschland insgesamt nicht zu verlieren. Deutschlandweit wurden allein im Jahr 2016 11.311 Hightech-Unternehmen gegründet. Im Vergleich zum Vorjahr (2015: 11.625) verringerte sich die Zahl der Hightech-Gründungen leicht. Hightech-Unternehmen hatten im Jahr 2016 einen Anteil von 7,1 Prozent an allen wirtschaftsaktiven Unternehmensgründungen in Deutschland (159.321). Die meisten Hightech-Gründungen gab es in Deutschland im Jahr 2000 (21.719), kurz vor dem Platzen der sogenannten „Internetblase“. Der Anteil von Hightech-Unternehmen am gesamten Gründungsgeschehen erreichte damals 8,5 Prozent.

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