Staatliche Restrukturierungsbeihilfen bewahren Unternehmen vor Insolvenz

Die Frage stellt sich immer wieder, seit es Insolvenzen gibt: Ist es besser, ein rasches Ende zu finden, das Unternehmen zu liquidieren, weil es wohl offensichtlich nicht marktgerecht war? Oder ist der Erhalt von Arbeitsplätzen, von Know-how und Assets es wert, jede Hilfe zu versuchen, um den Erhalt des Betriebes zu erreichen? In einer Studie im Auftrag der Europäischen Kommission ist das ZEW der Frage nachgegangen, ob staatliche Restrukturierungsbeihilfen ein effektives Instrument zur Rettung von Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten sind. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Gewährung solcher staatlicher Beihilfen unter bestimmten Bedingungen einen deutlichen und signifikanten Überlebensvorteil für die geförderten Unternehmen liefert und wesentlich zu ihrer finanziellen Gesundung beiträgt.

Verschiedene Studien haben etwa die Existenz eines sogenannten „Wasteful Spending“ aufgezeigt, also eine verschwenderische Zurverfügungstellung von Geldern für Unternehmen aus politischen Motiven heraus. Um die negativen Effekte staatlicher Restrukturierungsbeihilfen einzudämmen, müssen diese zunächst von der EU-Kommission genehmigt werden. Voraussetzung dafür ist, dass Unternehmen, die Beihilfe beziehen, ohne diese Mittel nicht überlebensfähig wären. Die Unternehmen sollen sich jedoch gleichzeitig in einer Situation befinden, in der die Gewährung der Restrukturierungsbeihilfe mit großer Wahrscheinlichkeit zur Rettung führt. Die ZEW-Studie untersucht nun, ob die Gewährung von Restrukturierungsbeihilfen einen deutlichen und statistisch signifikanten Überlebensvorteil für die geförderten Unternehmen liefert und zu deren finanzieller Gesundung beiträgt. Hierzu wurden jedem Unternehmen, dessen Antrag auf Restrukturierungsbeihilfe genehmigt wurde, mittels eines Matching-Verfahrens ein Unternehmen zugewiesen, das keine Beihilfen erhalten hat, aber ansonsten sehr ähnliche Charakteristiken aufweist. So mussten diese „Nächsten Nachbarn“ in der gleichen Industrie tätig sein, eine ähnliche Größe aufweisen und sich in einer vergleichbaren finanziellen Situation befinden. Dann wurde betrachtet, wie sich die geförderten Unternehmen im Vergleich zu den „Nächsten Nachbarn“ über die Zeit entwickeln. Analysiert wurden 56 Beihilfefälle in der EU von 2003 bis 2012.

Restrukturierungsprogramme wirken längerfristig

Das ZEW zeigt, dass die Gewährung von Restrukturierungsbeihilfen das Überleben der Unternehmen signifikant erhöht. Während die geförderten Unternehmen eine prognostizierte Überlebenszeit von 19 bis 29 Jahren aufwiesen, je nach Definition von Überleben (bis zur Insolvenz oder Marktaustritt), so war die Prognose für die „Nächsten Nachbarn“ mit elf bis 14 Jahren nur etwa halb so hoch. Die Restrukturierungsmaßnahmen führen demnach zu einer um durchschnittlich acht bis 15 Jahre längeren Überlebenszeit.

Ähnliche Ergebnisse wurden mit Blick auf die Wahrscheinlichkeit der finanziellen Gesundung erzielt. Hierbei wurde jedoch deutlich, dass sich der Erfolg von Restrukturierungsmaßnahmen nicht sofort einstellt, sondern die Maßnahmen erst in der längeren Frist greifen. So standen sechs Jahre nach Beginn der Restrukturierungsmaßnahme 45 bis 47 Prozent der geförderten Unternehmen finanziell wieder auf gesunden Beinen, jedoch nur 26 bis 31 Prozent der nichtgeförderten Unternehmen. Gleichzeitig mussten 40 bis 52 Prozent der nichtgeförderten Unternehmen den Markt verlassen, jedoch nur 26 bis 31 Prozent der geförderten Unternehmen. Statistisch signifikante Unterschiede in der Überlebenswahrscheinlichkeit der Unternehmen und deren finanzieller Gesundung konnten drei Jahre nach Gewährung der Restrukturierungsmaßnahme noch nicht aufgezeigt werden.

Restrukturierungsbeihilfen – beispielweise in Form von staatlichen Darlehen – werden als wirksames Mittel eingeschätzt, um in finanzielle Nöte geratene Unternehmen vor einem Marktaustritt zu bewahren und so Arbeitsplätze und Know-how zu erhalten. Jedoch sollte der Erfolg von Programmen zur Restrukturierung nur hinsichtlich ihrer langfristigen Wirkung beurteilt werden. Auf der anderen Seite sind mit staatlichen Restrukturierungsbeihilfen auch Gefahren verbunden.

Die Studie in englischer Sprache findet sich zum Download unter: www.zew.de/publikation8384
Dr. Sven Heim, heim@zew.de
Prof. Dr. Kai Hüschelrath, hueschelrath@zew.de

Quelle: ZEW

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