Städter haben es schwerer

Verschuldung und Überschuldung sind regional unterschiedlich ausgeprägt. Der aktuelle Schuldneratlas, den die Creditreform Gruppe im November veröffentlichte, arbeitete dies für Verbraucher heraus. Auch die Insolvenzneigung der Unternehmen zeigt in Deutschlands Städten eine ebenso unterschiedliche Stärke wie die Schuldenhöhe der Gemeinden selbst. Es gilt aber immer, die prekäre Situation von Verbrauchern, Unternehmen und Städten, in Bezug zu anderen Größen zu setzen, um den Grad der Betroffenheit zu bemessen. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat eine solche Relation für Deutschlands Regionen, Stadt und Land, hergestellt. 

Die leitende Frage lautet: Welchen Einfluss hat das unterschiedliche Preisniveau in den Städten und Kreisen auf die Schwellenwerte für Einkommensarmut? Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung, gilt in Deutschland als arm. Das sind 15,4 Prozent der Bevölkerung. Um aber wirklich beurteilen zu können, wie verbreitet Armut in Deutschland ist, muss man jedoch wissen, was die Menschen sich von ihrem Einkommen leisten können. Das wiederum ist eine Frage der Kaufkraft und damit des Preisniveaus, die höchst unterschiedlich ausgeprägt sind. Das Institut schreibt: „Um die unterschiedlichen Preisniveaus in den Städten und Kreisen bereinigt – (wird) aus Einkommensarmut damit Kaufkraftarmut. Das regionale Armutsmuster verändert sich durch diese Neuberechnung erheblich.“

Zentren stärker betroffen

Dabei zeigen die „Großräume“, nämlich Ost- und Westdeutschland, sowie Stadt und Land, die ersten Unterschiede. Zum Ost-West-Vergleich schreibt das Kölner Forschungsinstitut: „ Als einkommensarm gelten gut 19 Prozent der Ost-, aber nur etwas mehr als 14 Prozent der Westdeutschen. Allerdings ist das Preisniveau in den ostdeutschen Bundesländern um gut 5 Prozent niedriger als im Westen. Die Folge: Das Ost-West-Gefälle schrumpft durch die Preisbereinigung – knapp 15 Prozent kaufkraftarmen Bürgern im Westen stehen weniger als 17 Prozent im Osten gegenüber“. Und zum Stadt-Land-Vergleich: „ Ohne Berücksichtigung der unterschiedlichen Preisniveaus liegt die Armutsquote in den Städten durchschnittlich bei 19 Prozent und auf dem Land bei rund 15 Prozent. Aufgrund der höheren Lebenshaltungskosten sind in den Metropolen aber gut 21 Prozent der Einwohner kaufkraftarm – auf dem Land beträgt der Anteil dagegen weniger als 14 Prozent“.

Ost und West nähern sich an

Dieser Befund zeigt auch der Creditreform Schuldneratlas. Für die aktuelle Entwicklung lässt sich festhalten: Die Überschuldung in Ostdeutschland nimmt langsamer zu als in Westdeutschland. Der Anstieg der ostdeutschen Überschuldungsquote ist zwar stärker ausgeprägt, aber auch durch demografische Abwanderungseffekte erklärbar. Hierbei zeigte sich, dass „sich einerseits die Konsummuster der Verbraucher in Ost und West (besonders bei jungen Verbrauchern und in urbanen Räumen) annähern. Andererseits unterscheiden sich die Problemlösungsmuster zwischen Ost und West, da im Osten Deutschlands, insbesondere ältere Menschen im ländlichen Raum, gezielt Konsumverzicht zum Schuldenabbau und zur Überschuldungsprävention einsetzen.“ (SchuldnerAtlas Deutschland 2015) Zudem zeigt sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, dass die durchschnittliche Schuldenhöhe von überschuldeten Personen in den östlichen Bundesländern (25.700 Euro) deutlich unter dem Niveau im Westen Deutschlands (36.600 Euro) liegt. Eine vergleichbare Differenz der Schuldenhöhe zeigt sich beim Vergleich von ländlichen Räumen (24.900 Euro) und von Großstädten (34.800 Euro).

Und auch die Städte und Kreise wie sie IW und Creditreform ausweisen überschneien sich in einigen Fällen:

Regionale Armut: Gefälle zwischen Stadt und Land

So viel Prozent der jeweiligen Bevölkerung hatten 2014 weniger als 60 Prozent des regional preisbereinigten Medianeinkommens zur Verfügung – galten also als kaufkraftarm

Die Flop 5

Bremerhaven 28,5
Gelsenkirchen 28,4
Köln 26,2
Duisburg 24,1
Bremen 24

Die Top 5

Landkreise Bodenseekreis, Sigmaringen, Ravensburg 8,6
Landkreise Erlangen-Höchstadt, Fürth, Nürnberger Land, Roth 8,8
Landau in der Pfalz, Landkreise Südliche Weinstraße, Germersheim 9
Landshut, Landkreise Landshut, Kelheim, Rottal-Inn, Dingolfing-Landau 9,2
Weiden in der Oberpfalz, Amberg, Landkreise Neustadt an der Waldnaab, Tirschenreuth, Amberg-Sulzbach, Schwandorf 9,6

Regionale Überschuldung zeigt vergleichbares Bild

Zehn Landkreise, angeführt von Eichstätt (3,79 Prozent; + 0,05 Punkte), Erlangen-Höchstadt (4,93 Prozent; + 0,12 Punkte) und Schweinfurt (5,06 Prozent; + 0,03 Punkte) führen das Ranking mit Überschuldungsquoten von deutlich unter sechs Prozent an – allerdings weisen alle Erstplatzierten zum Teil merkliche Anstiege der Überschuldungsquoten auf. Schlusslichter des Rankings bilden die Städte Bremerhaven (20,80 Prozent; - 0,02 Punkte), Pirmasens (18,38 Prozent; - 0,05 Punkte) und Wuppertal (18,08 Prozent; + 0,11 Punkte) mit Überschuldungsquoten, die zum Teil deutlich über 18 Prozent liegen.

Anzumerken ist noch, dass die IW Zahlen ihre Basis in Erhebungen aus 2014 haben, während die Zahlen von Creditreform aus 2016 stammen.

Quelle: IW Informationen 36/16

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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