Tschechien: Aufwärts mit großen Schritten

Kaum ein anderes Land in Europa weist derzeit ähnlich hohe Wachstumsraten auf wie Tschechien. Das eröffnet auch Creditreform große Chancen. Aber die Unternehmen dort sind es noch nicht gewohnt, Informationsdienstleister zu beauftragen. Viel lieber lassen sie eigene Mitarbeiter Daten über Geschäftspartner recherchieren.

Die Konjunkturexperten sind sich nicht ganz einig: Die einen erwarten, dass die tschechische Wirtschaft in diesem Jahr um knapp 2,5 Prozent zulegen wird. Die anderen, darunter auch die Nationalbank des Landes, prognostizieren gar ein Plus von gut 3,5 Prozent. Doch der Trend ist eindeutig: Tschechien ist auf einem klaren Wachstumskurs.

Endlich wieder. Zwischen 2009 und 2013 war die Wirtschaft des osteuropäischen Landes empfindlich geschrumpft – als Folge der schwachen ausländischen Nachfrage. Als wichtiger Exporteur von Fahrzeugteilen und Maschinen sind die heimischen Unternehmen sehr stark davon abhängig, wie viel die Haupthandelspartner Deutschland, Slowakei, Polen, Frankreich und Österreich ordern. Und deren Bestellungen fielen eine Zeit lang sehr viel kleiner aus als erhofft. Nahezu ein Drittel seines Außenhandels wickelt Tschechien mit Deutschland ab. Auf Märkten außerhalb der EU (vor allem China und Indien) ist das Land derzeit noch nicht sonderlich präsent.

Nachdem sich aber die Situation in der Eurozone gebessert hat, florieren auch die Geschäfte vieler Unternehmen in Tschechien wieder. Unterstützung kommt insbesondere vom privaten Konsum: Seit der Staat seine Sparmaßnahmen gelockert hat, die Arbeitslosigkeit deutlich zurückgeht und auch die Löhne steigen, hat sich die Stimmung bei den Verbrauchern merklich gebessert.

Insolvenzrisiken stark gesunken

Die Konjunkturerholung hat positive Folgen für die Entwicklung der Insolvenzen. Immer weniger Unternehmen geraten in wirtschaftliche Schieflagen. Im vergangenen Jahr betrug das Minus (gegenüber 2013) gut 40 Prozent. Kein anderes Land in Europa hatte 2014 einen ähnlich starken Rückgang zu verzeichnen. Und Cyril Mores, Geschäftsführer der Creditreform Landesgesellschaft Tschechien, ist überzeugt, dass 2015 noch einmal deutlich weniger Firmen aufgeben müssen. „Schwierig bleibt allenfalls die Situation für die unter starkem Preisdruck leidende Bauwirtschaft sowie für den Handel“, meint er.

Für einen Anbieter von Wirtschaftsinformationen wie Creditreform ist das ein herausforderndes Umfeld. Denn bei tschechischen Unternehmen ist das Bewusstsein für die Bedeutung von Auskünften für das eigene Risikomanagement bei weitem nicht so ausgeprägt wie in Deutschland. Vor allem bei vermeintlich kleinen Risiken, so beobachtet Mores, vertrauen viele Firmen darauf, dass schon alles gut gehen wird – ohne sich vorab gründlich über ihre Geschäftspartner zu informieren. Oder sie begnügen sich damit, im Internet einige kostenlos verfügbare Daten zu recherchieren. Davon gibt es eine Menge, beispielsweise in dem stets sehr aktuellen Insolvenzregister.

Bei anspruchsvolleren Geschäften möchten die meisten Firmen zwar gerne mehr über ihren Vertragspartner wissen. Aber sie sind Mores zufolge nicht bereit, angemessen für solche Informationen zu bezahlen. „Deshalb wird der Wettbewerb der Auskunfteien in Tschechien vor allem über den Preis ausgetragen“, sagt der Creditreform-Geschäftsführer. Erschwerend komme hinzu, dass manche Unternehmen Vorbehalte gegenüber Informationsdienstleistern haben. „Sie lassen in vielen Fällen lieber ihre eigenen Mitarbeiter Daten recherchieren, als einen professionellen Anbieter einzuschalten.“ Diese selbst erhobenen Informationen hätten aber bei weitem nicht die Qualität von Creditreform-Auskünften. Sie stammten vornehmlich aus offiziellen, frei zugänglichen Datenbanken. „Wir dagegen zapfen auch andere Quellen an, recherchieren bei den betreffenden Unternehmen selbst und bereiten die Informationen dann entsprechend den Anforderungen des Kunden auf. Somit sind unsere Auskünfte für Geschäftspartner sehr viel wertvoller“, betont Mores. Diese Tatsache möglichen Kunden zu vermitteln, sei jedoch schwierig und erfordere viel Geduld.

Inkassoservices sind gefragt

In Tschechien bietet Creditreform mit aktuell 25 Mitarbeitern im Wesentlichen die gleiche Produktpalette an wie in Deutschland. Neben der Kurz- und der Kompaktauskunft sind das die Wirtschafts- und die Premiumauskunft sowie das Monitoring von Firmen. An dieser kontinuierlichen Beobachtung von Geschäftspartnern seien Unternehmen in Tschechien besonders interessiert, sagt der Chef der Landesgesellschaft. Er kann gut vergleichen zwischen den Verhältnissen in Deutschland und seinem Heimatland: 1994 hatte Mores gleich nach dem Abitur bei Creditreform in Coburg angefangen und war dann drei Jahre später in das Büro nach Prag gewechselt. Auch Inkassodienste bietet Creditreform in Tschechien an – allerdings fast ausschließlich im Bereich B2B. Auch dieses Business ist hart umkämpft. Viele Mitbewerber haben zuletzt vor allem im Konsumenteninkasso Umsätze verloren. Creditreform dagegen hat sein Niveau gehalten, weil das B2B-Geschäft sehr viel stabiler ist. Inkasso steuert Mores zufolge ein gutes Viertel zum Gesamtumsatz der Landesgesellschaft bei. Er will nicht ausschließen, dass Creditreform Tschechien irgendwann auch wieder Konsumenteninkasso anbieten wird. „Die Infrastruktur dafür besitzen wir.“

Ausbauen möchte die Landesgesellschaft in den nächsten Jahren vor allem das Geschäft mit internationalen Großkunden. Gute Perspektiven sieht Mores auch im Mentoring, das deutlich weiterentwickelt werden soll. Wenn das alles gelingt, wird Creditreform im Branchenranking weiter klettern. Aktuell belegt die Gesellschaft im Geschäft mit Auskünften den dritten oder vierten Rang. Unter den Inkassodienstleistern sieht sie sich an Position neun.

Autor: Stefan Weber

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

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