Umlaufvermögen: So bleiben Sie flüssig

Einkaufsfinanzierungen laufen oft über kurzfristige Kredite – nicht immer die günstigste Lösung. Welche Modelle sich für die Finanzierung des Umlaufvermögens alternativ anbieten.

Ungenehmigte Überziehungen des Kontokorrents – selbst wenn sie nur einmal vorkommen – wirken sich negativ aufs Bankenrating aus. Da kennen die Kreditinstitute kein Pardon. Mehr als jeder zweite mittelständische Unternehmer überschreitet Studien zufolge aber seine Linie, um sein Umlaufvermögen zu finanzieren. Dabei gibt es noch andere Möglichkeiten – mit dem besonderen Charme, dass sie die Liquidität des Betriebs schonen und die Bilanz entlasten.

Dieter Könemann, Geschäftsführer der ZTK Erlebniswelt Motorrad GmbH im niedersächsischen Schneverdingen, hat sich für das Modell des Finetrading entschieden. Das funktioniert bei ihm so: Der Handelsunternehmer finanzierte bisher seinen Einkauf aus seinem freien Cashflow, mit Bankkrediten oder den Finanzierungsprogrammen der Hersteller. „Das belastete unsere Liquidität und die Kreditlinie“, nennt der Unternehmer die Nachteile.

„Wir profitieren von Skonto, 120-tägiger Zahlpause und sofortiger Liquidität.“ Dieter Könemann, ZTK Erlebniswelt Motorrad


Seit rund vier Jahren agiert die WCF Finetrading GmbH, eine Gesellschaft des Otto-Konzerns, für den Einkauf der ZTK Erlebniswelt als Zwischenhändler. Könemann bestellt, WCF bezahlt zeitnah die Rechnung seiner Lieferanten und gewährt dem Unternehmer ein langes Zahlungsziel. „Wir kommen in den Genuss von Skonto, einer 120-tägigen Zahlpause und sofortiger Liquidität. Wir können unsere Bilanzposition ‚Lager’ outsourcen und unser Umlaufvermögen so optimieren“, sagt Könemann.

Wie Finetrading funktioniert

Dieses Liquiditätsmodell eröffnet ihm Spielräume beim Einkauf: „So kann es sich anbieten, mit hohem Rabatt Waren einzukaufen, auf Lager zu halten und erst dann die Rechnungen zu begleichen, wenn die Produkte verkauft sind“, erklärt Clemens Wagner, Direktor Beratung bei WCF. Infrage kommt diese Alternative zur klassischen Bankfinanzierung bei einem Limitbedarf von rund 250.000 Euro im Jahr – einige Finetrader beginnen schon bei 20.000 Euro. WCF arbeitet in der Regel mit Unternehmern zusammen, die einen Jahresumsatz von zwei Millionen Euro und mehr erwirtschaften. „Wir geben abhängig von der Bonität der Firma ein Limit frei, das sich bis zu 15 Millionen Euro bewegt“, spezifiziert Wagner.

Abgesichert wird der Deal mit einer klassischen Warenkreditversicherung. „Das ist Voraussetzung dafür, dass wir einsteigen“, so Wagner. Im Prinzip kann jede Firma, die handelsübliche Waren einkauft, Finetrading nutzen. „Im besten Fall bieten wir es kostenneutral für den Unternehmer an“, sagt Wagner. WCF setzt in der Regel eine Einrichtungsgebühr von einem Prozent auf das jeweilige Limit im Jahr an. Darüber hinaus zahlt der Unternehmer, wenn er sein Kontingent ausschöpft – abhängig von der Bonität beträgt die Marge zwischen 0,7 und 1,5 Prozent jährlich. „Da die Firmen aber durch unsere Zwischenschaltung Rabatte realisieren und die Rechnungen mit Skonto bezahlt werden, kommt unterm Strich oft ein Plus heraus“, rechnet Wagner vor.

Teile des Lagers verpfänden

Ein solches Konzept lässt sich auch auf die sogenannten Finetrading-Konsignationslager anwenden: Der Lieferant sendet die Bestellung in das Lager beim Kunden und verkauft die Ware gleich an den Finetrader. Letzterer bezahlt zeitnah die Rechnung, der Abnehmer dann erst später, wenn er die Waren entnimmt. Diese Variante wird ab einem Mindestlagerbestand von 250.000 Euro angeboten.

Banken oder ihre Tochtergesellschaften setzen dagegen auf Modelle, bei denen der Unternehmer Teile seines Lagers verpfändet oder veräußert. Alle sind mehr oder weniger spezielle Formen eines Betriebsmittelkredits. Beispiel: Die Sparkassen bieten in Kooperation mit der Deutschen Anlagen-Leasing (DAL), einer Tochtergesellschaft der Sparkassen-Finanzgruppe, das Financial Warehousing. Der Unternehmer übereignet einen Teil seines Vorratsvermögens an eine Lagerhandelsgesellschaft. Im Gegenzug erhält der Firmenchef auf einen Schlag den Wert des verkauften Lagers – also viel Liquidität. „Wie viel der Unternehmer für sein Vorratsvermögen erhält, richtet sich nach der Bewertung in der aktuellen Bilanz beziehungsweise nach den aktuellen Marktpreisen“, erklärt Kai Eberhard von der DAL.

Mindestvolumen beachten

Im Tagesgeschäft ändert sich hier nichts. Die Unternehmen verfügen weiter über die Bestände. Die Finanzierung läuft in der Regel über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren – mit der Option auf Verlängerung. Für die Kapitalleistung fallen Zinsen an – abhängig vom Marktniveau und von der Bonität des Unternehmens – sowie eine Managementgebühr. Das Financial Warehousing der DAL beginnt bei rund fünf Millionen Euro übernommenem Lagerwert. Wesentlicher Vorteil: Durch eine solche Struktur wird der Teil des Vermögens, den die Firma langfristig hält, auch fristenkongruent finanziert. Gleichzeitig wird das in der Umlaufvermögensfinanzierung gebundene Eigenkapital herausgelöst – ein Vorteil auch für Folgefinanzierungen.

Die Landhandels GmbH Glesien, ein Spezialist für Agrarprodukte, hat sich dafür entschieden: Das Unternehmen hält Lagerbestände in Höhe von bis zu 13 Millionen Euro. Der Vertrag mit der DAL läuft zunächst über fünf Jahre. Zum Vertragsende kann die Firma ihre Bestände entweder zurückkaufen oder verlängern. „Für uns ist diese Finanzierungslösung perfekt. Wir erhalten nicht nur eine solide Planungssicherheit, sondern können das freigesetzte Kapital für weiteres Wachstum und Qualitätssicherung nutzen“, so Geschäftsführer Silvio Holschowsky.

Zwei interessante Modelle, die allerdings ein gewisses Mindestvolumen erfordern – und sich deshalb nicht für kleinere mittelständische Betriebe eignen. Für diese wird es bei Finanzierung ihres Umlaufvermögens darauf ankommen, aus eigener Kraft die Liquidität zu optimieren – mit dem Ziel, die Fremdfinanzierung zurückzufahren.

Den Einkauf aus eigener Kraft stemmen

Die Einkaufsfinanzierung aus eigenen Mitteln ist die Kür, Kreditfinanzierungen sind die Regel. So optimieren Unternehmer ihre Zahlungsströme:

Liquiditätsplanung erstellen. Sie sollte für mindestens ein Jahr vorliegen, um Einnahmen und Ausgaben im Blick zu behalten – wichtig, um nicht in die Überziehung zu rutschen.

Skonto ziehen. Ziel sollte es sein, immer mit Skonto zu bezahlen. Der Lieferantenkredit ist die teuerste Form der Finanzierung. Im Idealfall vereinbart der Unternehmer mit seinen Kunden kurze Zahlungsfristen, mit den eigenen Lieferanten dagegen lange.

Forderungsmanagement. Wenn Kunden nicht zahlen, sollten sie zeitnah eine Mahnung erhalten. Gegebenenfalls wird eine Ratenzahlung vereinbart. Wie professionelles Forderungsmanagement mit Creditreform in der Praxis funktioniert, erfahren Sie hier.

Anzahlungen und Vorkasse. Dies sind ideale Instrumente, um sich für den Einkauf Luft zu verschaffen. Seit der Eurokrise hat sich das in vielen Branchen etabliert.

Lagerhaltung. Hier ist weniger mehr: Es sollte – selbst bei der günstigsten Finanzierung – nur so viel vorgehalten halten, wie kurzfristig gebraucht wird. Von hohen Rabatten sollten sich Unternehmer nicht blenden lassen – falls die Ware am Ende wie Blei auf Lager liegt.


Text: Eva Neuthinger
Quelle: Creditreform-Magazin

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