Verbraucher als Unternehmer

Selbstständigkeit und Unternehmertum als Ursache für Privatinsolvenz

Sind die Vermögensverhältnisse bei kleinen Selbständigen nicht überschaubar, wozu von den Gerichten etwa die Zahl der Gläubiger oder das Abstellen auf Beschäftigungsverhältnisse herangezogen werden, so kommt es zu einem (unternehmerischen) Regelinsolvenzverfahren. Somit können auch Verbraucherinsolvenzen einen unternehmerischen Hintergrund aufweisen, deren Analyse gesamtökonomisch interessant sein kann. Im Zuge des Trends zu einer immer stärkeren Betroffenheit kleiner Unternehmen am aktuellen Gesamtinsolvenzaufkommen ist dieser Bereich durch die Creditreform Wirtschaftsforschung näher untersucht worden.

Bei 6,6 Prozent der im Zeitraum 2013-2016 eröffneten Verbraucherinsolvenzen war die betroffene Person bei einem Unternehmen beteiligt, beispielsweise als Inhaber, Gesellschafter oder Geschäftsführer. So ist zu vermuten, dass die Privatinsolvenz ihren Hintergrund auch in der unternehmerischen Tätigkeit hatte, beispielsweise wenn die Selbstständigkeit scheiterte oder das Unternehmen selbst Insolvenz anmelden musste. Im Zeitablauf ist die Quote der Privatinsolvenzen mit einem solchen unternehmerischen Hintergrund stabil. 

Insolvente Privatpersonen mit einer Unternehmensbeteiligung zeigen einige Unterschiede gegenüber sonstigen Verbraucherinsolvenzen. So haben erstere einen deutlich höheren Männeranteil. Knapp drei Viertel der Betroffenen (72,3 Prozent) sind männlich, gegenüber 54,5 Prozent bei Privatinsolvenzen ohne Unternehmensbeteiligung. Dieser Befund deckt sich mit der generell höheren Männerquote bei Unternehmern und Selbstständigen. Bei den Männern haben demnach 8,5 Prozent der Privatinsolvenzen einen Bezug zu einer unternehmerischen Tätigkeit gegenüber 4,1 Prozent bei Frauen.

Altersstruktur der Personen

Insolvente Privatpersonen sind durchschnittlich älter, wenn sie bei einem Unternehmen beteiligt sind/waren. Etwa jede dritte Person ist zwischen 40 und 49 Jahre (30,0 Prozent) bzw. zwischen 50 und 59 Jahre (29,9 Prozent) alt, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Die entsprechenden Prozentanteile bei den Verbraucherinsolvenzverfahren ohne Unternehmensbeteiligung liegen bei 26,8 bzw. 20,1 Prozent und damit niedriger. Über den Betrachtungszeitraum hinweg lag das Durchschnittsalter bei 48,2 Jahren mit bzw. 42,9 Jahren ohne eine gewerbliche Tätigkeit. Im Zeitablauf ist bei ersterer Gruppe ein leicht steigendes Durchschnittsalter festzustellen.

Im Alter noch Unternehmer?

 Am höchsten ist der Anteil der Verbraucherverfahren, bei denen eine Unternehmensbeteiligung im Spiel war, allerdings in den Altersgruppe 60 bis 69 Jahre bzw. 70 Jahre und älter, wo rund jede zehnte Privatinsolvenz (10,0 bzw. 10,7 Prozent) mit einer unternehmerischen Tätigkeit in Verbindung stand.

Die regionalen Unterschiede sind dagegen vergleichsweise gering. In den westlichen Bundesländern ist lediglich ein minimal höherer Anteil der Verbraucherverfahren mit Unternehmensbeteiligung festzustellen. Am höchsten ist der Anteil in Hessen (8,0 Prozent), am niedrigsten im Saarland (4,6 Prozent). In Ostdeutschland reicht die Spannweite von 7,3 Prozent in Sachsen-Anhalt bis 5,6 Prozent in Brandenburg, die damit etwas geringer ist als im Westen.

Im Zusammenhang mit der Altersstruktur mittelständischer Unternehmen in Deutschland wird oft auf die Probleme verwiesen, die eine Überalterung der Unternehmenslandschaft für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland hat. Die Struktur der „unternehmerischen Privatinsolvenz“ fügt diesen Sorgen eine weitere Facette hinzu.

© 2018 Verband der Vereine Creditreform e.V.

Sollte dieses Formular nicht richtig dargestellt werden, klicken Sie bitte hier.

Kontakt

allgemeineskontaktformular

Allgemeines Kontaktformular
Kontakt