Viele Schulden - und dann die Stromsperre

Eine Analyse der Hauptauslöser für Überschuldungsprozesse, die seit 2008 kontinuierlich vom Statistischen Bundesamt durchgeführt wird, zeigt, dass langfristig vorwiegend ökonomische Auslöser wie Arbeitslosigkeit und gescheiterte Selbstständigkeit an Bedeutung verloren haben. Ihre Anteile als Hauptüberschuldungsgründe haben sich, aufgrund der in den letzten Jahren insgesamt stabilen Konjunktur in Deutschland deutlich verringert. Zugleich wiesen die Überschuldungsauslöser Erkrankung, Sucht, Unfall sowie unwirtschaftliche Haushaltsführung merkliche Anstiege als Auslöser für Überschuldungsfälle auf. Insbesondere der Auslöser unwirtschaftliche Haushaltsführung bildet oft „schleichend“ den Einstieg in eine Überschuldungsspirale.

Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Caritasverband e. V. (DCV) hat nun anhand der Stromsperren genauer untersucht, wie eine Überschuldung, deren Symptom die Stromsperre ist, aussieht. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass das Einkommen zwar eine große Rolle spielt, Probleme bei der Begleichung der Stromrechnung und Stromsperren aber nicht allein auf niedriges Einkommen zurückzuführen sind. Von großer Bedeutung sind vor allem bestehende Schulden: Gibt eine Person an, Darlehen bedienen zu müssen, so nimmt sowohl die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Zahlungsrückständen beim Stromversorger als auch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Stromsperre deutlich zu. Besonders geringe Chancen, eine drohende Stromsperre zu verhindern, haben Personen mit äußerst niedriger Bildung sowie Ein-Personen-Haushalte.

Bei rund 330.000 Haushalten in Deutschland ist offiziellen Angaben zufolge im Jahr 2016 die Stromversorgung wegen Zahlungsrückständen gesperrt worden. Familien mit Kindern sind überproportional häufig von der Androhung solcher Stromsperren betroffen. Auch Empfänger/innen von Arbeitslosengeld (ALG) II geraten oft in Zahlungsrückstand bei der Stromrechnung, wodurch es bei diesen Haushalten häufiger zur Androhung oder tatsächlichen Umsetzung einer Stromsperre kommt als bei anderen Haushalten.

Es ist nicht einfach der Migrationshintergrund oder ALG II

Dass Familien mit Kindern überproportional häufig von der Androhung einer Stromsperre betroffen sind, liegt daran, dass größere Haushalte die gesetzliche Mahnschwelle zur Androhung einer Stromsperre von 100 Euro schneller überschreiten als kleinere Haushalte. Den Strom zu sperren, ist aus Gründen des Verbraucherschutzes nur bei Einhaltung strenger Vorgaben möglich. Entsprechend der Stromgrundversorgungsordnung (StromGVV § 19, Abs. 2) darf ein Versorger die Unterbrechung der Stromversorgung erst androhen, wenn Zahlungsrückstände von mindestens 100 Euro bestehen. Zur Begleichung der ausstehenden Forderungen muss dann eine Frist von vier Wochen gewährt werden. Erst danach darf die Versorgungsunterbrechung schriftlich angekündigt und nach einer Frist von drei Tagen schließlich umgesetzt werden.

Bei Personen, die schon länger Leistungen der Grundsicherung beziehen und bei Personen mit Migrationshintergrund, ist eine leicht geringere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Stromsperren zu beobachten.

Peter Heindl vom ZEW fasst zusammen: „Um zu vermeiden, dass es tatsächlich zu Stromsperren kommt, scheint eine zielgenaue Sozial- beziehungsweise Schuldnerberatung am besten geeignet. Diese kann den Betroffenen konkrete Handlungswege zur Abwendung oder Aufhebung einer Stromsperre aufzeigen.“

Quelle: ZEW

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