Was wird aus der Limited?

Der Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der europäischen Union wird zu einer Vielzahl von Folgen führen, die heute, unmittelbar nach dem Votum der Bürger, noch gar nicht abzusehen sind. In den Darstellungen und Kritiken zum Brexit werden meist nur die großen Perspektiven aufgezeichnet. Man fragt nach der Konjunktur, der Sicherheitspolitik und den Migrationsbewegungen. Dabei hat die Lösung der Insel vom europäischen Festland auch kleinere, für Betroffene aber wichtige Folgen, die noch gar nicht abzusehen sind und für deren Lösung noch keine Ansätze bestehen. Eine dieser Fragen ist die nach der Zukunft der ltd, der Limited, einer „kleinen GmbH“, die in den letzten Jahren für viele deutsche Gründer attraktiv war.

Dabei handelt es sich durchaus nicht nur um eine Rechtsform für Kleinstgründungen. So firmiert etwa Air Berlin als Public Limited Company. Warum aber griffen so viele deutsche Mittelständler zu dieser Rechtsform? Ermöglicht wurde dies durch ein Urteil der europäischen Gerichtsbarkeit zur Niederlassungsfreiheit, das klarstellte, dass Unternehmen auch nicht inländische Rechtsformen wählen können. Damit war der Weg frei zu den Vorteilen der Limited. Anders als bei der Gründung der haftungsrechtlich vergleichbaren deutschen GmbH mussten nicht 25.000 Euro Startkapital mitgebracht werden – es reichte ein Euro für den Eintrag in London. Agenturen spezialisierten sich auf die Eintragung ins britische Register. Allerdings war schon damals Vielen nicht klar, dass sie damit englischem Gesellschaftsrecht unterliegen, das eine Reihe neuer Anforderungen stellte, etwa im Hinblick auf die Publikationspflicht. So mancher sah sich unfreiwillig liquidiert. Hinzu kommt die steuerliche Problematik, die ohne einen kompetenten Berater kaum zu lösen ist.

Fast 10.000 Ltd. entstanden

In den Jahren nach der Öffnung dieser Option gab es eine große Anzahl neuer Ltd, die ihre Geschäftstätigkeit in Deutschland aufnahmen, wie eine Auswertung der Creditreform Wirtschaftsdatenbank ergab:

Die zunehmende Zahl der unter britischer Rechtsform entstandenen Firmen hat in Deutschland den Gesetzgeber in Bewegung gesetzt. Im Wettbewerb um die Gunst der Rechtsformen wollte man nicht zurückliegen und schuf die UG, die Unternehmergesellschaft, als Alternative. Die Gründung war denkbar einfach, die Haftungsbeschränkung gegeben. Entsprechend holte die UG auf und ist mittlerweile wohl die wichtigste Rechtsform für den Gründer, der es „quick ´n dirty“ haben will. Seit 2008 kann der Eintrag in dieser Form durchgeführt werden:

Ein Hort der Stabilität war und ist die UG nicht. Am aktuellen Insolvenzgeschehen ist sie mit 8,4 Prozent beteiligt. Das ist gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 eine Steigerung um 0,9 Prozentpunkte. Und das gegen den Trend insgesamt rückläufiger Unternehmensinsolvenzen.

Am seidenen Faden

Und was wird nun aus der Ltd.? Alles hängt von den Austrittsverhandlungen ab. Käme es zu keiner Einigung, könnte die Rechtsform in eine deutsche mit persönlicher Haftung umgewandelt werden, denn die Vorgaben der GmbH werden ja nicht erfüllt. Zu hoffen wäre für die Betroffenen auf eine Lösung wie etwa im Verhältnis zu Norwegen, die die jeweiligen Rechtsformen anerkennt, weil sie für den gemeinsamen Wirtschaftsraum die Niederlassungsfreiheit anerkennt. Was die Verhandlungen bringen, ist offen. Die Unsicherheit der Limited im Hinblick auf Haftung und Bonität sind gewachsen.

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