Wer sind die Inhaber des Mittelstands?

Fast 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland und rund 83 Prozent aller Auszubildenden sind in einem mittelständischen Unternehmen tätig. Creditreform hat nun auf Basis der umfassenden Datenbank über die Gesellschafter und Eigentümer von Unternehmen in Deutschland die Besonderheiten und Merkmale des mittelständischen Unternehmertums analysiert.

Im Mittelpunkt standen dabei folgende Fragen: Welchen typischen Altersgruppen sind mittelständische Unternehmer vorrangig zuzuordnen? Gibt es dabei Abweichungen gegenüber der Erwerbstätigenstruktur in Deutschland? Welche Unterschiede lassen sich hinsichtlich Unternehmensgrößenklasse, Branche, aber auch regional finden?

Analysiert wurden 6.358 (bilanzierungspflichtige) Unternehmen in Deutschland mit einer Bilanzsumme von weniger als 250 Mio. € aus allen Wirtschaftsbereichen und Regionen, bei denen ausschließlich natürliche Personen Beteiligte sind. Diese Unternehmen haben rund 19.000 Beteiligte, wovon rund 8.100 als sogenannte Entscheider (beispielsweise geschäftsführende Gesellschafter einer GmbH) identifiziert wurden, auf die sich die Analyse bezieht. Die Ergebnisse wurden der amtlichen Statistik gegenübergestellt, um die Unterschiede zu verdeutlichen.

82 Prozent der Entscheider in den mittelständischen Unternehmen sind männlich. Demgegenüber sind 54 Prozent der Erwerbstätigen und 68 Prozent aller Selbstständigen männlichen Geschlechts. In acht Prozent der mittelständischen Unternehmen bilden gemischte Entscheider-Teams von Männern und Frauen die Geschäftsführung.

Branchenspezifisch schwankt der Anteil der männlichen Mittelständler zwischen 89 Prozent im Bereich „Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden“ und 64 Prozent im Bereich „Kunst, Unterhaltung und Erholung“.

Regional betrachtet sind die Unterschiede gering. Am höchsten ist der Anteil männlicher Unternehmer im Mittelstand in Nordrhein-Westfalen (85 Prozent), am geringsten in Sachsen-Anhalt (77 Prozent). Zum Teil dürften hierfür auch regionale Branchenbesonderheiten eine Rolle spielen.

Altersstruktur in den Betrieben

Aufgeteilt in 10-Jahres-Abschnitte stellt die Altersgruppe der 41- bis 50-Jährigen mit derzeit gut 31 Prozent die anteilmäßig größte Gruppe innerhalb der mittelständischen Entscheider, gefolgt von der Altersgruppe der 51- bis 60-Jährigen mit gut 30 Prozent. Nur zwei Prozent der Unternehmer im Mittelstand wurden 1984 oder später geboren, sind also 30 Jahre und jünger. Bei allen Erwerbstätigen liegt diese Quote bei 20 Prozent. Vergleichbar stark besetzt wie im Mittelstand ist mit gut 28 Prozent die Altersgruppe der 41- bis 50-Jährigen auch bei den Erwerbstätigen. Deutlich geringer ist hier dagegen der Anteil Älterer (über 60 Jahre) mit acht Prozent gegenüber einem Viertel aller mittelständischen Unternehmer.

Nennenswerte geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich des Durchschnittsalters sowie auch der Altersstruktur mittelständischer Entscheider finden sich nicht.

Regionen

Regional betrachtet ist ein vergleichsweise geringes Durchschnittsalter der mittelständischen Entscheider in Mecklenburg-Vorpommern (48 Jahre), Sachsen (50 Jahre) und Berlin (50 Jahre) festzustellen. Am höchsten ist das Durchschnittsalter im Land Bremen (55 Jahre).

Die Altersstruktur der Mittelständler zeigt auf Ebene der deutschen Länder im Grundsatz ein ähnliches Bild. Gleichwohl ist ein überdurchschnittlicher Anteil an jüngeren Unternehmern (40 Jahre und jünger) neben Mecklenburg-Vorpommern (26 Prozent) und Berlin (19 Prozent) auch noch in Sachsen-Anhalt (17 Prozent) und Thüringen (16 Prozent) festzustellen. Der vergleichsweise hohe Anteil jüngerer mittelständischer Unternehmer im Osten könnte mit bereits erfolgten Betriebsübergaben zusammenhängen, da die Unternehmergeneration, die nach der politischen Wende 1989/90 gegründet hatte, mittlerweile verstärkt aus dem Berufsleben ausscheidet.

Unterscheidet man nach eher großstädtischen (Städte über 400.000 Einwohner) und eher ländlichen Regionen (Gemeinden unter 10.000 Einwohnern), so zeigen sich vor allem in den jüngeren Alterskohorten Unterschiede. Während in den Großstädten immerhin ein Sechstel aller mittelständischen Unternehmer 40 Jahre und jünger sind, trifft dies in den kleineren Gemeinden auf lediglich jeden Achten zu.

Branche

Die Branchenunterschiede in der Altersstruktur der mittelständischen Entscheider sind markant: Ein hoher Anteil der mittelständischen Entscheider in der Altersgruppe der 40-Jährigen und Jüngeren findet sich in den Wirtschaftszweigen „Erziehung und Unterricht“ (30 Prozent), „Gastgewerbe“ (22 Prozent) sowie „Information und Kommunikation“ (21 Prozent). Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil jüngerer Mittelständler auch im Bereich „Instandhaltung und Reparatur von Kfz“ (20 Prozent). Im letztgenannten Wirtschaftszweig ist zudem der Anteil älterer Entscheider, die über 60 Jahre alt sind, mit zehn Prozent am geringsten. Dagegen finden sich überdurchschnittlich viele alte Unternehmer (älter als 60 Jahre) in den Wirtschaftszweigen „Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden“ (96 Prozent der mittelständischen Unternehmer) sowie „Ver- und Entsorgung“ (80 Prozent). Im Verarbeitenden Gewerbe gibt es den mit Abstand größten Block an Unternehmern mittleren Alters von 41 bis 60 Jahre (77 Prozent).

Hinsichtlich der Unternehmensgröße besteht ein tendenziell höheres Durchschnittsalter der Entscheider in größeren mittelständischen Unternehmen.

Quellen
Statistisches Bundesamt: Beruf, Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Erwerbstätigen in Deutschland, Fachserie 1 Reihe 4.1.2 – 2012
Statistisches Bundesamt: Stand und Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland, Fachserie 1 Reihe 4.1.1 - 2012

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