Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand in Sachsen, Herbst 2016

Stimmung im Mittelstand trübt sich ein

Der sächsische Mittelstand ist im Herbst 2016 in eine ruhigere konjunkturelle Lage eingeschwenkt. Der Creditreform Geschäftsklimaindex für die Unternehmen aus dem Freistaat schwächte sich von 27,0 Punkten im Herbst 2015 auf nunmehr 20,5 Punkte ab. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen beurteilen die befragten Unternehmen zurückhaltender als im Vorjahr. Bundesweit stieg der Geschäftsklimaindex nochmals um 1,9 Zähler auf 24,9 Punkte.

Gleichwohl ist die Wirtschaftslage auch im sächsischen Mittelstand weiterhin positiv. Die internationalen Krisen und andere Konjunkturrisiken wie der Brexit haben den Mittelstand offenbar kaum in Mitleidenschaft gezogen.

Vor allem die kräftige Binnenkonjunktur sorgt weiter für eine gute Auftrags- und Umsatzlage. So konnten 40,2 Prozent der Befragten im Verlauf der letzten sechs Monate ihren Umsatz steigern. Nur etwa jeder Achte (12,6 Prozent) berichtet von Umsatzrückgängen. Im gesamten Bundesgebiet entwickelte sich der Umsatz ähnlich positiv: 12,6 Prozent der Unternehmen haben Umsatzeinbußen erlitten und 41,1 Prozent der Befragten melden einen verbesserten Umsatz.

Wachstumsbremse Fachkräftemangel?

Die Beschäftigung im sächsischen Mittelstand ist per Saldo weiter gestiegen, allerdings weniger kräftig als noch vor einem Jahr. 21,8 Prozent der Unternehmen haben gegenüber dem Frühjahr das Personal aufgestockt. Im Herbst 2015 hatten das noch 30,9 Prozent der Befragten gemeldet. Überwiegend blieb die Mitarbeiterzahl in den Unternehmen konstant (70,1 Prozent). Möglicherweise erweist sich der zunehmende Fachkräftemangel als Wachstumsbremse und Unternehmen können offene Stellen einfach nicht besetzen. Bundesweit haben sich die mittelständischen Unternehmen offenbar etwas leichter getan bei Stellenbesetzungen. Immerhin 31,0 Prozent geben an, das Personal aufgestockt zu haben.

Mittelstand stärkt Eigenkapital – mehr Insolvenzen bei Kleinstunternehmen

Die anhaltend gute Ertragslage ermöglicht es den sächsischen Unternehmen, Rücklagen zu bilden, das Eigenkapital zu stärken. Entsprechend leiden weniger Unternehmen als im letzten Jahr unter Eigenkapitalschwäche. Nur noch gut jeder Vierte (26,4 Prozent) meldet eine niedrige Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent. Vor einem Jahr war das noch bei jedem Dritten (34,8 Prozent) der Fall. Zum Vergleich: Bundesweit sind es 29,9 Prozent. Auch die Zahlungsmoral der Kunden macht weniger Schwierigkeiten als in früheren Zeiten. Etwa vier von zehn Unternehmen aus dem Freistaat (39,1 Prozent) haben gar keine Forderungsausfälle zu beklagen (Vorjahr: 21,5 Prozent). Größere Ausfälle gibt es nur bei 8,0 Prozent der Befragten (Vorjahr: 12,2 Prozent).

Im 1. Halbjahr 2016 kam es in Sachsen gegen den Bundestrend zu einem Anstieg der Zahl der Unternehmensinsolvenzen (plus 23,7 Prozent; Deutschland: minus 6,8 Prozent). 605 Fälle wurden registriert. Das Insolvenzgeschehen im Freistaat wurde vorwiegend von jungen Unternehmen und Solo-Selbständigen ohne Mitarbeiter bestimmt. Zu dem kräftigen Anstieg kam es insbesondere durch deutliche Zuwächse bei Einzelunternehmen, Kleingewerbetreibenden sowie Unternehmen der Rechtsform UG, während Insolvenzen der Rechtsform GmbH abnahmen. Die Schäden für die Insolvenzgläubiger stiegen auf rund 370 Mio. Euro. Unterteilt in die vier Hauptwirtschaftsbereiche waren außer im Verarbeitenden Gewerbe überall mehr Insolvenzen zu verzeichnen.

Erwartungen: Immer noch eher optimistisch – Brexit spielt keine Rolle

Die konjunkturelle Entwicklung in den nächsten sechs Monaten beurteilen die befragten Unternehmen aus dem Freistaat skeptischer als vor einem Jahr. Weiterhin überwiegt aber die Zuversicht. Etwas mehr als jeder dritte Befragte (34,5 Prozent) rechnet mit steigenden Umsätzen. Vor einem Jahr waren es ähnlich viele (35,4 Prozent). Nur wenige Betriebe (13,8 Prozent) erwarten einen Umsatzrückgang. Allerdings hatten das im letzten Jahr noch weniger – nämlich nur 8,8 Prozent der Befragten – angegeben. In Bezug auf künftige Neueinstellungen ist der Mittelstand aus dem Freistaat zurückhaltender als im letzten Herbst. Jedes fünfte Unternehmen (19,5 Prozent) plant, das Personal aufzustocken. Vor einem Jahr hatten das noch 29,3 Prozent der Befragten gesagt. Personalabbau haben aber nur 5,7 Prozent der Unternehmen angekündigt (Vorjahr: 11,6 Prozent).

Die Investitionsbereitschaft des sächsischen Mittelstandes ist erneut überdurchschnittlich hoch. Zwar nahm der Anteil der Unternehmen, die investieren wollen, gegenüber dem Vorjahr von 57,5 auf 52,9 Prozent ab. Dennoch bleibt aber der aktuelle Wert über dem Bundesdurchschnitt (51,2 Prozent).

Der Brexit, also der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU), hat für viele sächsische Unternehmen aus dem Mittelstand kaum direkte Auswirkungen. Auch, weil lediglich jedes dritte Unternehmen im Außenhandel in Form von Ex- oder Import tätig ist (33,3 Prozent). Dieser Anteil liegt unter dem Bundesdurchschnitt (43,1 Prozent). Entsprechend hat fast jeder zweite Befragte (43,7 Prozent) keine Meinung zu der Frage, ob der Austritt Großbritanniens Vor- oder Nachteile für die EU mit sich bringt. Grundsätzlich sieht der sächsische Mittelstand den Brexit aber kritisch. 42,5 Prozent der Befragten befürchten Nachteile für die EU. Lediglich für jeden Zehnten (9,2 Prozent) überwiegen die Vorteile. Insgesamt wünschen sich die sächsischen Unternehmen, dass die EU den einzelnen Mitgliedsstaaten künftig wieder mehr Autonomie zugesteht (40,2 Prozent).

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Dresden, 20. Oktober 2016

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