Zahlungsweise unter Druck

Es mag ja so sein: Im derzeitigen günstigen Konjunktur- und Zinsumfeld dürfte der spätere Rechnungseingang weniger bedrohlich sein als in früheren Jahren. Möglicherweise wird das Forderungsmanagement bei dem gegenwärtigen Auftragsboom weniger konsequent durchgesetzt, so dass auch dadurch Verzögerungen auftreten. Fakt aber ist, dass die Kreditoren, Unternehmen, die einen Lieferantenkredit gewähren – und das ist im B2B-Business der Normalfall – länger auf den Eingang der Zahlung warten müssen. Im Durchschnitt betrug die Verzugsdauer 10,58 Tage. Im 1. Halbjahr 2017 waren Abrechnungen zwischen Unternehmen durchschnittlich 10,11 Tage überfällig. Auch im Vergleich mit dem zweiten Halbjahr 2016, also dem Vorjahreszeitraum, bestätigt sich dieser Trend. Damals lag der Zahlungsverzug bei 10,01 Tagen – und damit gut einen halben Tag niedriger als aktuell.

Wie lange währt die Forderungslaufzeit, die sich aus dem vereinbarten Zahlungsziel und dem Verzug ergibt? Die längere Zahlungsverzugsdauer spiegelt sich nahezu Eins-zu-Eins in einer Verlängerung der Forderungslaufzeit wider. Diese betrug deutschlandweit im 2. Halbjahr 2017 durchschnittlich 43,15 Tage (1. Halbjahr 2017: 42,62 Tage). Die Forderungslaufzeit lag damit gut einen halben Tag (0,53 Tage) höher als im 1. Halbjahr. In einer ähnlichen Größenordnung war in diesem Zeitraum der Zahlungsverzug gestiegen. Die Zahlungsziele blieben hingegen nahezu unverändert bei plus 0,06 Tagen. Noch im 1. Halbjahr 2017 waren sie etwas deutlicher gestiegen (plus 0,23 Tage). Durchschnittlich belief sich das Zahlungsziel im Rahmen der aktuellen Auswertung auf 32,57 Tage. Im Verlauf der letzten Jahre ist aber ein Anstieg der Zahlungsziele festzustellen. Möglicherweise als Reaktion auf die gute Auftragslage und der insgesamt besseren Zahlungsmoral räumen Kreditgeber mittlerweile auch längere Ziele beim Kauf auf Rechnung ein. So betrug das mittlere Zahlungsziel in Deutschland 2015 noch 30,82 Tage.

In acht der zehn untersuchten Wirtschaftsbereiche hat sich das Zahlungsverhalten im 2. Halbjahr 2017 verschlechtert. Rechnungen werden also mit zunehmender Verspätung gezahlt. So nahm der Zahlungsverzug der Einzelhändler um 1,50 Tage auf insgesamt 10,31 Tage zu. Deutlich später als im 1. Halbjahr zahlten auch die Unternehmen aus der Verkehrs- und Logistikbranche. Diese Unternehmen ließen ihre Gläubiger 1,22 Tage länger warten als im 1. Halbjahr, bis die Rechnung schließlich bezahlt wurde. Lediglich beim Baugewerbe (15,47 Tage; 1. Halbjahr 2017: 16,46 Tage) und den personenbezogenen Dienstleistungen (13,60 Tage; 1. Halbjahr 2017: 14,23 Tage) war eine Verbesserung des Zahlungsverhaltens festzustellen. Allerdings ist der Zahlungsverzug bei Unternehmen aus dem Baugewerbe immer noch deutlich größer als in den anderen Wirtschaftsbereichen. Am geringsten sind die Zahlungsverzögerungen mit 8,31 Tagen in der Chemiebranche.

Von Vorsatz bis Schlampigkeit

Zu ergänzen sind diese aktuellen Zahlen von Creditreform aus dem Debitorenregister von einer Untersuchung der Plum Consulting London, die länderübergreifend angelegt ist und auch Ergebnisse für Deutschland damit vorlegt. Demnach geben rund dreißig Prozent der Unternehmen hierzulande an, dass sie unter den Auswirkungen verspäteten Zahlens zu leiden haben. Das hat Folgen für Investitionen – so äußern sich 17 Prozent der Befragten – und für die Begleichung der Rechnung gegenüber den eigenen Lieferanten (11 Prozent). Selbst die Boni der Mitarbeiter werden von 12 Prozent der Betriebe genannt, weil sie aufgrund mangelnder Liquidität geschmälert werden. Problematisch ist laut der Studie die Tatsache, dass der Abnehmer nur zu einem bestimmten Termin einmal monatlich zahle. Hier gelingt es dem säumigen Kunden seine Einkaufsmacht auszuspielen. Zwanzig Prozent der Betriebe sind davon betroffen. Ein weiteres Problem sind Ausreden, wie die, dass die Zahlungsanweisung bereits in Bearbeitung sei. So äußern sich 16 Prozent. In den meisten Fällen liegt kein besonderer Grund vor; Spekulationen reichen also von Schlampigkeit bis zum Vorsatz und nicht zuletzt dem Unvermögen, aus der finanziellen Klemme heraus den fälligen Betrag nicht anweisen zu können. Übrigens weisen in den USA fast zehn Prozent der Rechnungen einen Verzug aus, in Deutschland sind es weniger als acht Prozent.

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