Unternehmens-nachfolge:So gelingt sie

Unternehmens-nachfolge:So gelingt sie

Sie möchten Ihre Firma verkaufen oder eine Firma übernehmen? Gerade Verkäufer stehen vor großen Schwierigkeiten, da es sehr viel mehr Verkäufer als potenzielle Käufer gibt.

Darum geht es bei einer Unternehmensnachfolge

Unter dem Begriff Unternehmensnachfolge versteht man die Eigentumsübertragung einer bestehenden Firma an einen neuen Eigentümer, der das Unternehmen in eigener Leitung fortführt. Die Unternehmensnachfolge beschreibt damit den Wechsel am Eigentum und in der Leitung eines Unternehmens. Sie regelt damit den Nachfolgeprozess, also wie und unter welchen Voraussetzungen die Übernahme erfolgt.

Unternehmensnachfolgen haben unterschiedliche Gründe – wie beispielsweise Alter, Krankheit oder Tod des ursprünglichen Eigentümers und können durch Verkauf, Schenkung oder Vererbung entstehen. Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ist die Nachfolge ein schwieriges Thema: Denn Nachfolger sind je nach Branche schwer zu finden.

Großes Angebot mit geringer Nachfrage

Der KfW-Gründungsmonitor weist seit einigen Jahren nur rund 67.000 sogenannte Übernahmegründungen pro Jahr aus. Anfang 2000 waren es noch 148.000.

Mögliche Gründe:

  • Der demografische Wandel führt dazu, dass es weniger Unternehmerkinder gibt.
  • Unternehmerkinder haben oft andere Zukunftspläne als die Unternehmensnachfolge.
  • Hohe Kaufpreise sind ein Grund, warum Verkäufer und Käufer nicht zu einer Einigung kommen.
  • Durch die Corona-Krise ist die finanzielle Situation bei Unternehmen angespannt und Kaufinteressenten sind eher zurückhaltend.

Übernahmegründungen von 2002-2020
Quelle: KfW-Gründungsmonitor

Gewählte Nachfolgelösungen
Quelle: IfM Bonn

Unternehmensnachfolge: Wer kommt als Käufer infrage?

  1. Familieninterne Übergabe:
    Gut die Hälfte, nämlich 53 %, der Eigentümer übergeben das Unternehmen an die eigenen Kinder oder an Familienmitglieder.
  2. Unternehmensexterne Nachfolge:
    29 % der Übertragungen erfolgen an externe Manager, andere Unternehmen oder Interessenten von außerhalb.
  3. Unternehmensinterne Nachfolge:
    Etwa 18 % der Familienunternehmen übertragen das Unternehmen an Mitarbeiter.

Unternehmensnachfolge in der eigenen Familie – Generationenwechsel

Der eigene Sohn, die eigene Tochter oder Neffen und Nichten – Bei der Unternehmensnachfolge stammen die Wunschkandidaten nicht selten aus der eigenen Familie. Doch längst nicht alle Unternehmerkinder nehmen die Unternehmensnachfolge an.

Warum es nicht mehr familieninterne Nachfolgen gibt – mögliche Hürden:

  • Unternehmerkinder mit alternativen Plänen
    Heutzutage werden Unternehmerkinder nicht mehr in die Nachfolge gedrängt und haben ein Mitspracherecht, ob sie übernehmen oder nicht. Sie machen ihre Ausbildung häufig in einer Branche, die nicht mit der des Familienunternehmens übereinstimmt. In anderen Ländern studieren, Praktika in spannenden Unternehmen – Was Eltern als Vorbereitung auf die Nachfolge ansehen, kann für die Kinder hingegen eine echte Alternative sein. Zudem ist die Nachfolge davon abhängig, ob das Unternehmertum in der Kindheit überwiegend positiv oder negativ wahrgenommen wurde.
     
  • Die Umwandlung der Eltern-Kind-Beziehung in eine Geschäftsbeziehung
    Bei der Umwandlung einer Eltern-Kind-Beziehung in eine Geschäftsbeziehung ist gegenseitige Überzeugungsarbeit notwendig. Frühe Verantwortungsübergabe und das gemeinsame Führen des Unternehmens für eine gewisse Zeit können sinnvoll sein, bis sich der Eigentümer im Laufe der Jahre immer mehr aus der Geschäftsführung zurückzieht. Passiert dies nicht, kann auch das eine Hürde sein.
     

So kann es gehen:

  • Alteigentümer müssen sich die Frage stellen, wann der richtige Zeitpunkt ist, um die operative Leitung des Unternehmens zu übergeben und wie die zukünftige Gesellschafterstruktur gestaltet werden kann.
  • Nachfolger müssen dabei als vollwertiges Mitglied angesehen werden, an allen Sitzungen teilnehmen und dasselbe Mitspracherecht haben. Ein guter Übergang zur Unternehmensnachfolge kann die Führung eines eigenen Teams sein – zum Beispiel als Vertriebsleiter. Letztlich sollten Kinder nicht anders bewertet werden als externe Geschäftsführer. 
  • Schwierig wird es oft, wenn Nachfolger etwas verändern wollen. Alteigentümer sollten dabei den Fähigkeiten vertrauen, die die Jungen mitbringen und die sie selbst nicht haben.

Übernahme durch einen Mitarbeiter (Management-Buy-Out)

Beim Management-Buy-Out, also dem Verkauf an einen Angestellten der Firma, ist der Beratungsaufwand verhältnismäßig gering. Beide Seiten kennen das Unternehmen gut und bei einer Einigung benötigen sie lediglich einen Rechtsanwalt, der die erzielte Übereinkunft vertraglich festhält.

Einfach ist diese Käufer-Verkäufer-Konstellation allerdings nicht:

Das größte Hindernis besteht in der Finanzierung des Unternehmenskaufes. Denn der typische Mitarbeiter hat in der Regel nicht das nötige Geld, um den Kaufpreis zu zahlen. Weil er bei einer Bankfinanzierung privat haftet, kann im Fall des Misserfolgs auch schnell sein Vermögen weg sein.
Eine Option ist, dass der Verkäufer Teile des Kaufpreises stundet und der Käufer diese später zahlt.
Der Nachteil: Der Verkäufer hat keine großen Einflussmöglichkeiten mehr auf das Geschäft, hat aber zugleich noch nicht den vollständigen Kaufpreis erhalten.
Beim Verkauf an einen Mitarbeiter kommt daher häufig nicht der beste Preis zustande. Für viele Alt-Eigentümer hat der Preis allerdings nicht oberste Priorität. Oftmals sind sie froh darüber, dass ihr Lebenswerk überhaupt weitergeführt wird.

Übernahme durch einen externen Manager (Management-Buy-In)

Strategische Käufer

Zu den strategischen Käufern zählen vor allem Wettbewerber, aber auch Firmen, die aus vorgelagerten oder nachgelagerten Wertschöpfungsstufen stammen. Meist interessieren sie sich für eine bestimmte Technologie des Unternehmens oder dessen Alleinstellungsmerkmal. Strategische Käufer bringen in der Regel ihre eigene Geschäftsführung mit. 
Der Verkauf an einen strategischen Käufer hat den Nachteil, dass bei gescheiterten Verhandlungen vertrauliche Informationen in den Markt dringen können. Das sollte ein Inhaber unbedingt bedenken.
Meist gibt es keine Finanzierungsschwierigkeiten. Das liegt daran, dass das kaufende Unternehmen oft deutlich größer ist als das Kaufobjekt. Es kann sein, dass der Nachfolger nach der Übernahme bestimmte Funktionen und Abteilungen einsparen wird, weil er selbst über diese Ressourcen verfügt.

Investoren beim Unternehmenskauf

Etwas anders agieren Investoren. Ihr Kaufmotiv besteht zumeist darin, das Unternehmen weiterzuentwickeln. Ein Arbeitsplatzabbau ist deshalb eher nicht zu befürchten.
Ähnlich wie die Gruppe der strategischen Käufer interessieren sich Investoren für größere Unternehmen. Investor ist aber nicht gleich Investor. Das Spektrum reicht vom extrem konservativen Family Office mit traditionellem Anlageziel bis hin zu Investoren, die auf Maximalrendite setzen.
Je nach Konstellation kann der Verkauf an einen Investor bedeuten, dass der bisherige Inhaber das Unternehmen zumeist noch ein bis zwei Jahre führt, weil der Käufer über keine operativen Manager verfügt. Dann behält der Inhaber in der Regel eine Minderheit der Gesellschaftsanteile.

Aus Käufersicht: Bestehende Firma übernehmen oder Start-up gründen

Ein Startup zu gründen gilt als hip, ein bereits existierendes Unternehmen zu übernehmen nicht unbedingt. Dennoch: Sehr viele Startups scheitern – auch aufgrund eines nicht ausgereiften Businessplans. Warum also nicht die risikoärmere Variante wählen: Ein bestehendes Unternehmen übernehmen und es neu aufstellen? Doch auch hier ist ein Strategieplan sehr wichtig.

Weitere Vorteile für die Übernahme einer bestehenden Firma:

  • Sie überspringen die Aufbauphase des Unternehmens.
  • Sie profitieren von einem laufenden Geschäftsbetrieb mit all seinen Strukturen und Prozessen.
  • Sie übernehmen die Mitarbeiter, die Lieferanten und den Kundenstamm gleich mit.
  • Sie verfügen über die Maschinen und das gesamte Inventar.

Firma übernehmen: Schritt für Schritt zum eigenen Unternehmen

Eine Unternehmensnachfolge muss gut durchdacht und organisiert sein. Grundsätzlich sollten Sie das zu übernehmende Unternehmen eingehend prüfen: Wie steht es wirtschaftlich da? Wie kann ich das Unternehmen mit meinen Stärken vorantreiben? Passt es zu mir und meinen Plänen?
Vereinfacht könnte die Unternehmensnachfolge so ablaufen:

  1. Passendes Unternehmen finden
  2. Fortführungsplan erstellen
  3. Kaufpreis ermitteln
  4. Finanzierung klären
  5. Kaufvertrag abschließen

Unser Tipp:
Unternehmensbörse online

Neben Beratern, die bei Verkaufs- und Nachfolgeregelungen unterstützen, haben sich Onlineportale wie nexxt-change, DUB, biz4.sale und CARL etabliert. Diese Plattformen – basierend auf Inseraten und Recherchemöglichkeiten –  sollen dabei helfen, dass Verkäufer und Käufer schneller zueinander finden.

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