Creditreform Wirtschaftsnews

Studie: Deutscher Mittelstand spart sich zu Tode

Auch wenn die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose nach oben korrigiert haben: Der deutsche Mittelstand kämpft weiter mit einer angespannten Geschäftslage. Die Investitionsbereitschaft sinkt auf einen Tiefstand. Das zeigt die soeben veröffentlichte Herbstumfrage „Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand“ der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Es klang nach einer guten Nachricht: „Die deutsche Wirtschaft ist seit Ende 2025 im Aufschwung. Die Erholung fällt stärker aus als noch im Frühjahr erwartet“, meldeten die fünf deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute DIW Berlin, ifo Institut, Kiel Institut für Weltwirtschaft, IWH und RWI Ende September. Trotzdem bleibt die Stimmung in den mittelständischen Unternehmen nach wie vor verhalten. Eine soeben veröffentlichte Umfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung zeigt nämlich: Zumindest der deutsche Mittelstand kämpft weiter mit einer angespannten Geschäftslage und wartet noch immer auf den Aufschwung.

Tatsächlich ist der Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK) im Herbst 2026 nur leicht auf plus 1,1 Punkte gestiegen – im Vorjahr lag er bei plus 0,1 Punkte. Der Index gilt als Indikator für die wirtschaftliche Lage im Mittelstand. Er bildet die Stimmungslage mittelständischer Unternehmen in Deutschland ab und basiert auf den Antworten von rund 1.200 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu den Indikatoren Auftragseingänge, Umsätze, Erträge und Personalsituation.

Gerade mal plus 1,1 Punkte – die Botschaft ist unmissverständlich: Die Unternehmen leiden unter den Folgen der langen Rezessionsphase sowie gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten. Deutschland lebt derzeit von der Hoffnung – doch in der Realität der allermeisten Unternehmen sind die Belastungen weiterhin zu hoch und die Insolvenzzahlen steigen.

Entsprechend beurteilten die KMU ihre Geschäftslage weiterhin negativ – nun schon im vierten Jahr in Folge. Aktuell liegt der Geschäftslageindex bei minus 4,0 Punkten. Nur mal zum Vergleich: 2017 lag er bei plus 30,9 und 2018 bei plus 27,9 Punkten. Lange ist’s her.

Kaum Belebung bei den Auftragseingängen

Die negative Bewertung hat unter anderem mit der Auftragslage zu tun. Hier zeigt sich leider kaum Belebung. Nur ein Fünftel der befragten Unternehmen meldete einen Zuwachs an Auftragseingängen, während 26,4 Prozent von rückläufigen Aufträgen berichteten. Eine deutliche Verbesserung gibt es lediglich im Verarbeitenden Gewerbe. 26,4 Prozent der befragten Betriebe verzeichneten einen Anstieg – im Vorjahr waren es bloß 18,0 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Unternehmen, die Auftragsrückgänge meldeten, von 38,9 auf 26,4 Prozent. Anders ist es im mittelständischen Baugewerbe sowie im Handel – hier verbuchten jeweils nur rund 13 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge.

Umsätze entwickeln sich verhalten

Unzufriedenheit herrscht dementsprechend auch bei den Umsätzen. Sie entwickelten sich in den vergangenen Monaten erneut nur sehr verhalten. Zwar verzeichneten 26,4 Prozent der Befragten ein Umsatzplus, ebenso viele Unternehmen mussten jedoch einen Umsatzrückgang hinnehmen. Eine Trendwende bei den Umsätzen bleibt damit zunächst weiterhin aus. Spürbare Verbesserungen beim Umsatz meldete lediglich das Verarbeitende Gewerbe. Fast 31 Prozent der Befragten registrierten hier in den vergangenen Monaten Umsatzzuwächse, nachdem es im Vorjahr nur 19,2 Prozent waren.

Wie die unter dem Titel „Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand – Herbst 2026“ veröffentlichten Umfrageergebnisse weiter zeigen, bleibt die Inflation ein Thema im Mittelstand. Erneut mussten viele Betriebe ihre Angebotspreise aufgrund gestiegener Kosten erhöhen. Dies trifft auf 43,5 Prozent der Befragten zu – nach lediglich 27,9 Prozent im Vorjahr. Besonders häufig waren Preissteigerungen im Baugewerbe – hier musste gut jeder zweite Betrieb seine Angebotspreise anpassen. Dies trifft leicht abgeschwächt auch auf den Handel zu.

Personalabbau hält an

Befragt wurden die Unternehmen auch zur Personalsituation. Ergebnis: Der Personalabbau in der deutschen Wirtschaft hält an und spiegelt sich zunehmend am Arbeitsmarkt wider. Die Zahl der Arbeitslosen hat die Marke von drei Millionen überschritten. Im Mittelstand werden nun seit etwa drei Jahren per Saldo keine zusätzlichen Stellen mehr geschaffen. 14,5 Prozent der von Creditreform Wirtschaftsforschung befragten Unternehmen meldeten eine größere Belegschaft, 18,6 Prozent haben hingegen ihre Personalstärke reduziert.

Investitionsbereitschaft sinkt auf tiefsten Stand der letzten 20 Jahre

Dramatisch entwickelte sich die Investitionsbereitschaft. Sie ist so niedrig wie noch nie in den vergangenen 20 Jahren. Nur 37,3 Prozent der befragten Mittelständler planen aktuell ein Investitionsvorhaben. 2025 wollten noch 43,5 Prozent der Befragten investieren und 2021 waren es noch mehr als 50 Prozent. Gebremst wird die Investitionsneigung von gestiegenen Zinsen und der anhaltenden Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Nach den Jahren der Rezession sind zudem die finanziellen Spielräume vieler Unternehmen begrenzt, während die Finanzierungskosten gestiegen sind.

Kleiner Lichtblick: Geschäftsaussichten hellen sich auf

Immerhin zeigt die Befragung, dass sich die Geschäftsaussichten des Mittelstandes aufgehellt haben. 20,3 Prozent der Betriebe rechnen nun mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage – nach 18,7 Prozent im Vorjahr. Nur noch 14,2 Prozent befürchten rückläufige Auftragseingänge. Das Verarbeitende Gewerbe geht hier mit 26,8 Prozent voran – fast sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Baugewerbe und Handel hellen sich die Auftragserwartungen ebenfalls leicht auf.

Die Zuversicht steigt also langsam. Dazu dürften sowohl die staatlichen Investitionsprogramme als auch die Belebung der Exportwirtschaft beitragen. Nun dürfen allerdings die wirtschaftspolitischen Reformen der Bundesregierung nicht scheitern. Allein mit schuldenfinanziertem Sondervermögen und höheren Rüstungsausgaben wird Deutschland langfristig nicht wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Dringlicher sind vielmehr strukturelle Verbesserungen wie wettbewerbsfähige Energiepreise und Bürokratieabbau. Ergänzend hierzu muss auch der Schutz der heimischen Wirtschaft vor unfairem Wettbewerb Teil der wirtschaftspolitischen Agenda sein.

Quellen:
www.creditreform.de
https://gemeinschaftsdiagnose.de/