Guter Zahler, schlechter Zahler
Viele wissen mehr als einer: Das Prinzip der Schwarmintelligenz gilt auch bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit. Je mehr Zahlungserfahrungen Unternehmen bündeln und auswerten, desto treffsicherer lässt sich künftiges Zahlungsverhalten vorhersagen. Genau hier setzt das Debitorenregister Deutschland an.

Als die Anfrage kam, freute sich der geschäftsführende Gesellschafter eines metallverarbeitenden mittelständischen Betriebs aus dem Siegerland. Denn er wusste: Ein Auftrag in dieser Größenordnung hätte die schwache Geschäftsentwicklung der vergangenen Monate deutlich verbessert. Der Auftraggeber war ein langjähriger Bestandskunde. Die Geschäftsbeziehung war eng. Beide Seiten arbeiteten seit Jahren zusammen. Größere Zahlungsverzögerungen hatte es bisher nicht gegeben – eigentlich eine gute Voraussetzung, einen weiteren Vertrag zu unterzeichnen. Doch das Volumen des neuen Auftrags hatte Risiken. Der Metallverarbeiter wäre stark von einem einzelnen Kunden abhängig geworden. Zahlungsausfälle konnte er sich nicht leisten. Dafür war die Kapitaldecke nach der langen Flaute zu dünn.
In dieser Situation handelte der Geschäftsführer sofort – und holte bei Creditreform eine Bonitätsauskunft ein. Der dabei verwendete Index liefert eine schnelle und klare Einschätzung der Bonität und damit der Kreditwürdigkeit eines Geschäftspartners. Creditreform berechnet die Kennzahl aus einer Vielzahl von Informationen: Branchenrisiken, Bilanzen, Zahlungsweisen, Umsätze, Krediturteile, Mitarbeiterzahlen, Auftragslage oder Inkassodaten. Doch nicht viele wissen: Externe aktuelle Zahlungserfahrungen machen das Bonitätsurteil noch genauer.
Möglicherweise zahlt ein Unternehmen bei ausgesuchten Geschäftspartnern stets pünktlich oder sogar deutlich vor Ablauf des vereinbarten Zahlungsziels, lässt aber andere Lieferanten und Kreditnehmer lange auf ihr Geld warten. Wer das weiß, bewertet die Bonität differenzierter und ergreift Vorsichtsmaßnahmen. Denn aktuelle Zahlungsverzögerungen erhöhen die Gefahr, dass Rechnungen künftig noch später oder im schlimmsten Fall gar nicht beglichen werden.
Frühwarnsystem DRD
„Ein besonders effektives Frühwarnsystem für das künftige Zahlungsverhalten ist das Debitorenregister Deutschland, kurz DRD“, erläutert Dr. Michael Kresse, beim Verband der Vereine Creditreform zuständig für Vertriebsunterstützung in Sachen DRD. Der DRD-Pool ist eine der führenden Datenbanken für Zahlungserfahrungen von Unternehmen mit Geschäftskunden und beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit: Wer als Creditreform-Mitglied seine eigenen Zahlungserfahrungen in den DRD-Pool einspeist, profitiert branchenübergreifend von den Informationen der anderen Mitglieder. „Der Zugriff auf die DRD-Daten erfolgt sekundenschnell, beispielsweise über das Online-Tool ‚Meine Creditreform‘ und identifiziert Gut- und Schlechtzahler mit wenigen Klicks“, erläutert Kresse.
Aufträge neu bewerten
Der Blick auf die DRD-Daten seines Bestandskunden überraschte den Mittelständler aus dem Siegerland. Denn die DRD-Daten zeigten ein sehr differenziertes Zahlungsverhalten. Während der Geschäftsführer bei seinem Bestandskunden eine Zahlung gewohnt ist, die durchschnittlich 25 Tage vor Ablauf der Zahlungsfrist erfolgt, bekamen andere Lieferanten im Durchschnitt erst 30 Tage nach Fälligkeit ihr Geld. „In einem solchen Fall ist Vorsicht geboten, denn möglicherweise dauert es nicht mehr lange, bis der Debitor so sehr in Bedrängnis gerät, dass er auch Rechnungen von Lieferanten nicht mehr fristgerecht begleichen kann, die er bisher bevorzugt bedient hat“, warnt DRD-Experte Kresse.
Mit diesem Wissen bewertete der Unternehmer aus dem Siegerland den möglichen Auftrag neu. Um das Risiko eines Zahlungsausfalls zu reduzieren, rief er bei seinem Bestandskunden an. Dank der DRD-Daten wusste er auch um seinen Stellenwert als A-Kunde. Schließlich einigten sich beide Seiten auf eine Kombination aus Vorkasse (über 50 Prozent des Auftragswerts) und Absicherung des Restbetrages durch eine Bürgschaft.
Manchmal liefert ein Blick in den Pool der Zahlungserfahrungen auch andere interessante Erkenntnisse: Etwa, wenn ein Debitor die Rechnungen eines Geschäftspartners stets überfällig zahlt, andere Lieferanten aber pünktlich bedient. „In einem solchen Fall empfiehlt es sich, die offenen Positionen zu prüfen und gegebenenfalls einen Inkassoauftrag zu erteilen, was man direkt aus ‚Meine Creditreform‘ heraus veranlassen kann“, empfiehlt Michael Kresse. Für den Geschäftsführer des metallverarbeitenden Unternehmens aus dem Siegerland steht fest: Künftig wird er sich bei der Beurteilung seiner Geschäftspartner nicht mehr allein auf die eigenen Zahlungserfahrungen verlassen, sondern auch die Schwarmintelligenz des DRD nutzen. Das erhöht die Treffgenauigkeit seiner Entscheidungen – und senkt das Risiko von Zahlungsausfällen.
Wer mitmacht, profitiert
+ Aktuelle Zahlungsdaten für fundierte Entscheidungen und eine sichere betriebliche Zukunft
+ Branchenübergreifende Einblicke in die Zahlungserfahrungen anderer Unternehmen
+ Vergleiche der Zahlungsziele und Kreditlimits mit denen anderer Lieferanten
+ Regelmäßige Analyse aller Bestandskunden
+ B2B-Informationsaustausch zur Absicherung einer Kreditentscheidung im Einklang mit dem Datenschutz
+ Kostenfreie Nutzung durch das Gegenseitigkeitsprinzip
Quelle: Magazin "Creditreform"
Text: Stefan Weber
Bildnachweis: Getty Images