Welle von Großinsolvenzen
Eine aktuelle Analyse der Beratungsgesellschaft FalkenSteg zeigt, dass es 2025 deutlich mehr Großinsolvenzen gab als im Vorjahr. Das fügt sich ein in die generelle, besorgniserregende Zunahme von Unternehmenspleiten, wie sie im Dezember bereits die Untersuchung „Insolvenzen in Deutschland, Jahr 2025“ von Creditreform konstatierte.
„Ein weiterer Anstieg um 25 Prozent – und kein Ende in Sicht: Die deutsche Unternehmenslandschaft steckt tiefer denn je in der Strukturkrise“, ließ FalkenSteg im Januar wissen. Von einem „Fieberzustand im deutschen Mittelstand“ spricht die Beratungsgesellschaft in einer Presseinformation mit Blick auf eine Welle von Großinsolvenzen, die sich 2025 weiter beschleunigt habe.
471 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über zehn Millionen Euro mussten vergangenes Jahr Insolvenz anmelden – rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. Das geht aus der aktuellen Insolvenzanalyse der Transformationsberatung FalkenSteg hervor. Besonders betroffen waren demnach Metallwarenhersteller (65 Fälle), Automobilzulieferer (59), Elektrotechnikunternehmen (53) und Betriebe des Innenausbaus (42). Damit setze sich ein Trend fort, der seit fünf Jahren ungebrochen sei: Seit der „Pleitedelle“ 2021, als nur 163 Fälle gezählt wurden, haben sich die Großinsolvenzen nahezu verdreifacht.
„Die Ursachen sind vielfältig, doch ihr Zusammenspiel entwickelt eine beunruhigende Dynamik“, heißt es in der Mitteilung von FalkenSteg. Der Automotive- und Maschinenbausektor stecke in einer tiefen Strukturkrise, die Konsumzurückhaltung verhindere Investitionen, während politische Impulse aus Infrastrukturprogrammen bisher kaum Wirkung entfalten würden. Hinzu kämen die geopolitische Unsicherheit durch die Trump-Administration, der fortdauernde Ukraine-Krieg und der verschärfte Wettbewerb durch China. „Für viele Mittelständler ist das keine Konjunkturdelle mehr, sondern eine Überlebensfrage. Der zyklische Abschwung entwickelt sich zum strukturellen Kollaps“, warnt Studienautor und FalkenSteg-Partner Jonas Eckhardt.
Metallwarenhersteller überholen Autozulieferer
Laut der Analyse führen erstmals die Metallwarenhersteller das Insolvenzranking an – mit einem Anstieg von 48 auf 65 Fälle (plus 35 Prozent). Die Metallwarenhersteller seien strukturell eng mit der kriselnden Automobilindustrie verflochten, aber auch der Wettbewerb aus China lasse ihre Marktanteile erodieren. Massive Überkapazitäten würden den Weltmarkt fluten – von den klassischen Schwerindustrien wie Stahl und Aluminium bis hin zu neuen Schlüsseltechnologien.
Die Autozulieferer verlassen nach fünf Jahren die Spitzenposition und belegen Rang zwei, jedoch bleiben die Insolvenzen konstant bei 59 Fällen. Danach folgen die Elektrotechnikunternehmen mit einem Plus von 77 Prozent (53 Insolvenzen). Die Ursachen sind FalkenSteg zufolge die gleichen wie bei den Metallwarenherstellern. Die Abhängigkeit vom Auto, der Rückgang der Solar-Installationen und die China-Exporte bei Batterien, Solarzellen, Elektrotechnik und Mobilfunk würden die heimische Produktion drücken, die auf das Niveau von vor über zehn Jahren zurückgefallen sei.
Besonders deutlich zeigen sich die Verwerfungen laut der Untersuchung im Export. Die von den USA eingeführten Zölle träfen nicht nur Stahl und Chemie, sondern zunehmend komplexe Industriegüter. „Das Geschäftsmodell des deutschen Maschinenbaus und der zuliefernden Branchen gerät ins Wanken“, warnt Eckhardt. Für viele Betriebe werde der US-Markt unprofitabel, während bereits Absatzchancen in China verloren seien. „Deutschland verliert auf dem Weltmarkt gegenüber China im Preis und inzwischen auch bei der technologischen Führerschaft“, kommentiert der Restrukturierungsexperte.
Die Insolvenzen im Einzelhandel gingen 2025 um rund zehn Prozent zurück, während die Pleiten bei den Herstellern von Nahrungs- und Konsumgütern um etwa 30 Prozent zunahmen. Dennoch liegen die Antragszahlen weiterhin deutlich unter denen der Corona-Jahre, als es fast 50 Prozent mehr Fälle gab. „Die Marktbereinigung im Einzelhandel ist weitgehend abgeschlossen“, sagt Eckhardt. Viele schwache Akteure seien bereits in den Jahren 2023 und 2024 ausgeschieden, sodass die verbleibenden Unternehmen stabiler aufgestellt seien. Digitalisierung, Volumenanpassungen und Effizienzsteigerungen hätten die Überlebensfähigkeit der Branche erhöht.
Anders in der Konsumgüterindustrie: Zwar hätten viele Hersteller investiert und ihre Portfolios verschlankt, doch das veränderte Kaufverhalten der Verbraucher setze dem Markt zu. „Die größte Gefahr geht von der wachsenden Sparmentalität aus“, so Eckhardt. Immer mehr Konsumenten würden Alltagsprodukte durch günstigere Alternativen ersetzen.
2026: Keine Trendwende in Sicht
Der Trend bei den Unternehmensinsolvenzen dürfte sich 2026 fortsetzen. FalkenSteg rechnet mit einer Zunahme von zehn bis 20 Prozent. Zwar könne der geplante Infrastrukturfonds für leichte Entspannung sorgen, dafür würden jedoch neue Unsicherheiten auf der Wirtschaft lasten. „Die deutsche Wirtschaft wird 2026 nur schleppend auf die Beine kommen, weil sich mehrere strukturelle Bremsen wie schleichender Wettbewerbsverlust, Fachkräftemangel, überbordende Bürokratie und stockende Investitionen überlagern“, befürchtet FalkenSteg-Partner Eckhardt.
Bereits im Dezember zeigte die Analyse von Creditreform „Insolvenzen in Deutschland, Jahr 2025“, dass die Zahl der insolventen Unternehmen in Deutschland – über alle Größenklassen hinweg – den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren erreicht hatte. Im Jahresverlauf waren 23.900 Firmen mindestens vorläufig am Ende und mussten Insolvenz anmelden – fast 2.000 mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem weiteren Anstieg von 8,3 Prozent, nachdem die Insolvenzanmeldungen in den beiden Jahren zuvor bereits jeweils um knapp 23 Prozent zugelegt hatten.
Quellen:
www.creditreform.de
https://falkensteg.com/media/insolvenzen-2025-fieberzustand-im-deutschen-mittelstand